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Erst eiskalt, dann „super stolz“: Rybakina krönt sich in Melbourne
Jelena Rybakina feiert ihren zweiten Grand-Slam-Erfolg. Aryna Sabalenka kann eine Führung im Entscheidungssatz nicht nutzen und verliert abermals im Finale.
Jelena Rybakina holte sich erstmals den Turniersieg in Melbourne Foto: AFP/William West
Jelena Rybakina lächelte ein wenig schüchtern, dann schnappte sie sich ihren mächtigen Silberpokal und hielt ihn stolz den zahlreichen Kameras in der Rod Laver Arena entgegen. Die zurückhaltende Kasachin mit den eisernen Nerven hat sich mit einem Überraschungscoup erstmals zur Königin von Melbourne gekrönt. Und schien das Erreichte bei der Siegerehrung noch gar nicht so richtig greifen zu können.
„Es ist schwierig für mich, Worte zu finden“, sagte Rybakina, die in einem packenden Finale der Australian Open die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka mit 6:4, 4:6, 6:4 bezwungen hatte. „Ich möchte euch für die unglaubliche Atmosphäre danken“, führte die 26-Jährige aus – und meinte damit vor allem die begeisterten kasachischen Fans, die die größte Arena auf der Anlage im Melbourne Park in ein Tollhaus verwandelten.
Ein paar Minuten später, als der Druck endgültig abgefallen und Rybakina zum Fernsehinterview bei Channel 9 geladen war, wurde ihr Lächeln breiter und breiter. „Ich bin super glücklich. Und super stolz darauf, wie ich bis zum Ende durchgezogen habe“, sagte sie nun sichtlich gelöst: „Ich liebe Australien, das hier ist der Happy Slam und ich spüre das.“
Zweiter Grand-Slam-Titel
Danach durfte Rybakina endlich in Ruhe ihren zweiten Grand-Slam-Titel nach dem Triumph in Wimbledon 2022 und die gelungene Revanche für das gegen Sabalenka verlorene Endspiel am Yarra River 2023 feiern. Die Belarussin muss hingegen weiter auf ihren fünften Major-Titel warten – weil sie wie schon im Vorjahresfinale nicht an ihre Topleistung herankam.
Als faire Verliererin hatte sich Sabalenka zuvor trotzdem gezeigt. „Ich bin sprachlos gerade“, sagte sie bei der Siegerehrung, um dann doch ein paar warme Worte loszuwerden. „Ich möchte dir zu einem unglaublichen Lauf und zu unglaublichem Tennis gratulieren“, gab sie ihrer Gegnerin mit und konnte dabei schon wieder lachen. „Hoffentlich läuft es nächstes Jahr wieder besser.“
Bald die Nummer eins?
Im Angesicht des glänzenden Daphne Akhurst Memorial Cup ließ sich Jelena Rybakina sogar zu einer kleinen Kampfansage hinreißen. „Natürlich ist das das Ziel. Ich fokussiere mich auf alle Grand Slams“, sagte die sonst so zurückhaltende Kasachin, als sie im Fernsehinterview bei Channel 9 gefragt wurde, ob für sie denn nun auch der Karriere-Grand-Slam drin sei. Zwei Titel, einer bei den French Open und einer bei den US Open, fehlen ihr dafür noch.
Rybakina ist statistisch gesehen seit Mitte des vergangenen Jahres die erfolgreichste Tennisspielerin, am Montag klettert sie durch ihren Coup in Melbourne auf Rang drei der Weltrangliste. Ist da vielleicht künftig sogar ein Sprung auf Platz eins im WTA-Ranking drin? „Ich habe große Ziele“, sagte Rybakina zuversichtlich: „Die Zeit wird es natürlich zeigen, aber wir werden auf jeden Fall weiter daran arbeiten.“
Die Niederlage wird Sabalenka sicher noch einige Zeit wurmen. Aber ihre eiskalte Gegnerin war an diesem Samstagabend in Melbourne einfach zu nervenstark. Rybakina, die wie so oft kaum Emotionen zeigte, belohnte sich für zwei großartige Wochen. Die 26-Jährige, die am Montag zur Nummer drei der Welt aufsteigen wird, zementierte ihren Status als Favoritinnenschreck – bereits zum neunten Mal gelang ihr ein Sieg gegen die Führende im WTA-Ranking.
Dabei hatte sich die Gewinnerin von 2023 und 2024, die vergangenes Jahr im Finale an Madison Keys (USA) gescheitert war, vor der Partie noch siegessicher gegeben. Den besseren Start aber erwischte Rybakina. Wie schon bei ihrer Niederlage im Endspiel der WTA Finals kam sie mit Rybakina nicht zurecht. Die Kasachin bewahrte auch bei zwei Breakchancen Sabalenkas die Ruhe und war kurz darauf nur noch einen Satzgewinn vom zweiten Grand-Slam-Titel entfernt.
Das Niveau war im Anschluss sehr hoch. Rybakina, die vor dem Match sechs von 14 Duellen zwischen den beiden gewonnen hatte, musste für ihre Punkte nun deutlich mehr ackern. Auch, weil ihre Quote beim ersten Aufschlag erheblich absackte.
Kurz vor dem Ende des zweiten Durchgangs wurde ihr das zum Verhängnis. Plötzlich hatte Sabalenka drei Satzbälle – und nutzte ihren ersten zum Ausgleich. Es blieb im Entscheidungssatz ein enges Duell. Rybakina kassierte ein frühes Break, doch sie hatte das letzte Wort. (SID)