Tischtennis

Eric Glod vor den Landesmeisterschaften: „Muss keinem mehr etwas beweisen“

Eric Glod will seinen Landesmeister-Titel im Einzel am Wochenende in Bartringen verteidigen. Das Tageblatt hat beim fünffachen Titelträger nachgefragt, wie es derzeit für ihn in Österreich läuft, wie er seine Chancen auf einen weiteren Triumph einschätzt und auch, ob er eine Rückkehr in die Nationalmannschaft in Betracht zieht.

Eric Glod schlägt beim Tennis-Landesmeisterschaften-Wochenende in der Coque auf

Eric Glod schlägt am Wochenende bei den Landesmeisterschaften in der Coque auf Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Tageblatt: In Österreich dreht sich für Sie alles um den kleinen Ball, in und außerhalb der Tischtennis-Box. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Eric Glod: Mein Lebensmittelpunkt befindet sich weiterhin in Baden. Seit einem Jahr bin ich Teil des Trainerteams der österreichischen Nationalmannschaft und betreue die Damen der Alterskategorien U19 und U15. Alles hat sich schnell entwickelt. Die Trainerfunktion nimmt einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch. Wir sind viel in Europa unterwegs und haben im Januar auch an einem Turnier in Doha teilgenommen. Ich selbst trainiere in einem etwas kleineren Rahmen als zuvor. Hier in Österreich kocht derzeit ein Skandal hoch, der auf die Geschehnisse um meinen Vorgänger zurückgeht. In der „Sportschau“ wurde vor Kurzem ein größerer Bericht darüber ausgestrahlt. Mein Vorgänger hat die Grenzen überschritten, was die Beziehung zu den Mädchen anbelangt, und war seines Amtes als Nationaltrainer enthoben worden. Zu dem Zeitpunkt war ich der richtige Mann am richtigen Ort. Dem Verband wird jetzt vorgeworfen, dass er als Trainer auf Vereinsebene weiterarbeiten durfte, obwohl die betroffenen Spielerinnen den Verband anhand von Textnachrichten und Videos in Kenntnis gesetzt hatten. Als Argument gibt der Verband jetzt die Unschuldsvermutung an.

Wie läuft die Saison mit Ihrem Verein Badener AC?

Mit einem Sieg gegen Salzburg konnten wir uns überraschend für das Pokal-Halbfinale qualifizieren. In der Rückrunde der Bundesliga-Saison war allerdings etwas der Wurm drin. Wir haben die Liga als Tabellensechste abgeschlossen, obschon mehr drin gewesen wäre. Wegen meiner Tätigkeit als Trainer konnte ich nicht immer dabei sein. Aufgrund des Krieges im Mittleren Osten hat unser Topspieler aus dem Iran ein Spiel verpasst, da er nicht rechtzeitig anreisen konnte. Deshalb sind wir umso glücklicher, dass wir im Pokal so weit gekommen sind. Am 29. März treffen wir im Halbfinale auf Wels, den aktuellen Landesmeister. Wir gehen optimistisch in die Partie, wohl wissend, dass dort eine schwierige Aufgabe auf uns wartet.

Kurz vor den nationalen Titelkämpfen scheint Ihre Form zu stimmen. Wie gehen Sie das Wochenende in Luxemburg an?

In den letzten Wochen habe ich in der Meisterschaft und im Pokal richtig gut gespielt. Ich bin in einer Phase angekommen, in der ich meine Spiele, trotz des reduzierten Trainingsumfangs, aufgrund meiner Ruhe und meiner Erfahrung gewinnen kann. Genau so komme ich nach Luxemburg. Ich habe bereits fünf Titel geholt und muss keinem mehr etwas beweisen. Ähnlich wie Gilles Michely, der während 20 Jahren zu den Spitzenspielern in Luxemburg gehörte, stand ich in den letzten zehn bis zwölf Jahren bei den Landesmeisterschaften immer auf dem Podium. Ich kann absolut damit leben, wenn jemand am Wochenende besser ist. Trotzdem bin ich Titelverteidiger, spiele in Österreich in der höchsten Liga und komme keineswegs mit der weißen Fahne an den Tisch. Ich bin mental gut vorbereitet und werde alles daransetzen, jedem das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Wer sind Ihre stärksten Widersacher?

Das sind Maël (Van Dessel) und Luka (Mladenovic), die an Position eins und zwei gesetzt sind. Für Luka wird es kein leichtes Unterfangen, sich gegen die jungen Spieler, mit denen er ständig trainiert, durchzusetzen. Ich glaube, dass er auch gegen mich nicht allzu gerne antritt (schmunzelt). Die Nachwuchsspieler haben einen weiteren Sprung nach vorne gemacht. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, den Titel zu holen. Ein Aaron (Sahr) kann ebenso für eine Überraschung sorgen wie die angehenden Sportsoldaten Gene (Wantz), Loris (Stephany) und Tom (Scholtes).

Sind Sie auch in den Doppelkonkurrenzen am Start?

Da ich mich auf die Einzelkonkurrenz konzentriere, trete ich diesmal nur im Herrendoppel an. Ich freue mich darauf, mit Traian (Ciociu) anzutreten, mit dem ich mich noch regelmäßig austausche. Da kommt geballte Erfahrung auf unsere Gegner zu, er war achtmal Landesmeister, ich fünfmal. Es geht mir jedoch in erster Linie darum, einen „coolen“ Moment zu erleben, mit einem Menschen, der mir in meiner Karriere viel geholfen hat.

Kommt eine Rückkehr in die Nationalmannschaft infrage?

Nach der letzten Meisterschaft war ich noch am Überlegen. Mittlerweile ist dieses Thema für mich erledigt. Ich spiele für mich und konzentriere mich auf den Badener AC und meine Aktivität als Trainer. Ich trainiere nicht mehr genug, um die Verantwortung zu übernehmen, Luxemburg zu vertreten. Das überlasse ich den „jungen Wilden“, die gieriger sind.

Sehen Sie sich auch in Zukunft in der Trainerfunktion, vielleicht in Luxemburg?

Ich bin ein Gefühlsmensch und plane nie mehr als vier Monate im Voraus. Solange ich das Vertrauen als Trainer in Österreich genieße, werde ich dort bleiben. Wenn ich den Eindruck bekomme, dass ich meinen Job erledigt habe, werde ich mich nach etwas Anderem umschauen. Derzeit habe ich das Gefühl, an der richtigen Stelle zu sein. Ich freue mich auf die Mannschafts-WM, wo wir mit der U19-Mannschaft der Damen realistische Chancen auf eine Medaille haben. Ich könnte mir in Zukunft auch vorstellen, in Luxemburg als Trainer zu arbeiten. Ich helfe immer gerne dort, wo ich das Gefühl habe, gebraucht zu werden.

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