Jemp Moura

Eine ständige Suche nach Freiheit und Herausforderungen

Im Dezember stand Jemp Moura bei der Awards Night der sportspress.lu im Rampenlicht, als er den „Prix Ultra Sports“ erhielt. Der Ultratrail-Läufer erzählt im Gespräch mit dem Tageblatt, woher die Leidenschaft für die extremen Läufe stammt und wie er sich auf diese extremen Herausforderungen vorbereitet.

Jemp Moura läuft im Dezember 8.884 Höhenmeter in 11 Stunden auf dem Laufband – Ausdauerlauf, Höhenmeterrekord, Indoor-Training

Im Dezember legte Jemp Moura 8.884 Höhenmeter in elf Stunden auf einem Laufband zurück Foto: Editpress/Julien Garroy

Als Jugendlicher hat Jemp Moura, wie viele andere, Fußball gespielt. Aus beruflichen Gründen hängte er diese Schuhe aber früh an den berühmten Nagel. Durch Freundinnen, die Fußball spielten, führte ihn der Weg indirekt wieder zum runden Leder zurück: Auf Anfrage seines früheren Trainers Romain Jean landete er als Coach beim Damenfußball. „Als Trainer des FC Mamer habe ich in acht Jahren alles gewonnen, was es in Luxemburg zu gewinnen gab. Nach zwölf Titeln war die Flamme bei mir jedoch erloschen. Ich hatte keine Energie mehr und zudem viel an Körpergewicht zugelegt.“

Moura hatte seine Energie für andere geopfert. Durch einen weiteren Zufall entdeckte der heute 49-jährige Immobilienmakler den Laufsport. Die Karate-Trainerin seiner Tochter suchte im Hinblick auf den Strongman in Differdingen einen Laufpartner. Ohne jegliche sportliche Vorbereitung ging er diese Herausforderung an. „Nach zwei Runden und zwei Stunden Laufen, Gehen und Springen war ich überzeugt, das Richtige für mich gefunden zu haben. Ich hatte mir dann eine Frist von drei Monaten gesetzt und mir ein Trainingsprogramm mit Fahrradfahren, Laufen und Eclipse-Maschine aufgestellt. Zudem stellte ich meine Ernährung um.“

Hier baut sich eine gewisse Vertrautheit auf, denn jeder hat das Ziel, bis zum Ende durchzuhalten

Jemp Moura

Mit der nötigen Ausdauer hat sich Moura für die erste Auflage der „Red Rock Challenge“ über 73 Kilometer angemeldet. Seine längsten Trainingsläufe gingen bis dahin über zwölf Kilometer. „'Soyons fous', dachte ich. Bei miserablem Wetter, Regen und Kälte belegte ich am Ende den sechsten Rang unter zwölf Teilnehmern. Im Ziel habe ich geweint, denn ich wusste, dass ich etwas gefunden hatte, das mir gefällt und mich anspricht.“

Über das Internet hat er sich anschließend über die besten Ultratrail-Läufer, wie Kylian Jornet, schlau gemacht und war begeistert von den schönen Landschaften in den Youtube-Videos. In der Folge hat er sich für alle Rennen angemeldet, die er finden konnte – so auch den „Trail du Mont Blanc“. „Alle haben mich gewarnt und gesagt: 'Du musst alles in kleinen Etappen machen.' Aber in meinem Alter hat man keine Zeit, um kleine Schritte zu machen.“

Neue Brüder kennengelernt

Seit acht Jahren ist der Freiberufler wie besessen vom Ultra-Trail. „In den ersten Jahren habe ich jeden Monat ein Rennen mit mehr als 80 Kilometern bestritten. Allerdings nie, um besondere Zeiten zu erzielen, sondern um etwas zu erleben. Ich laufe für den reinen Spaß, dies gibt mir eine große Freiheit – mit der Überzeugung, dass mein Körper mir schon sagen würde, wenn es reicht.“

Mit der Zeit kamen dennoch gewisse Ambitionen hinzu, etwa eine gute Zeit zu erzielen. Obwohl Moura schon renommierte Ultra-Trails bestritten hat, bevorzugt er die weniger kommerzialisierten Rennen und spricht mit Faszination von dem „avant, pendant und après"-Rennen. „Vor dem Rennen kennt man sich kaum und im Briefing nimmt man Kontakt auf. Hier baut sich eine gewisse Vertrautheit auf, denn jeder hat das Ziel, bis zum Ende durchzuhalten. Bei 50, 60, 70 und 100 Kilometern findet man einen Partner oder eine kleine Gruppe und man redet sogar über private Sachen. Nach der Ziellinie und am Folgetag fühlt man sich dann wie Brüder. Mittlerweile kommen meine besten Kollegen aus dem Ultra-Bereich und nicht unbedingt aus Luxemburg, sondern aus Costa Rica, Frankreich oder der Schweiz.“

Moura schätzt die richtigen Werte des Ultra-Trails, nämlich die Freiheit, den Respekt der Natur und die Möglichkeit zur Selbstfindung. Für die großen Distanzen braucht es eine gesunde Ausdauerbasis. In Luxemburg ist es schwierig, die erforderlichen Höhenmeter zu bewältigen. Deshalb trainiert Moura hauptsächlich in einem Fitness-Center. „Man muss eben gewisse Konzessionen machen. Für die Höhenmeter bevorzuge ich das Laufband. Wichtig ist es auch, im Training die Geschwindigkeit herunterzusetzen.“

Auf dem Laufband den Everest hoch

Auf ein Rennen mit mehreren Hundert Kilometern bereitet sich Moura beispielsweise vier Monate intensiv vor, mit einem Schnitt von 15 bis 20 Stunden die Woche und einer Höhendifferenz von 5.000 bis 8.000 Metern. In so eine Trainingsphase schleichen sich manchmal neue Reize ein, wie eine Challenge kurz vor Weihnachten, als er auf dem Laufband die Strecke zum Mount Everest hochgelaufen ist. „Das Laufband ist auf eine Neigung zwischen 14 und 18 Prozent eingestellt. Es galt, die 8.884 Höhenmeter in elf Stunden zu bewältigen.“

Es wird mein bisher größtes Jahr, aber vielleicht auch das Ende meiner Ultra-Karriere. Danach finde ich wohl etwas anderes, das mich herausfordert.

Jemp Moura

Eine wohl für so manchen verrückte Challenge. Für Moura stellt so eine Aufgabe die Suche nach seinen persönlichen Grenzen dar. Seine persönliche Herausforderung meisterte er beim Crossing Switzerland, einem Rennen über 400 Kilometer und 25.000 Höhenmeter, mit Pässen von 3.000 Metern quer durch die Schweiz von Vaduz bis Montreux. „Dies waren fünf Tage ohne Pause mit nur fünf Stunden Schlaf.“

Da Moura nie abends trainiert, muss er sich in den Rennen anpassen. Dazu gehört auch das Tragen eines Rucksacks von sechs Kilogramm. Zu den schönsten Erinnerungen gehört, zu Beginn seiner Ultra-Karriere, die Umrundung des Luxemburger Landes mit 353 Kilometern in 74 Stunden, das Ganze für einen guten Zweck.

Eine neue Karriere für 2027

Mit der erneuten Teilnahme an der „Terra de Gigantes“ nächste Woche beginnt ein prall gefülltes Jahr. Der „BT281+ UltraMarathon“ in Portugal steht noch genauso auf dem Programm wie ein 300-Kilometer-Rennen in Chamonix, diesmal in einem Dreierteam und einem weiteren Ultra-Trail Ende des Jahres in Portugal. „Es wird mein bisher größtes Jahr, aber vielleicht auch das Ende meiner Ultra-Karriere. Danach finde ich wohl etwas anderes, das mich herausfordert.“

Jemp Moura ist also ständig auf der Suche nach neuen Challenges. Die Suche nach Neuem und ihm Unbekannten treibt ihn an. Er weiß, dass Trailrunning mental müde macht. Auch er erlebte zwischenzeitlich ein sportliches Burnout nach zwei nicht beendeten Rennen und kämpfte sich nach einer Zwangspause zurück in die Laufschuhe. Man kann also gespannt sein, in welchem Bereich er sich 2027 versucht und wo er dann die Freiheit findet.

Extremsportler bei Preisverleihung 2025 in Luxemburg, ausgezeichnet von der Luxemburger Sportpresse für herausragende Leistungen

Der Extremsportler wurde 2025 für seine Leistungen von der Luxemburger Sportpresse geehrt Foto: Editpress/Julien Garroy

>
0 Kommentare
Das könnte Sie auch Interessieren

COUPE-FLBB

Wie ein Klassentreffen: Der Charme des kleinen Basketball-Pokals

Basketball

Der große Traum von Kyra Coulon lebt

Basketball

Der Spaß ist zurück: Mandy Geniets freut sich auf das Pokalduell gegen ihren Ex-Klub