Tour de France

Dopingkontrollen, nächtliche Besuche und viele Fragen

Gibt es bei dieser Tour de France mehr Dopingkontrollen als üblich? Warum wurde der Träger des Gelben Trikots mitten in der Nacht geweckt? Werden die Ergebnisse veröffentlicht? Ein Überblick über die Fragen, die sich bei der 113. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt stellen.

In diesem Jahr wird viel rund ums Thema Doping diskutiert

In diesem Jahr wird viel rund ums Thema Doping diskutiert Foto: dpa/Mosa'ab Elshamy

Warum wird in diesem Jahr so viel über Dopingkontrollen gesprochen?
Nach der Ruhe und Routine der vergangenen Tour-Ausgaben, bei denen die zuständigen Stellen während der dreiwöchigen Rundfahrt rund 600 Tests durchführten, wurde das Peloton in diesem Jahr durch mehrere Ereignisse aufgeschreckt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag klingelten Kontrolleure der International Testing Agency (ITA) um 2.00 Uhr morgens bei Jonas Vingegaard, dem Zweitplatzierten der Gesamtwertung, an der Tür, um eine Kontrolle durchzuführen. Anschließend wurde der Gesamtführende Tadej Pogacar um 5.00 Uhr geweckt. Am Montag nahm das Thema dann noch größere Ausmaße an: Das gesamte Peloton wurde kontrolliert. Laut Angaben der ITA gegenüber der Nachrichtenagentur AFP war dies „die erste derartige Aktion während eines Rennens“, seit der Radsport-Weltverband UCI die Dopingkontrollen an die unabhängige Organisation übertragen hat.

Gibt es in diesem Jahr mehr Kontrollen?
Auch wenn der Umfang der Aktion am zweiten Ruhetag am Genfer See zunächst außergewöhnlich wirken mag, bewegt sie sich laut ITA weiterhin im üblichen Rahmen der Arbeit der Organisation. Sie soll die „standardmäßigen Kontrollen vor dem Wettkampf ergänzen, denen alle Fahrer unterzogen werden“. Im Juni wurden dabei etwa 350 Fahrer getestet. Während bei den vergangenen Tour-de-France-Ausgaben rund 600 Proben genommen wurden, wird diese Zahl in diesem Jahr „über dem Wert der vorherigen Ausgabe liegen und mehr als 600 Proben umfassen“, teilte die ITA der AFP mit.

Welche Methoden werden eingesetzt?
Jeden Tag werden mehrere Fahrer – darunter der Träger des Gelben Trikots und der Etappensieger – einer Urinkontrolle unterzogen. Die Ergebnisse liegen innerhalb von 72 Stunden vor. Zusätzlich zu diesen Routinekontrollen wurden bei der Aktion am Montag laut ITA „Blutproben für das hämatologische Modul des biologischen Athletenpasses“ entnommen.

Nach welchen Substanzen wird gesucht?
Bei diesen Bluttests versuchen die Kontrolleure nicht, Substanzen aufzuspüren, die durch klassische Analysen unmittelbar nachweisbar wären. Stattdessen dienen die Tests dazu, „Veränderungen bestimmter hämatologischer biologischer Marker“ zu bewerten – im Vergleich zu den Werten, die vor dem Start der Tour im biologischen Pass des Fahrers gespeichert wurden. Die untersuchten Daten sollen „Veränderungen identifizieren, die auf die Auswirkungen von Doping hindeuten könnten“. Sie können laut ITA als „indirekter Nachweis für die Einnahme verbotener Substanzen oder die Anwendung verbotener Methoden, etwa einer Bluttransfusion“ dienen.

Veröffentlicht die ITA die Ergebnisse – und wenn ja, wann?
Bei einem negativen Ergebnis informiert die ITA nicht öffentlich darüber. Sollte ein Fall jedoch „zu einer verpflichtenden vorläufigen Suspendierung führen“ oder eine Sanktion ausgesprochen werden, erfolgt grundsätzlich eine öffentliche Mitteilung. Die Proben dieser Tour werden in den Laboren von Barcelona und Paris analysiert. Die Ergebnisse werden laut ITA innerhalb von „einigen Tagen bis zu einer Woche oder sogar mehreren Wochen“ erwartet. Einen genaueren Zeitrahmen nennt die Organisation nicht. Allerdings gebe es „kein Datum, ab dem alle Tests endgültig als negativ betrachtet werden können“, betont die ITA. Die Proben werden zehn Jahre lang aufbewahrt und können abhängig von wissenschaftlichen Entwicklungen jederzeit erneut analysiert werden.

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