Radsport

Die Show geht trotz der Hitze weiter

Trotz Temperaturen von weit über 35 Grad und einer Etappenverkürzung wegen der Hitzewelle zeigt sich das Peloton der Tour de France erstaunlich widerstandsfähig. Dank gezieltem Hitzetraining und immer ausgefeilteren Kühlmethoden meistern die Profis die extremen Bedingungen – gleichzeitig werden Forderungen nach einer Anpassung der Startzeiten und des Rennkalenders lauter.

Kühlweste bei der Tour de France getragen, Radfahrer schützt sich vor Hitze während des Rennens

Kühlwesten sind dieser Tage bei der Tour de France überall zu sehen Foto: AFP/Anne-Christine Poujoulat

Stundenlang in der prallen Sonne bei drückender Hitze in die Pedale treten und am nächsten Tag wieder an den Start gehen: Die Fahrer der Tour de France beweisen derzeit eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit. Dabei helfen ihnen immer ausgefeiltere Methoden, um ihren Körper zu kühlen.

„Bis jetzt kommen sie gut damit zurecht. Ist es einfach? Nein. Aber wir tun alle unser Bestes“, fasste Charles Wegelius, Sportlicher Leiter des Teams EF, die vorherrschende Stimmung im Peloton seit dem Start der Frankreich-Rundfahrt am 4. Juli zusammen, die bislang von extremer Hitze geprägt ist. „Es ist heiß, aber der Körper gewöhnt sich daran. Deshalb sollten wir trotzdem Rennen fahren können, ohne unsere Gesundheit zu gefährden“, erklärte Cofidis-Profi Benjamin Thomas.

Selbst die höchste Hitzewarnstufe und gefühlte Temperaturen von über 40 Grad auf der Strecke zwischen Malemort und Ussel am Sonntag versetzten das Fahrerfeld nicht in Aufregung. Die Verkürzung der Etappe um 30 Kilometer wurde beinahe gleichgültig aufgenommen.

Kühlmatratzen und Eisbäder

„Für alle sind die Bedingungen gleich. Ich denke, alle Fahrer haben sich darauf vorbereitet und bereits im Vorfeld Hitzetrainings absolviert“, erklärte der Franzose Nicolas Breuillard, Achter der neunten Etappe. Natürlich würden sich die Profis beim täglichen Start ein paar Grad weniger wünschen. Dennoch haben sie eine bemerkenswerte Hitzetoleranz entwickelt – während weite Teile Frankreichs bereits unter der dritten Hitzewelle vor Mitte Juli leiden.

Die wichtigste Waffe gegen die Hitze bleiben nach wie vor die Trinkflaschen, oft mit eiskaltem Wasser gefüllt. Zusätzlich verteilen die Betreuer entlang der Strecke Eis, auf das sich die Fahrer regelrecht stürzen. An besonders heißen Tagen wie am Sonntag ist nahezu das gesamte Teampersonal entlang der Strecke im Einsatz, um die Fahrer regelmäßig mit Getränken und Eis zu versorgen.

Im Ziel schlüpfen die Profis in Kühlwesten, steigen in Eisbäder und trinken große Mengen Flüssigkeit. „Hitze ist bei der Tour nichts Neues. Wir arbeiten seit mehreren Jahren daran, den Umgang damit zu verbessern“, erklärt Wegelius mit Blick auf das mittlerweile weit verbreitete Hitzetraining. Der Brite verweist außerdem auf modernste Technik, die den Fahrern bei der Regeneration hilft. „Sie verfügen über Kühlmatratzen, die ihre Körpertemperatur überwachen, sie optimal regulieren und den Körper morgens zum Aufwachen sogar wieder erwärmen“, beschreibt er.

So lassen sich die negativen Auswirkungen der Hitze begrenzen, sodass die Fahrer nahezu unter normalen Bedingungen Rennen fahren können. Das zeigte sich auch an der Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 47 km/h in der ersten Rennstunde am Sonntag – obwohl die Corrèze selten so sehr einer Gluthölle glich.

Trotz aller Maßnahmen bleibt die Belastung enorm. Deshalb werden die Forderungen lauter, den Radsport an den Klimawandel anzupassen, der Hitzewellen häufiger und intensiver werden lässt.

Frühere Startzeiten?

Die Fahrervereinigung CPA forderte am Sonntag eine Anpassung der Startzeiten bei Sommer-Rennen. Auch Guillaume Martin-Guyonnet, der sich regelmäßig zu den Folgen des Klimawandels für den Radsport äußert, sprach sich dafür aus.

„Seit einigen Tagen sehen wir, dass es morgens deutlich kühler ist. Deshalb wäre es vielleicht sinnvoller, einige Stunden früher zu starten“, sagte er vor dem Start in Malemort. „Angesichts der Entwicklung des Klimawandels wird man die Startzeiten wohl anpassen müssen. Ein Start um 9.30 oder 10.00 Uhr wäre gut – dann wären wir im Ziel, bevor es zu heiß wird, statt erst um 14.00 Uhr mitten in der größten Hitze loszufahren“, meinte auch der Australier Luke Durbridge.

Für Titelverteidiger Tadej Pogacar ist ein etwas früherer Start allerdings keine echte Lösung. Die Diskussion ist eröffnet – und sie ist ebenso hitzig wie das Wetter selbst.

1 Kommentare
TikTak 13.07.202608:48 Uhr

Wie erwähnt. Die Uhr im April 3 Stunden vorrücken. Gut für alle.

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