Eiskunstlauf
Die Rückkehr des „Vierfach-Gottes“: Malinin brennt auf Olympia-Revanche
Sein Absturz auf olympischem Eis war einer der Momente der Winterspiele in Mailand. Bei der WM in Prag kehrt Ilia Malinin nun als gereifte Person in den Wettkampf zurück.
Ilia Malinin hat die Olympischen Spiele abgehakt Foto: dpa/Christophe Ena
Ilia Malinin hat Frieden geschlossen mit den Olympischen Winterspielen. Lehrreich und einschneidend waren sie, die Wettkämpfe in Mailand, die für immer untrennbar verbunden sind mit der Karriere des besten Eiskunstläufers der Gegenwart. Der „Vierfach-Gott“, der als Gold-Favorit antrat und mehrfach stürzte, der verzweifelte und in der Kür am immensen Druck zerbrach – er ist mit sich im Reinen. „Man muss wieder aufstehen und weitermachen, egal was passiert“, sagt Malinin.
Fast sechs Wochen liegt die größte Niederlage des sieggewohnten Ausnahmeathleten zurück. Am Donnerstag, wenn bei der Eiskunstlauf-WM in Prag das Kurzprogramm der Männer ansteht, kehrt er auf die Wettkampfbühne zurück. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“, sagt Malinin. Mit der Kür am Samstag will er die Saison mit dem dritten WM-Gold nach 2024 und 2025 zu einem versöhnlichen Ende bringen.
Ein Sieg des US-Amerikaners ist das wahrscheinliche Szenario, nicht nur wegen der Abwesenheit des kasachischen Überraschungs-Olympiasiegers Michail Schaidorow. Läuft Malinin fehlerfrei, ist er im Normalfall nicht zu schlagen.
Zu ausgefeilt ist seine Technik, zu kompliziert sind die Sprünge, die er beherrscht, zu spektakulär sein Programm, das nicht nur wegen des regelmäßig gezeigten Rückwärtssaltos ein besonderes ist. „Ehrlich gesag ist das Wichtigste, einfach auf mein Können zu vertrauen und daran festzuhalten“, hatte der WM-Titelverteidiger zuletzt im Sportschau-Interview gesagt.
„Ich hatte so viel Druck“
Bei sich zu bleiben heißt für Malinin inzwischen auch, sich nicht mehr von äußeren Einflüssen blockieren zu lassen. Sehr „stressig“ seien die Winterspiele, die er nach Team-Gold als Achter im Einzel beendete, gewesen: „Ich hatte so viel Druck.“
Der dramatische Absturz lehrte ihn Demut. Malinin sprach von Dankbarkeit, überhaupt sein Olympia-Debüt gefeiert und diese „einmalige Gelegenheit“ bekommen zu haben. Sie ließ ihn auch als Person reifen. „Ich habe jetzt erkannt, wer ich wirklich bin. Ich bin Ilja Malinin, nur diese Person, die es liebt, diese Leidenschaft für Eiskunstlauf zu haben und gerne alles ausprobiert.“
Ilia Malinin probierte aus, er stürzte, er scheiterte – und ist wieder aufgestanden. Die Grenzen des Möglichen, die für ihn in der Vergangenheit nur selten galten, könnten schon bei der WM wieder verschoben werden. „Ich glaube, da kommt noch einiges auf mich zu, auch mal richtig verrückte Sachen, Fünffache und vielleicht ein paar coole Akrobatik-Tricks“, sagte Malinin, „denn das liebe ich.“ (SID)