Radsport
Die Jagd auf Merckx geht weiter: Pogacar blickt schon nach Roubaix
Nach der nächsten Machtdemonstration bei der Flandern-Rundfahrt richtet Tadej Pogacar den Blick auf sein letztes großes Klassiker-Ziel: den Premierensieg bei Paris-Roubaix.
Tadej Pogacar will nach der Flandern-Rundfahrt auch bei Paris-Roubaix am kommenden Sonntag jubeln Foto: AFP/Dario Belingheri
Tadej Pogacar alberte mit seinen Rivalen Mathieu van der Poel und Remco Evenepoel herum und strahlte auf dem Siegerpodest mit seinem Goldpokal um die Wette. Erschöpft von den Strapazen einer fulminanten Flandern-Rundfahrt reichte es wenig später aber nur zu einer halben Kampfansage: „Lasst uns den Moment genießen und mit neuer Motivation nach Roubaix fahren“, sagte Pogacar im Ziel in Oudenaarde – „dann werden wir sehen, was passiert.“
Die Fortsetzung seiner Jagd auf die Monumente, auf die Rekorde des ewigen Eddy Merckx, sie elektrisiert die Radsport-Welt schon jetzt. Pogacars dritter Titel in Flandern und seine nächste Machtdemonstration gegen die (Nächst-)Besten der Welt rückten schnell in den Hintergrund. Schließlich erreicht die Saison der Frühjahrsklassiker schon am kommenden Sonntag ihren Höhepunkt, bei der 123. Austragung von Paris-Roubaix.
Mehr als 50 km Kopfsteinpflaster
Der Sieg in der „Hölle des Nordens“ ist der letzte, der Pogacar bei den fünf prestigeträchtigsten Eintagesrennen noch fehlt – und ein großer Traum, auch wenn Pogacar versucht, die Bedeutung herunterzuspielen. „Die Motivation ist hoch, der Druck niedrig – so niedrig wie der Reifendruck sein wird“, sagte er mit Blick auf das 258,3 km lange Spektakel mit mehr als 50 km Kopfsteinpflaster.
Evenepoel lässt Roubaix aus
Der zweifache Rad-Olympiasieger Remco Evenepoel verzichtet am Sonntag auf den Kopfsteinpflaster-Klassiker Paris-Roubaix. Der Belgier vom deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe wird sich stattdessen wie geplant auf seinen Start bei Lüttich-Bastogne-Lüttich am 27. April konzentrieren.
Evenepoel hatte nach seinem dritten Platz bei der Flandern-Rundfahrt am Wochenende einen möglichen Start bei Paris-Roubaix angedeutet. Red Bull gab jedoch bekannt, dass er an seinen ursprünglichen Plänen festhält und bei Liège-Bastogne-Liège einen dritten Sieg nach 2022 und 2023 anvisiert.
„Remco wird sich wie geplant auf die Ardennen konzentrieren“, sagte ein Teamsprecher dem belgischen Fernsehsender Sporza: „Nach seinem beeindruckenden Debüt bei der Flandern-Rundfahrt ist Paris-Roubaix ein Ziel, das wir in den kommenden Jahren gemeinsam in Betracht ziehen können. Aber im Moment halten wir an unserem Plan fest.“
Evenepoel (26) hatte zuvor erklärt, Paris-Roubaix stehe nicht auf seinem Programm, er sei der Idee aber nicht abgeneigt. „Ich lasse die Tür offen, aber ich glaube, andere haben sie bereits geschlossen“, sagte der Zeitfahr-Weltmeister, der seit Jahresbeginn für Red Bull fährt.
Pogacar, der neben der Flandern-Rundfahrt auch Lüttich-Bastogne-Lüttich, die Lombardei-Rundfahrt und seit diesem Jahr Mailand-Sanremo bereits gewonnen hat, würde mit einem Triumph nicht nur seine Monumente-Sammlung vervollständigen – er würde auch Legende Merckx weiter auf die Pelle rücken. Mit seinen nun zwölf Siegen ist er bereits Zweiter in der ewigen Bestenliste, auf Merckx (19) fehlen ihm noch sieben Siege. Doch Pogacar könnte auch schon 2026 etwas schaffen, was dem Belgier nie gelang: alle Monumente im selben Kalenderjahr zu gewinnen.
Eine fast unverschämte Statistik
„Es stehen jetzt zwei von fünf, wir sollten nicht zu weit vorgreifen“, sagte Pogacar bescheiden, doch das Narrativ rund um die Jagd auf das Quintuple kann der Slowene nicht mehr einfangen. Nicht zuletzt, weil er bei der Flandern-Rundfahrt wieder in seiner eigenen Liga fuhr und als Solist ins Ziel rollte. Auch Klassiker-Maschine van der Poel hatte der entscheidenden Attacke des 27-Jährigen 18 km vor dem Ziel nichts entgegensetzen können.
„Ich gebe immer alles für mich, aber am Ende war er einfach stärker – ich bin mit 650 Watt gefahren und konnte das Hinterrad trotzdem nicht halten“, seufzte van der Poel im Anschluss. Dennoch wird der Niederländer auch in Nordfrankreich Pogacars ärgster Rivale sein. Das flache Terrain bei Paris-Roubaix liegt dem Sieger der vergangenen drei Ausgaben noch mehr als die Flandern-Rundfahrt mit ihren giftigen Anstiegen.
Sollte es Pogacar trotzdem gelingen, van der Poel diesmal zu bezwingen, fehlen ihm eigentlich nur noch zwei ganz große Titel im Weltradsport: ein Olympiasieg und der Sieg bei der Vuelta in Spanien. In einer Sportart, die in der Prä-Pogacar-Ära einst viel mit Spezialisierung zu tun hatte, ist das eine fast unverschämte Statistik.