Radsport
Die Höllen-Tour startet am Samstag: Fragen und Antworten zur 113. Tour de France
3333 Kilometer Strecke, 54.450 Höhenmeter, satte sieben Bergankünfte: Die 113. Frankreich-Rundfahrt wird auch im Jahr 2026 zur Höllen-Tour. Am Samstag startet das wichtigste Radrennen der Welt mit einer Besonderheit, einem klaren Favoriten, einem Luxemburger im Peloton und der Aussicht auf jede Menge Spektakel.
Alles andere als ein Sieg von Tadej Pogacar wäre bei der Tour de France eine Überraschung Foto: Gian Ehrenzeller/dpa
Was ist diesmal anders?
Der Auftakt. Nicht etwa, weil es in Barcelona losgeht – bereits zum 27. Mal findet der Grand Départ außerhalb Frankreichs statt. Vielmehr wird die Rundfahrt diesmal mit einem sehr speziellen Mannschaftszeitfahren eröffnet.
Was ist daran so besonders?
Eigentlich ein Mannschaftswettbewerb, geht es letztlich doch um individuellen Erfolg: Alle Fahrer eines Teams starten zusammen, nur die Zeit des Schnellsten entscheidet über den Etappensieg für die Equipe. Für die Gesamtwertung zählt die persönliche Zeit eines jeden Starters – empfindliche Abstände sind also möglich, zumal es am Ende den Montjuic hinaufgeht. Das mit starken Zeitfahrern wie Olympiasieger Remco Evenepoel gespickte Team Red Bull-Bora-hansgrohe dürfte sich Chancen auf das erste Gelbe Trikot der Tour ausrechnen.
Wie sieht die Route ansonsten aus?
An Tag drei rollt der zu Beginn 184-köpfige Tour-Tross dann in sein Stammland. Und wieder einmal ist die Rundfahrt anschließend in allen fünf Gebirgen Frankreichs zu Gast: in den Pyrenäen, die ungewöhnlich früh auf dem Programm stehen, im Zentralmassiv, in den Vogesen, im Jura und schließlich auch in den Alpen. Erst dort dürfte die Entscheidung fallen – bei einem spektakulären Kletterfinale. Die 19. Etappe führt die Fahrer erstmals seit 2022 wieder hinauf nach Alpe d’Huez, einen Tag später ist der legendäre Skiort auch das Ziel der Königsetappe der Tour mit fast 5500 Höhenmetern.
Was sind die Höhepunkte der Rundfahrt?
Mehr als 3.300 Kilometer müssen die 184 Fahrer bewältigen. Rund 54.000 Höhenmeter stehen in Pyrenäen, Zentralmassiv, Vogesen, Jura und Alpen auf dem Programm. Nach dem Auftakt in Barcelona geht es direkt in die Pyrenäen. Die siebte Etappe mit Ziel in Bordeaux haben sich die Sprinter im Kalender rot eingekreist.
Besonders die letzte Woche hat es dann für die Klassement-Fahrer in sich. Gleich zweimal ist der Wintersportort Alpe d’Huez nach vier Jahren Pause das Ziel, zunächst über den gewohnten Weg auf der 19. Etappe. Am vorletzten Tag der Rundfahrt dann nur über die letzten 3 der 21 ikonischen Kehren, aber am Ende einer brutalen Etappe mit insgesamt 5.600 Höhenmetern.
Am 26. Juli endet die Rundfahrt in Paris. Mehrmals geht es wieder über den Anstieg am Montmartre, was schon im Vorjahr und bei Olympia 2024 für Spektakel sorgte.
Welche Luxemburger sind am Start?
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als kein Luxemburger am Start war, vertritt mit Alex Kirsch immerhin ein einheimischer Radsportler die luxemburgischen Farben. Kirsch, der seit diesem Jahr für die französische Mannschaft Cofidis fährt, soll vor allem die Sprints für Milan Fretin anfahren, wird aber auch seine Freiheiten bekommen.
Kann irgendjemand Tadej Pogacar schlagen?
Der slowenische Radsport-Dominator gewann erst im Frühjahr fast alle Klassiker, bei denen er antrat, und siegte dann zuletzt bei der Tour de Suisse mit mehr als sechs Minuten Vorsprung. Wenn er gesund durch die drei Wochen kommt, wäre alles andere als ein Sieg eine riesige Überraschung. Es wäre der fünfte Triumph des 27-Jährigen bei der Tour. Der Weltmeister würde mit den Rekordhaltern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichziehen.
Wer könnte Pogacar zumindest ärgern?
Der größte Konkurrent ist gewiss Jonas Vingegaard. Der Däne hat Pogacar 2022 und 2023 bereits in die Schranken gewiesen und er reist in Topform zur Tour. Beim Giro-Erfolg im Frühsommer war Vingegaard so dominant, dass er mit Blick auf die Tour auch ein paar Körner sparen konnte. Und dann ist da ja noch das französische Wunderkind. Paul Seixas, zarte 19 Jahre alt und höchst veranlagt, verzückte im Mai seine Oma und eine ganze Radsportnation, als er seine Tour-Teilnahme verkündete. Zur Wahrheit gehört aber auch: Trotz Seixas’ Großtaten im Frühjahr wird Frankreich wohl weiter warten müssen, bis ein einheimischer Fahrer die 41 Jahre lange Durststrecke seit dem Toursieg von Bernard Hinault beendet. Vielleicht aber nicht mehr allzu lange.
Warum könnten die TV-Motorräder für Ärger sorgen?
Beim Giro machte der Deutsche Max Walscheid seinen Frust deutlich. „Heute haben Motorräder leider den Ausgang des Rennens beeinflusst und das ist für uns extrem enttäuschend“, sagte er nach der 15. Etappe, bei der eine Ausreißergruppe überraschend vor dem heranrasenden Hauptfeld ins Ziel kam. Der Vorwurf, der immer wieder bei Rennen geäußert wird: Die TV-Motorräder seien zu nah an den Ausreißern gefahren und hätten so wichtigen Windschatten gespendet. Das Thema könnte auch in Frankreich wieder hochkochen und eine Debatte über die Einführung einer technischen Lösung verstärken.