Radsport

20 Jahre Fuentes-Skandal – Manager Ralph Denk: „Kein systematisches Doping“

Vor 20 Jahren erschütterte der Fuentes-Skandal den Radsport. Heute sieht Manager Ralph Denk kein systematisches Doping mehr – und verweist auf strengere Kontrollen.

Jan Ullrich und Rudy Pevenage auf dem Weg zur medizinischen Untersuchung vor Tour de France Start in Straßburg

Der deutsche Radprofi Jan Ullrich (r.) und Sportdirektor Rudy Pevenage auf dem Weg zur medizinischen Untersuchung vor dem Start der Tour de France 2006 in Straßburg Foto: Gero Breloer/dpa

Es war der große Skandal der Tour de France. Kurz vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt 2006 wurde eine Kundenliste des Dopingarztes Eufemiano Fuentes mit über 50 Namen publik, darunter prominente Fahrer wie Deutschlands einziger Tour-Sieger Jan Ullrich oder Italiens Radstar Ivan Basso. Die Doping-Schlagzeilen stürzten den Radsport in eine tiefe Krise. Ullrich und Basso, die beiden Topanwärter auf den Gesamtsieg, wurden am 30. Juni 2006 noch vor dem Start von der Tour ausgeschlossen.

20 Jahre später hält Rad-Manager Ralph Denk ein derartiges Doping-Netzwerk in seiner Sportart für ausgeschlossen. „Ich glaube, was ich ausschließen kann, ist, dass es systematisches Doping gibt wie vor 20 Jahren. Da lege ich mich ganz weit aus dem Fenster, das gibt es nicht. Schwarze Schafe wird es immer geben, wenn es um Geld geht“, sagte Denk vor dem Start der 113. Frankreich-Rundfahrt am Samstag in Barcelona.

Ullrich glaubt an heutige Generation

Ähnlich hatte sich Ullrich, der erst mit großer Verspätung geständig gewesen war, in der Vergangenheit geäußert. „Ein System mit weit verbreitetem Doping ist nicht mehr möglich. Auch der Weltverband hat eine viel stärkere Durchsetzungskraft und ist mittlerweile finanziell sehr gut aufgestellt. Für mich sind die Leistungen erklärbar. (...) Ich glaube auch, dass die heutige Generation aus unseren Fehlern gelernt hat. Der Profi-Radsport ist anders geworden“, sagte Ullrich vor zwei Jahren in einem dpa-Interview.

Der Fuentes-Skandal war auch gleichbedeutend mit dem Karriereende von Ullrich. Es folgten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Hausdurchsuchungen. In der Folge wurden weitere Skandale publik, auch Ullrichs früherer Dauerrivale Lance Armstrong legte später ein umfangreiches Doping-Geständnis ab. Auch Frank Schleck wurden bekanntlich Verbindungen zum Dopingarzt nachgewiesen. 2008 enthüllte die Süddeutsche Zeitung, dass der luxemburgische Radprofi Frank Schleck dem spanischen Dopingarzt 7.000 Euro überwiesen hatte.

Laut Schleck habe er lediglich für Trainingspläne bezahlt und nicht gewusst, an wen er das Geld überwiesen habe. Bis heute ist diese Darstellung wenig glaubwürdig. Der Einsatzleiter der Guardia Civil bei der Operación Puerto, Enrique Gomez Bastida, hatte 2018 dem Tageblatt gegenüber erklärt, dass Fuentes keine normalen ärztlichen Dienste anbot: „Er hat Dopingprogramme erstellt.“

Schleck und der Codename „Amigo de Birillo“

Auch Jörg Jaksche, ehemaliger Fuentes-Kunde und Kronzeuge im Prozess, fand 2018 gegenüber dem Tageblatt klare Worte: „Fuentes wurde sicherlich nicht aufgesucht, um Trainingspläne zu erstellen.“ Ein weiterer Fuentes-Kunde, Thomas Dekker, reagierte auf den Tageblatt-Artikel und twitterte: „Fake News, niemand ging jemals für Trainingspläne zu Fuentes.“ Schleck selbst ließ damals eine Interview-Anfrage unbeantwortet.

Schleck wurde mehrmals mit dem Codenamen „Amigo de Birillo“ in Verbindung gebracht. Sollte er sich hinter diesem Codenamen verstecken, wären vier Blutbeutel bei der Razzia 2006 von ihm sichergestellt worden. Der Radsport war am Sonntag im Interview übrigens kein großes Thema. Fuentes ist eben nicht nur ein berüchtigter Dopingarzt, sondern weiß sich auch selbst zu vermarkten. Solange der Fall nicht aufgeklärt ist, kann „Ufe“, wie der 66-Jährige von seinen Freunden genannt wird, weiterhin durch theatralische Medienauftritte von sich reden machen und bleibt somit weiterhin ein Schreckgespenst für seine ehemaligen Kunden. Sponsoren und TV-Sender zogen sich danch aus dem Radsport zurück, Radrennen wurden wegen fehlender Finanzierung eingestellt.

20 Mio. zusätzlich für Dopingkontrollen

Der Radsport habe daraus seine Lehren gezogen, so Denk. „Ich traue mich zu sagen, dass der Radsport das engmaschigste Antidoping-Kontrollsystem hat im Vergleich zum gesamten Spitzensport. Was auch ein Novum ist, dass der Profiradsport on top zu den Kontrollen der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) noch selbst Budget frei macht, um Kontrollen zu installieren. Da geben wir als Team einen Beitrag rein, da geben aber auch die Rennfahrer selbst von ihrem Preisgeld was rein und da geben die Rennveranstalter was rein“, erklärte Denk und nannte eine Summe von 20 Millionen Euro als Größenordnung.

„Es gibt da den Blutpass, wo der Radsport der Vorreiter war, den mittlerweile auch andere Sportarten übernommen haben, der den indirekten Nachweis des Dopings darstellen kann. Und ich glaube, dass sehr, sehr viel getan wird“, ergänzte Denk.

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