Flandern-Rundfahrt

Der nächste Schritt in der Entwicklung: Gwen Nothum kam, um zu lernen

Gwen Nothum (Minimax Cycling Team) ist bei ihrer Premiere bei der Flandern-Rundfahrt nicht bis ins Ziel gefahren. Die 19-Jährige kam nach Oudenaarde, um zu lernen und um den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu machen.

Gwen Nothum mittig bei der Flandern-Rundfahrt, konzentriert beim Lernen und Beobachten des Radrennens

Gwen Nothum (Mitte) war bei der Flandern-Rundfahrt, um zu lernen Foto: Minimax Cycling Team/Facebook

Läuft man über den Parkplatz der Teambusse in Oudenaarde, dann wird das unterschiedliche Budget der einzelnen Teams schnell deutlich. Während die großen Teams mit ihren riesigen Bussen, ausgestattet mit Duschen, Bildschirmen zum Verfolgen des Renngeschehens und hochmoderner Technik, vorfahren, wirkt der kleine Camper vom Continental-Team Minimax fast winzig.

Auch wenn der Camper im Schatten der großen Teambusse steht, Angst hat das belgische Team vor den ganz Großen keineswegs. „Der Plan war von Anfang an, dass wir uns vorne zeigen wollten“, sagte Gwen Nothum. „Leider haben wir das nicht hinbekommen. Das Rennen war von Anfang an sehr schnell. Ich habe versucht, vorn zu bleiben. Dann ist eine Gruppe weggegangen und ich habe versucht, nachzugehen, es aber nicht geschafft. Die Positionierung war nicht gut, in den Beinen hat es auch gefehlt und vielleicht auch am Glück. Um auf diesem Niveau in die Ausreißergruppe zu kommen, muss vieles zusammenkommen.“

Enttäuschung überwiegt

Nothum wurde bei ihrer Flandern-Rundfahrt-Premiere dann relativ früh abgehängt und fuhr in einer größeren Gruppe hinterher. „Wir sind Vollgas gefahren, aber irgendwann kommt ein Auto und sagt, dass es vorbei ist. Ich bin enttäuscht, weil ich nicht das aus meinen Möglichkeiten herausgeholt habe, was ich kann. Man kann nicht alle Tage die Flandern-Rundfahrt fahren.“

Doch für die 19-Jährige werden sicher noch weitere Chancen kommen, das größte belgische Eintagesrennen zu fahren. Die Erfahrungen aus dem ersten Mal werden ihr in Zukunft helfen. „Das Niveau ist extrem hoch. Für mich ist es einfach eine tolle Möglichkeit, ein solches Rennen zu fahren. Ich habe sehr viel gelernt. Ich fahre fast wöchentlich mit den Besten der Welt im Peloton und erhoffe mir, dadurch einen Sprung zu machen. Ich will alle Jahre wieder hierher zurückkommen, und wer weiß, vielleicht irgendwann gewinnen.“

Logische Nervosität

Den richtigen Schritt in ihrer Entwicklung hat Nothum mit dem Transfer zu Minimax gemacht. Nach dem Omloop Het Nieuwsblad (82. Platz) und In Flanders Fields (DNF) ist sie drei WorldTour-Rennen binnen weniger Wochen gefahren. „Ich bin jetzt in der ersten Saisonhälfte fast so viele Rennen wie letztes Jahr insgesamt gefahren. Ich habe eine gute Basis und hoffe, dass ich nach einer kleinen Pause dann einen weiteren Schritt machen kann.“

Wenn dann noch die Ruhe mit der Erfahrung kommt, können die Leistungen gar noch besser werden. Denn, das gibt Nothum offen zu, die Nervosität war vor der Flandern-Rundfahrt logischerweise groß. „Ich lag am Vortag im Bett und habe mir gedacht: ‚Oh Mann, morgen fährst du die Flandern-Rundfahrt‘.“ Das war schwer zu realisieren, aber schlafen konnte ich trotzdem gut“, fügt sie schmunzelnd hinzu. „Insgesamt ist die Stimmung bei uns gerade bei solchen Rennen gut. Beim Frühstück kamen wir aus dem Lächeln gar nicht raus.“ Am Montag fuhr Nothum noch bei der Ronde de Mouscron (1.1) mit 33 Sekunden Rückstand auf die französische Siegerin Clara Copponi (Lidl-Trek) auf Platz 95, am Mittwoch steht dann noch der Scheldeprijs (1.Pro) an, ehe sie eine Pause einlegt.

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