WM 2026
Curaçao: Im Partybus zur Sensation gegen Deutschland
Für Curaçao ist die WM-Premiere gegen Deutschland das ganz große Highlight – verbunden mit einigen Träumen.
Ein greller Kontrastpunkt zu der sterilen FIFA-Glitzerwelt Foto: Pong Pong/AFP
Aus dem kultigen hellblauen Schulbus ohne Fenster dröhnt der rhythmische Sound der Karibik. „Sorry, mi a jega“ ist an der Front des wackligen Gefährts in gelben Buchstaben zu lesen. Heißt so viel wie: „Sorry, aber wir sind angekommen!“
Curaçao im Ausnahmezustand
Und das ist nicht zu übersehen, vor allem aber nicht zu überhören, als die Spieler aus Curaçao freudestrahlend, singend und tanzend mit Musikboxen in der Hand aus ihrem bunten Partybus vor dem noblen Marriott-Hotel in Boca Raton/Florida steigen – und damit erstmals die ganz große Bühne betreten. Es ist in der oft sterilen Glitzerwelt der FIFA ein greller Kontrastpunkt.
Die Stimmung beim kleinsten Teilnehmer der WM-Geschichte vor dem Start ins Mega-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada ist prächtig. Schon jetzt befindet sich die kleine Karibikinsel mit nur 444 Quadratkilometern Größe und 155.000 Einwohnern angesichts der historischen Dimension ihrer Endrunden-Premiere im Ausnahmezustand.
Neuer Nationalfeiertag?
„Das wird eine wundervolle Erfahrung für das ganze Land. Jeder wird vor dem TV sitzen. Erste WM jemals und dann auch noch als kleinstes Land: Wir schreiben Geschichte“, sagte Tahith Chong vor dem Auftakt am Sonntag (19.00 Uhr) gegen Deutschland glückselig. Wenn auch noch die große Sensation gelingen sollte, ergänzte der frühere Nationalspieler und Bundesligaprofi Charlison Benschop im SID-Gespräch aufgeregt, „gibt es einen Nationalfeiertag“. Schon jetzt sei das alles „Wahnsinn“.
Noch können es die Karibik-Kicker kaum glauben, dass sie in Houston auf den viermaligen Weltmeister treffen. Das sei „surreal“, betonte Eloy Room. Gerade das Duell mit Manuel Neuer sei „aufregend. Er ist eine Legende.“
Doch bei allem Respekt: Die „blue wave“, die Blaue Welle, wie sich das Team nennt, soll möglichst auch über die DFB-Elf hinwegschwappen. „Deutschland hat ein fantastisches Team. Aber wir wollen auch dort ein Resultat erzielen“, sagte Chong.
Nur einer ist nicht in den Niederlanden geboren
Der 26-Jährige, der Nick Woltemade aus gemeinsamen Bremer Zeiten kennt, ist der Star des Teams. Chong, mit Zweitnamen nach dem großen französischen Regisseur „Djorkaeff“, spielt beim englischen Zweitligisten Sheffield – und: Der Angreifer ist der einzige Spieler im 26-köpfigen Kader, der überhaupt auf Curaçao und in der Hauptstadt Willemstad geboren wurde. Der Rest erblickte in den Niederlanden das Licht der Welt, wie auch der Trainer.
Der kauzige Dick Advocaat, der beim Turnier mit seinen 78 Jahren zum ältesten WM-Coach aufsteigen wird, führte Curaçao sensationell zur WM. Schon jetzt hat er sich im Inselstaat ein Denkmal gesetzt.
Doch sein Team soll nicht nur bei Tanzeinlagen im Teambus oder im Hotel glänzen. „Wir wollen in die nächste Runde. Dafür fahren wir da hin“, sagte Advocaat und ergänzte: „Eine Überraschung ist immer möglich.“ Auch gegen Deutschland.
Dafür hält er seine Jungs an der langen Leine. „Ich lasse heute Dinge zu“, betonte Advocaat mit einem Lächeln, „die ich früher nicht akzeptiert hätte.“ Laute Reggae-Musik im hellblauen Partybus gehört dazu.