WM-Kolumne „Hasta La Visa“

Nice to see you again: Sportredakteurin Jenny Zeyen freut sich über alte Bekannte

Die Vorfreude auf die WM hält sich bei vielen in Grenzen. Doch manchmal genügt ein Blick auf die Kaderlisten, um Erinnerungen an frühere Turniere zu wecken. Bei mir war es ein Name: Guillermo Ochoa.

Nice to see you again: Sportredakteurin Jenny Zeyen freut sich über alte Bekannte

Grafik: Editpress

WM-Fieber, wie bei so vielen, ist es bei mir auch wenige Stunden vor dem Eröffnungsspiel noch nicht angekommen. Die täglichen Meldungen von neuen Einreiseschikanen in die USA trüben den Blick auf dieses Turnier der Superlative. Vorfreude, wie etwa vor der WM 2006 (sind das tatsächlich schon 20 (!) Jahre her?), bei mir gab es sie auch vor den letzten Weltturnieren nicht mehr.

Schön aber, wenn es da dann noch diese Konstanten gibt: Menschen, die einen irgendwie gefühlt schon immer begleitet haben. Und als ich mir die WM-Kader angeschaut habe, da war er wieder. Nein, nicht etwa Ronaldo oder Lionel Messi, sondern Guillermo Ochoa. Mexikanischer Torhüter, inzwischen 40 Jahre. Genau, der mit dem schwarzen Haarband. Ein Spieler, der alle vier Jahre bei Weltmeisterschaften plötzlich wie aus dem Nichts wieder auftaucht und abliefert. Wo er in den vergangenen Jahren steckte? Um ehrlich zu sein, erst die Suchmaschine verriet mir: Zypern, AEL Limassol. Doch da waren sie wieder, die Erinnerungen, wie etwa an die WM 2014, als er mit seinen Paraden die Brasilianer zum Verzweifeln brachte. Oder die WM 2018, als er den 1:0-Sieg gegen Titelverteidiger Deutschland absicherte. Und die Sprüche: „Zieh dir ein schwarzes Haarband an und du kannst als Ochoa zur WM-Party gehen.“ Ähnliche Frisur, gleiche Generation.

Noch immer mit schwarzem Haarband: Guillermo Ochoa

Noch immer mit schwarzem Haarband: Guillermo Ochoa Foto: AFP/Carl de Souza

Nun bekommt er ihn, seinen „Last Dance“, bei der WM im eigenen Land. Wenn auch nicht mehr als Nummer eins seines Teams. Doch gemeinsam mit Messi und Ronaldo wird er zukünftig dem elitären Klub der „sechs Weltmeisterschaften“ angehören. Und ich: Ich fühle mich plötzlich dann doch nicht mehr so alt und habe einen Grund, mir das Eröffnungsspiel am Donnerstag anzusehen. Und bei Kindern, die morgens pünktlich um 5 Uhr aufwachen, sind 21-Uhr-Spiele alles andere als geschenkt.

Es sind solche Geschichten, die Weltmeisterschaften besonders machen. Spieler wie Guillermo Ochoa, die keine Superstars sind, aber gerade auf der Weltbühne von sich reden machen. Ihnen sollte die WM-Bühne gehören.

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