Leichtathletik

Charles de Ridder: Der Luxemburger Hammer-Rekordhalter als Trainer bei der EM

Charles de Ridder hält seit 2000 den luxemburgischen Hammerwurf-Rekord. Bei der EM in Birmingham ist der 55-Jährige nicht mehr selbst im Ring, begleitet als Trainer aber den deutschen Athleten Sören Klose.

Charles de Ridder (M.) mit dem Deutschen Sören Klose (l.) und dem Ukrainer Mykhaylo Kokhan

Charles de Ridder (M.) mit dem Deutschen Sören Klose (l.) und dem Ukrainer Mykhaylo Kokhan Foto: privat

Wenn der Blick von Sören Klose bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham nach einem Wurf in Richtung Tribüne ging, suchte er dort auch einen Luxemburger. Charles de Ridder saß nicht weit vom Hammerwurf-Ring entfernt und verfolgte jeden Versuch seines Athleten.

Es ist eine besondere Konstellation: Klose, deutscher Hammerwerfer auf dem Weg nach oben, und de Ridder, der Mann, dessen Luxemburger Rekord seit 26 Jahren Bestand hat. 70,15 Meter warf er am 30. April 2000 – die Marke ist bis heute unerreicht. „Klar ist das schön, den Landesrekord zu haben. Aber ich muss ehrlich sagen: Ich wäre froh, wenn jemand kommen würde, der ihn bricht“, sagt der 55-Jährige. „Denn es geht noch viel weiter. Ich würde mir wünschen, dass jemand den Rekord bricht und auch auf hohem internationalen Niveau mitmischen kann.“

Eine Familiengeschichte

Dass größere Weiten möglich sind, zeigt sein deutscher Schützling. In Birmingham erreichte der Deutsche bei seiner ersten Europameisterschaft unter dem Luxemburger Trainer das Finale und belegte mit 78,13 Metern Rang sechs. Nur fünf Zentimeter fehlten zu seiner persönlichen Bestleistung.

„Das Finale war das Ziel“, sagt de Ridder. „Sören hatte im letzten Jahr einen Bandscheibenvorfall und eine Sehnen- und Bänderverletzung am Fuß erlitten. Er wurde im Februar operiert. Als wir im April wieder anfingen, erreichte er 51 Meter. Die Steigerung seitdem ist enorm. Das ist viel mehr, als wir erwartet hatten. Besser hätte es nicht laufen können.“

Sören Klose belegte bei der EM im Finale den sechsten Platz

Sören Klose belegte bei der EM im Finale den sechsten Platz Foto: AFP/Ben Stansall

Klose selbst sprach nach der EM vom „besten Wettkampf seines Lebens“. Zusammen mit seinem luxemburgischen Coach liegt das Hauptziel in der Zukunft auf den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.

Dass de Ridder heute Klose trainiert, ist auch eine Familiengeschichte. Die Zusammenarbeit begann nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris. „Nachdem es Probleme mit Verletzungen und dem vorigen Trainer gab, sind sie auf mich zugekommen“, erzählt de Ridder. Der Kontakt entstand über Sörens Vater Holger – ebenfalls ein früherer Schützling des Luxemburgers. „Ihn habe ich vor rund 20 Jahren trainiert. Er hatte eine Bestleistung von 82,22 Metern. Mit ihm war ich auch bei der WM 2005 in Helsinki.“

Auch Sörens Mutter Kirsten war Hammerwerferin. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann sie Bronze. Das Talent für den Hammerwurf wurde Sören damit gewissermaßen in die Wiege gelegt.

Berater für mehrere Athleten

De Ridders Trainerlaufbahn begann unmittelbar nach dem Ende seiner aktiven Karriere. „Ich habe gemerkt, dass ich das gut kann“, sagt er. Kloses Vater war damals sein erster Athlet „mit internationalem Niveau“. Er betreute auch Athleten in Luxemburg, doch dafür fehlt ihm heute die Zeit.

Während er in der Woche seiner Arbeit an einer Schule nachgeht, reist de Ridder für die Zusammenarbeit mit Klose jedes Wochenende ins deutsche Porta Westfalica bei Minden. Dort hat er ein Team aus Physiotherapeuten und einem Co-Trainer aufgebaut. „Am Wochenende bin ich für die Einheiten vor Ort, der Rest läuft über Video und den Co-Trainer“, erklärt er.

Klose ist dabei de Ridders Hauptathlet, längst aber nicht sein einziger. Der Luxemburger arbeitet als Berater auch für andere Hammerwerfer – darunter den Ukrainer Mykhaylo Kokhan, der in Birmingham die Bronzemedaille gewann.

Seine Arbeit als Trainer will de Ridder künftig weiter professionalisieren. Ab Ende des Jahres möchte er sich vollständig auf den Sport konzentrieren.

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