Größte der Welt

Charles Munster berichtet von seiner ersten Rallye Dakar

Trotz technischer Probleme und Zeitverlusten zeigt sich Charles Munster zufrieden mit seiner ersten Rallye Dakar und plant bereits die nächste Teilnahme – mit größeren Ambitionen.

Charles Munster bei der Rallye Dakar, fokussiert und bereit für die Herausforderungen der Offroad-Rallye

Charles Munster und Xavier Panseri sind Rallye Dakar erfolgreich zu Ende gefahren Foto: Simon Bauchau

Auf einem brandneuen KTM X-Bow fuhr Charles Munster im G Rally Team seine erste Dakar. Nach vorsichtigerem Auftakt fuhr er mit seinem Beifahrer Xavier Panseri dreimal hintereinander in die Top Ten und sie lagen zur Halbzeit aussichtsreich auf dem achten Gesamtrang. Nach dem Ruhetag folgten aber drei Etappen mit technischen Problemen und auf der zehnten Etappe der Ausfall durch Kupplungsschaden. Die notierten 60 Stunden warfen sie im Gesamtklassement ganz weit zurück, doch mit zwei zehnten Plätzen und dem zweiten Etappenplatz im Schlusssprint zeigten sie noch einmal ihr Potenzial. Am Montag arbeitete der COSL-Nachwuchsathlet bereits wieder im heimischen Betrieb, doch der 24-Jährige nahm sich gut gelaunt Zeit für ein Interview.

Tageblatt: Charles Munster, wie lautet Ihr Fazit der Rallye Dakar?

Charles Munster: Wir haben eine sehr seriöse Leistung gezeigt. Auch wenn wir viele Probleme hatten, die uns viel Zeit kosteten, so bin ich doch sehr glücklich, dass ich diese Erfahrung machen konnte.

Was unterscheidet diese Dakar von Ihren bisherigen Rallye-Raids in Spanien, Portugal oder Marokko?

Sie ist schon sehr anders, es gab sehr viele Steine und ganz unterschiedliche Etappen oder Bedingungen auf den Etappen. Auch sehr viel Sand und dann manchmal 20 Minuten Vollgas auf einer schnurgeraden Piste. Die Dünen waren dann viel weicher und auch größer als jene in Marokko.

Wie müde waren Sie auf dieser – auch wegen ihrer fast 8.000 Kilometer – größten Rallye der Welt?

Natürlich wird man physisch müde, aber auch mental. Verschiedene Etappen sind schon sehr lang. Aber ich habe mich eigentlich jeden Tag gut gefühlt. Ich war nicht müder als bei anderen Rennen. Einzig auf der 6. Etappe, die ausschließlich in den Dünen stattfand, musste ich mich die ganze Zeit sehr anstrengen. Da war es schon sehr schwierig, die Konzentration so lange hoch zu halten.

Wie schwierig ist es, nach solch einer anstrengenden Sonderprüfung dann noch mehrere Hundert Kilometer Verbindungsetappe zu absolvieren?

Das ging eigentlich ganz gut, auch diese Strecke war abgesperrt und ich teilte mir dort das Lenkrad mit meinem Beifahrer, schlief teilweise auf dem Beifahrersitz.

Nach der kurzen Marokkorallye waren Sie jetzt zwei Wochen am Stück mit Xavier Panseri unterwegs, mit hohem Stresspegel im Rennen. Wie lief die Zusammenarbeit?

Wir kommen super miteinander aus. Von meiner Seite aus hat jedenfalls alles prima gepasst. Im Rennen haben wir bestens harmoniert. Und auf der Verbindungsetappe haben wir dann zum Teil miteinander geredet, zum Teil hatte auch jeder seine Musik in seinem Helm.

Was waren für Sie die starken Momente in Ihrer Dakar?

Eigentlich die ganze Rallye hat mir gut gefallen. Wie abwechslungsreich die Etappen waren, auch wie eng man mit den direkten Konkurrenten auf der Etappe beieinander lag. Besonders war dann die sechste Etappe ausschließlich in den Dünen, wo ich angesichts meiner Erfahrung ein gutes Resultat (7., Anm. d. Red.) erzielte. Und natürlich die 13. Etappe als zweite.

Was sind Ihre Fehler oder Lehren aus diesem Rennen?

Ich habe nicht wirklich einen Fahrfehler gemacht, aber vielleicht hätte ich den einen oder anderen Plattfuß vermeiden können. Xavier hat sich nur einmal in der Navigation vertan, aber da hatten auch viele der Besten große Probleme. Ich bin ziemlich zufrieden, aber weiß jetzt auch besser, wo ich ein anderes Mal etwas schneller fahren kann.

Ihre Teamkollegin Puck Klassen hat zwei Etappen gewonnen und wurde Gesamtfünfte. Was kann sie besser?

Sie fuhr sehr gut und kannte die ganze Dakar über keine größeren Probleme. Nach einer Etappe mit Problemen ist es nicht leicht, wieder in die guten Startpositionen zurückzukommen. Wir haben analysiert, dass man im Staub über 40 Kilometer rund zwei Minuten verliert. Wenn man innerhalb von 107 Prozent zum Sieger ins Ziel kommt, startet man eigentlich wieder in einer guten Gruppe, aber kann trotzdem noch ein paar Teilnehmer aus der Stockkategorie vor sich haben, die einen bremsen.

Eine Etappe hingen Sie 120 Kilometer hinter einem Lkw fest. Wie sehr stresst Sie das und ist es schwer, da nicht irgendwann einen (zu) riskanten Überholversuch zu starten?

Wir hatten zu dem Zeitpunkt auch schon mit Plattfüßen einiges an Zeit verloren. Allgemein stresse ich mich im Staub nicht und schaffe es gut, auf die richtige Gelegenheit zu warten. Meistens lässt man einen schnelleren Konkurrenten auch vorbei. Es gibt ein Sentinell-System und wenn man nah genug dahinter ist, muss man den schnelleren Teilnehmer nach der dritten Meldung vorbeilassen. Deshalb erhielt jener Lkw nachher auch drei Strafminuten.

Wie schätzen Sie nach dieser Erfahrung Ihre Fähigkeiten im RallyeRaid ein?

Ich denke wir haben unsere Aufgabe sehr gut gelöst. Ich hoffe, dass ich eine Zukunft in dieser Disziplin habe. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden und auch das Team hat gesehen, dass wir keine Fehler gemacht haben. Auch haben wir bei Problemen schnell repariert. Ohne die technischen Probleme hätten wir ein richtig gutes Resultat erreicht.

Wie konkurrenzfähig ist denn Ihr Auto und Team?

Ich bin mir sicher, dass das Auto gewinnen kann und das Team hat bestens gearbeitet. Wie die Resultate von Puck und mir ja auch zeigen. Dabei hatten wir nur kleinere Probleme, die aber sehr viel Zeit kosteten und die vorher auch noch nicht aufgetreten waren. Dann kommen im Laufe der Saison von KTM noch weitere, verbesserte Teile.

Wie geht es mit der Saison weiter?

Normalerweise fahren wir die ganze WM-Saison. Das ist das Ziel, aber wir müssen noch schauen, ob wir das ganze Budget zusammenbekommen.

Wollen Sie 2027 wieder bei der Dakar starten?

Ja! Aber mit anderen Ambitionen. Einerseits haben wir wegen der 10. Etappe noch nicht das Finisherpaket bekommen. Aber andererseits wollen wir auch ein konsequentes Resultat erreichen, was unserem Können entspricht.

Ihr Bruder Grégoire ist bereits auf der dritten Etappe ausgeschieden. Will auch er wieder starten?

Trotz seines frühen Ausfalls ist Grégoire jedenfalls nicht angewidert von der Dakar. Es war cool, nach den ersten Etappen zusammen zu essen, und eigentlich hat ihm gut gefallen, was er bis dahin gesehen hatte. Aber es ist nicht seine Richtung im Motorsport, sodass ich nicht weiß, ob er nächstes Mal dabei sein wird.

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