WM-Qualifikation
Auftakt für die „Roten Löwinnen“: Luxemburg will den großen Favoriten ärgern
Neue Liga, größere Herausforderungen: Die Luxemburger Fußballnationalspielerinnen gehen am Dienstag als Außenseiter in die WM-Qualifikation. Das Ziel der „Roten Löwinnen“ ist klar: Schottland, Nummer 26 der Welt, soll im Escher Stade Emile Mayrisch (19.30 Uhr) nicht nur in Schach gehalten, sondern auch vor Probleme gestellt werden.
Charlotte Schmit und Co. wollen vor heimischem Publikum überzeugen Foto: Editpress/Fernand Konnen
Noch ist es nicht der Hampden Park, noch werden Bundesliga-Profi Laura Miller und Co. auch nicht vor Zehntausenden Zuschauern antreten. Der Startschuss in die neue Kampagne findet vor einer wohl eher beschaulichen Kulisse auf dem Escher Galgenberg statt. Das macht das Ganze aber nicht minder schwer. Die Voraussetzungen könnten eindeutiger nicht sein: Der Absteiger aus der Liga A, Schottland, hat sich die WM-Qualifikation als Ziel gesetzt. Das geht nur über den Gruppensieg – und Erfolge gegen Luxemburg, Israel und Belgien. Die „Roten Löwinnen“ wissen derweil, dass sie um den Klassenerhalt kämpfen müssen – und diese allererste Standortbestimmung in der Liga B eine wahre Bewährungsprobe werden wird.
Mit ungleichen Duellen hat die aktuelle Generation schon ein wenig Erfahrung: England und Österreich (2021) hießen die Gegner vor fünf Jahren. In den Play-offs war Schweden noch eine Nummer zu groß. Genau jetzt ist aber der Moment gekommen, um zu zeigen, wie viel Qualität und Reife in dieser Zeit zusammengekommen sind. „Die Rollen sind klar verteilt“, sagte FLF-Nationaltrainer Dan Santos. „Wir haben uns taktisch auf den Unterschied vorbereitet. Der Plan sieht vor, dass wir ihnen das Leben schwer machen. Aufgrund ihrer individuellen Qualitäten kann es sein, dass diese Taktik vielleicht nicht aufgeht. Die Idee ist, dass wir in verschiedenen Momenten die Überzahl in entscheidenden Zonen wahren. Ich bin jedenfalls fest überzeugt davon, dass wir das phasenweise hinbekommen werden.“
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Plätze trennen beide Nationen in der FIFA-Weltrangliste: Schottland liegt auf Rang 26, Luxemburg vor dem Start der Kampagne auf Platz 108.
Trainerin der schottischen Auswahl ist seit 2025 die Australierin Melissa Andreatta. Sie muss auf mehrere verletzte Spielerinnen verzichten, hat aber das große Glück, auf ein wahres Prunkstück zurückgreifen zu können: ihr Mittelfeld. „Wir reden hier von Spielerinnen, die bei Real Madrid, Chelsea und Liverpool spielen: Das Mittelfeld ist ihre Stärke. Dementsprechend haben wir etwas vorgesehen, um dagegenzuhalten.“ Was genau, verriet Santos verständlicherweise nicht.
Er legte allerdings offen, welche Worte bei der Kabinenansprache nicht fehlen werden: „Mit Courage spielen und ohne Angst. Mutig sein.“ Er ergänzte: „Wir haben nichts zu verlieren. Deshalb brauchen wir uns nicht zu verstecken, denn dann werden wir dem Ball hinterherlaufen. Wir sollen mit unseren Qualitäten spielen, dann können wir zeigen, dass wir nicht umsonst in der Liga B angekommen sind.“
Den Aufstieg mitgestaltet hat Rekordtorschützin Amy Thompson. Der Plan war, dass sie die internationale Karriere im Juni gegen Belgien beendet. Am Freitag der Schock: Die 31-Jährige fällt aufgrund eines Ermüdungsbruchs für sechs Wochen aus und wird wohl auch die Spiele gegen Israel im April verpassen.
Eine Ausnahmespielerin an Bord
Caroline Weir ist nicht nur die relativ neue Kapitänin der schottischen Nationalmannschaft, sondern ebenfalls ein Baustein des aktuellen Erfolgs von Real Madrid. Die Nummer 10 der Königlichen erzielte in der laufenden Saison bereits neun Tore in 18 Spielen in der LaLiga. Die 30-Jährige erzählte der BBC, dass sie seit Neujahr an ein klares Ziel denkt: „Uns für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, steht ganz oben auf der Liste. Ich werde älter und man weiß nie, wie viele Chancen man noch bekommt.“
Eine gewisse Tradition: Die Stadionfrage
Das Stade de Luxembourg Foto: Editpress/Jeff Lahr
Es wäre wohl kein Länderspiel der Damen, wenn im Vorfeld nicht auch das Thema Stade de Luxembourg auf den Tisch kommen würde. Trainer Dan Santos hat bereits mehrfach erklärt, wieso es unter den aktuellen Bedingungen nicht sinnvoll ist, die Qualifikationsspiele auf Kockelscheuer auszutragen: hohe Mietkosten bei zu wenig Zuschauern. „Wir haben nur ein Stadion dieser Größenordnung. Man muss abwägen, ob es Sinn ergibt, in einem großen Stadion zu spielen, wenn nur 1.000 Leute kommen.“ In diesem Fall eben nicht: „Diese Diskussion kommt jedes Mal auf, weil wir mit den Herren verglichen werden – aber die Realität ist anders.“
Vielmehr bemängelte der Coach, dass es von staatlicher Seite keine finanzielle Unterstützung gab: „Kein Ministerium war in der Lage, etwas zu tun, weil kein Budget vorhanden ist. Wenn das Chancengleichheitsministerium, das Sportministerium und auch die Ville de Luxembourg die Kosten mitgetragen hätten, wäre etwas möglich gewesen. Es ist eben nicht so, als wäre kein Wille bei der FLF vorhanden. Das stimmt einfach nicht. Irgendwann reicht es aber nicht mehr, in den sozialen Medien zu reden und zu fordern.“ Chance vertan, könnte man wenige Tage vor dem 8. März sagen: „Das wäre vor dem Weltfrauentag ein Zeichen gewesen. Vielleicht sollte man sich aber generell auch die Frage stellen, warum die Kosten für einen Termin im Stadion so hoch sind.“
Die Aufgebote
Luxemburg:
Tor: Emma Goetz (FK Austria Wien/AUT), Joy Jung (Hesperingen), Lucie Schlimé (SC Sand/D)
Verteidigung: Ana Barbosa, Andreia Machado (beide Racing), Amal Cherkane (SC Bettemburg), Kimberley Dos Santos (1. FC Saarbrücken/D), Liane Freymann (SV Deutz 05/D), Emma Kremer (Vorwärts Spoho 98/D), Rita Leite (FC Tirsense/P)
Mittelfeld: Marta Estevez, Edina Kocan (beide Racing), Olivia Konsbrück (Hesperingen), Catarina Lavinas (FC Famalicão/P), Leticia Mateus (Junglinster), Laura Miller (1. FC Nürnberg/D), Anna Miny (TuS Issel/D), Charlotte Schmit (Sporting CP/P)
Angriff: Hannah Dietrich (1. FC Saarbrücken/D), Caroline Jorge (Racing), Charlie Jorge (Junglinster), Rachel Kirps (SV Elversberg/D), Amy Thompson (Déifferdeng 03)
Schottland:
Tor: Eartha Cumings (Manchester City/ENG), Lee Gibson (Glasgow City), Sandy MacIver (Washington Spirit/USA)
Verteidigung: Georgia Brown (SC Jacksonville/USA), Jenna Clark (Liverpool/ENG), Nicola Docherty (Rangers), Sophie Howard (FC Como/I), Emma Lawton (Celtic), Rachel McLauchlan (Brighton & Hove Albion/ENG), Amy Muir (Glasgow City), Charlotte Newsham (Charlton AFC/ENG), Leah Eddie (Rangers)
Mittelfeld: Erin Cuthbert (Chelsea/ENG), Maria McAneny (Celtic), Miri Taylor (Aston Villa/ENG), Caroline Weir (Real Madrid/ESP), Amy Rodgers (Notthingham Forest/ENG)
Angriff: Lauren Davidson (SK Brann Kvinner/NOR), Freya Gregory (Newcastle United/ENG), Kirsty Hansen (Aston Villa/ENG), Kirsty Howat (Crystal Palace/ENG), Mia McAuley (Rangers), Kathleen McGovern (Hibernian)