WM 2026
Alles MAGA: Wie Trump das Turnier für sich nutzt
Donald Trump und Gianni Infantino haben aus Sicht ihrer Kritiker vieles gemeinsam: Der US-Präsident und der FIFA-Chef regieren wie Alleinherrscher, haben ein Faible für Geld und Gold – und sie wollen mit der Fußball-Weltmeisterschaft ihren Ruhm mehren. Trump hat noch ein weiteres Ziel: Er will das am Donnerstag beginnende Turnier zur Schaubühne für die Größe der USA im 250. Jahr ihrer Gründung machen.
Zwei, die viele gemeinsame Interessen haben: Donald Trump und Gianni Infantino Foto: AFP
Die „großartigste“ WM aller Zeiten hat Trump das Mega-Turnier genannt, das die USA bis zum 19. Juli gemeinsam mit Mexiko und Kanada ausrichten. Zumindest den Zahlen nach bedient die Männer-WM den Hang des US-Präsidenten zu Superlativen: Erstmals nehmen 48 Nationen teil, es gibt eine Rekordzahl von 104 Spielen, davon 78 in den USA. Anpfiff ist am Donnerstag im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt, die mexikanische Mannschaft tritt gegen Südafrika an.
Großen Unmut gibt es über die astronomischen Ticketpreise. Fanverbände sprechen von „Wucher“, Kalifornien und zwei weitere von den Demokraten regierte US-Bundesstaaten haben Ermittlungen gegen Infantinos Weltfußballverband FIFA eingeleitet.
Trump gab sich in einem Interview mit der New York Post überrascht über die Preise: „Ich würde das nicht bezahlen, um ehrlich zu sein“, sagte der Milliardär. Er mache sich Sorgen, dass Anhänger seiner MAGA-Bewegung (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig) nicht an den Spielen teilnehmen könnten.
Kritik an Infantino verkniff sich der Präsident allerdings. Stattdessen feiert er den FIFA-Chef als „Gewinner“ – auch weil er mit der WM hohe Einnahmen für die USA verspricht. Infantino bedient seinerseits Trumps Sucht nach Schmeicheleien und verlieh dem Präsidenten kurz vor Weihnachten einen selbst erfundenen FIFA-„Friedenspreis“, als Trost für den entgangenen Friedensnobelpreis.
Mit der Männerbündelei verfolge der US-Präsident ein klares Ziel, sagt Nicholas McGeehan von der Londoner Organisation FairSquare, die Sport und Politik unter die Lupe nimmt: „Autoritäre Führer wie Trump oder der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman sehen die FIFA als Instrument, um ihre Ziele zu unterstützen und ihre politischen Narrative zu inszenieren“, sagte McGeehan dem SID.
Nur in einer Hinsicht widersetzte sich Infantino Trump: Die FIFA ließ dem Präsidenten seine Drohung nicht durchgehen, Ausrichterstädten wie Boston, Seattle und Los Angeles die WM zu entziehen – weil sie von Demokraten regiert werden, die Trump verabscheut.
Als „Fußball-Präsidenten“ bezeichnen manche US-Medien Trump. In den vergangenen Monaten hatte er sich mit Spitzenspielern wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo im Weißen Haus gezeigt. Trumps Umfragewerte sind dennoch im Sinkflug, was vor allem an den hohen Lebenshaltungs- und Spritkosten durch den Iran-Krieg liegt.
In den USA erzeugt die WM trotz Trumps Trommelwirbeln nur mäßige Begeisterung. Zwar wird das Kicken vorwiegend bei jungen Leuten beliebter, aber nur rund ein Viertel der in den USA geborenen Bürger wollen laut Umfragen die Spiele schauen. Bei den Zugewanderten – etwa aus Lateinamerika – sind es dagegen mehr als 40 Prozent, obwohl die Regierung ihnen mit Abschieberazzien droht.
Umso günstiger für den MAGA-Präsidenten, dass sich im Juni und Juli wahre Trump-Festspiele abzeichnen: Kurz nach WM-Anpfiff feiert der Präsident am Sonntag seinen 80. Geburtstag, dazu hat er einen Käfigkampf von Mixed-Martial-Arts-Sportlern auf dem Gelände des Weißen Hauses organisiert.
Für den 4. Juli plant Trump laut US-Medien in Washington das „größte Feuerwerk aller Zeiten“ für die Feiern zum 250. Jahrestag der US-Gründung. Nach der Absage mehrerer Musiker will er bei einer MAGA-Großkundgebung als Hauptredner auftreten. Er sei schließlich „die größte Attraktion der Welt“ und ziehe „weitaus größere Menschenmengen an als Elvis“, behauptete er.
Zum großen WM-Finale am 19. Juli rollt Infantino dem Präsidenten noch einmal den roten Teppich aus. Er wolle der Siegermannschaft den „magischen“ WM-Pokal gemeinsam mit Trump im MetLife-Stadion im Bundesstaat New Jersey überreichen, kündigte der FIFA-Chef an. Für Trump ist das nicht ganz ohne Risiko: Als er im Juli 2025 an Infantinos Seite im selben Stadion das Finale der FIFA-Klub-WM anschaute, wurde der Präsident von Fans ausgebuht.