Motorsport
Änderungen „mit dem Skalpell, nicht mit dem Baseballschläger“: Formel 1 bearbeitet Regeln
Die neue Elektro-Power ruft in diesem Jahr Unmut bei vielen Fahrern hervor. Jetzt hat die Formel 1 ihre Pause für Anpassungen am Reglement genutzt – eine Revolution wird es aber nicht geben.
Nach den vielen Regeländerungen will die Formel 1 ihre Ideen nochmal überdenken Foto: Eugene Hoshiko/AP/dpa
Nicht nur Max Verstappen würde den neuen Boliden wohl gerne mit schwerem Gerät zu Leibe rücken: Die Formel 1 hat nun reagiert, wählt allerdings eine sanfte Variante. „Mit dem Skalpell, nicht mit dem Baseballschläger“ wird die Rennserie ihr viel kritisiertes neues Reglement bearbeiten – so beschreibt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff die Maßnahmen, die am Montag eingeleitet wurden. Die Macher reagierten damit auf die Erkenntnisse aus den ersten drei Saisonrennen mit den neuen Antrieben.
Diese beziehen ihre Energie beinahe zur Hälfte aus einem Elektromotor. Das machte einen völlig veränderten Fahrstil nötig und sorgte auch für gänzlich ungewöhnliche Überholmanöver. Verstappen und viele seiner Kollegen sprachen daher von „Anti-Racing“, die Fahrer hätten am liebsten wieder eine Power Unit mit deutlich geringerem Elektroanteil im Heck. Diese Option lag aber nie auf dem Tisch, das weiß auch Verstappen.
Kritik am Qualifying
Stattdessen habe man erreichbare Ziele verfolgt, berichtet Wolff aus dem Meeting von Vertretern der Teams, der Formel 1 und des Weltverbandes FIA: „Wie können wir das Produkt verbessern, für kompromisslosen Rennsport sorgen und die Sicherheit optimieren?“
Viel Anlass für Kritik bot bislang das Qualifying. Denn die Piloten müssen nun während der Fahrt stets die Batterie wieder aufladen: Zu diesem Zweck müssen sie schnelle Kurven langsamer nehmen oder auf langen Geraden frühzeitig vom Gas gehen – damit sie an anderer Stelle die maximale Elektroleistung nutzen können. Auf der Jagd nach der schnellsten Runde ist Fahren am Limit also nicht möglich. Dieser Widerspruch sorgte für viel Ärger.
Der Lösungsansatz: Die Motoren können künftig pro Runde weniger elektrische Energie aufladen, sie müssen also seltener im Lademodus bewegt werden. Die Fahrer können öfter und länger Gas geben – allerdings werden die Autos insgesamt langsamer.
Risiken beim Start sollen entschärft werden
Eine weitere Änderung soll zu mehr Sicherheit im Rennen führen. Durch die teilweise großen Unterschiede im Batteriestand und auch durch einen Elektroboost als Überholhilfe hatten sich immer wieder drastische Geschwindigkeitsunterschiede ergeben, die zu Unfallrisiken führten. Auch hier wurde das Energiemanagement angepasst, um für mehr Gleichmäßigkeit zu sorgen. Die Maßnahmen sollen „übermäßige Auffahrgeschwindigkeiten reduzieren und gleichzeitig Überholmöglichkeiten erhalten“, schrieb die FIA.
Weitere Anpassungen sollen unter anderem die Risiken beim Rennstart entschärfen. Auch hier gibt es bislang erhebliche Geschwindigkeitsunterschiede bei den Teams und zudem immer wieder technische Probleme einzelner Fahrer.
Die Maßnahmen werden wohl schon ab dem nächsten Grand Prix in Miami (3. Mai) in Kraft treten, die Änderungen müssen vom FIA-Weltrat noch abgesegnet werden. Möglich, dass im Laufe des Jahres dann noch mehr passiert: Man wolle Schritt für Schritt gehen und „erratische“ Entscheidungen vermeiden, sagt Wolff. Die unter großem finanziellen Aufwand entwickelten Motoren, so viel steht fest, werden dabei allerdings nicht auf der Halde landen. Sie dürften bis 2030 in den Autos bleiben.