Radsport
Flèche Wallonne: Ist Seixas schon bereit für die Mur de Huy?
Mit einer Serie außergewöhnlicher Ergebnisse seit Saisonbeginn stellt sich Paul Seixas am Mittwoch der Flèche Wallonne – und damit ihrer gefürchteten Mur de Huy, wo in diesem Jahr vor allem französische Radsportler im Fokus stehen.
Paul Seixas könnte am Mittwoch der jüngste Sieger der Flèche Wallonne werden Foto: AFP/Ander Gillenea
Zweiter bei der Algarve-Rundfahrt und bei Strade Bianche, Sieger der Classic Ardèche sowie der Baskenland-Rundfahrt mit zusätzlich drei Etappensiegen – das Ausnahmetalent von Decathlon CMA CGM gilt trotz seiner erst 19 Jahre als Schreckgespenst der 90. Ausgabe der Flèche Wallonne, bei der er neue Altersrekorde aufstellen könnte.
Mit einem Sieg würde Paul Seixas – mit großem Abstand – zum jüngsten Gewinner dieses traditionsreichen belgischen Klassikers werden. Der Rekord stammt seit der ersten Austragung 1936 von Philémon De Meersman, der damals 21 Jahre und 150 Tage alt war.
Im Peloton fehlen die größten Superstars und es wirkt vorab fast wie eine kleine französische Meisterschaft, so stark sind die „Bleus“ vertreten – allen voran Kévin Vauquelin, der in den vergangenen zwei Jahren jeweils Zweiter wurde. Er wird sicher auch auf die Unterstützung von Bob Jungels angewiesen sein, der seinem Ineos-Teamkollegen so lange es geht helfen müsste. Jungels ist mit neun Starts bei der Flèche Wallonne einer der erfahrensten Fahrer im Peloton.
Die ganz Großen blicken schon nach Liège
Titelverteidiger Tadej Pogačar und Remco Evenepoel hingegen schonen sich, um sich auf das große Finale der Ardennen-Klassiker vorzubereiten: Liège-Bastogne-Liège, wo sie am Sonntag in einem mit Spannung erwarteten Dreikampf auf Seixas treffen werden.
Mit großer Neugier wird auch erwartet, wie der junge Franzose die legendäre Mur de Huy angehen wird, die seit vier Jahrzehnten den entscheidenden Schauplatz der Flèche Wallonne bildet.
Wie schon seit 2003 – als Igor Astarloa als letzter Ausreißer gewann – dürfte die Entscheidung bei der dritten und letzten Auffahrt dieses extrem steilen Anstiegs (1,3 km bei 9,6%) fallen. Dort scheinen die Fahrer beinahe zum Stillstand zu kommen, ihre Gesichter von schmerzverzerrten Grimassen gezeichnet.
„Schön und schrecklich“
„Am Gipfel der Mur de Huy zu gewinnen, ist genauso schön wie schrecklich“, fasst Julian Alaphilippe, dreifacher Sieger der Flèche, zusammen, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere die Mur zu seinem Revier gemacht hatte.
Fraglich ist, ob sich Paul Seixas trotz seiner Unerfahrenheit am Mur de Huy durchsetzen kann. Seit seinem fulminanten Einstieg ins Profilager im vergangenen Jahr hat der Lyoner bewiesen, dass er alles kann: klettern, auf der Ebene hohes Tempo fahren und sogar bergab glänzen – wie im Baskenland, wo er seine wichtigsten Rivalen in einer Abfahrt distanzierte.
Nun bleibt abzuwarten, wie er sich in der Rolle eines reinen „Puncheurs“ schlägt – einer Disziplin, die kurze, aber äußerst explosive Anstrengungen verlangt, während er eigentlich eher für lange Anstiege wie bei der Tour de France prädestiniert ist, die er möglicherweise schon in diesem Jahr bestreiten könnte.
Um die Mur besser zu meistern, kann er sich Rat bei Kévin Vauquelin holen, einem seiner Trainingspartner in Nice, der zugleich als sein Hauptkonkurrent gilt – ebenso wie Lenny Martinez, Vierter im Vorjahr, der seit seinem Wechsel zu Bahrain Anfang 2025 intensiv an seiner Explosivität gearbeitet hat.
Weitere formstarke französische Puncheure wie Romain Grégoire (7. in den Jahren 2025 und 2024), Benoît Cosnefroy, Axel Laurance oder der Bergfahrer Valentin Paret-Peintre werden ebenfalls in den Kampf eingreifen wollen, während der Däne Mattias Skjelmose versuchen wird, sich inmitten dieser französischen Übermacht zu behaupten.
Neben Jungels, der also für Vauquelin fahren wird, wird Kevin Geniets der zweite Luxemburger am Mittwoch am Start sein. Für Geniets ist es der vierte Start bei der Flèche Wallonne, er wird sich in den Dienst von Grégoire stellen.