Liège-Bastogne-Liège der Espoirs
„Habe mich selten so gut gefühlt““: Mil Morang über Platz sechs
Mil Morang hat am Samstag im Trikot der Nationalmannschaft beim Espoirs-Rennen von Liège-Bastogne-Liège mit Rang sechs das beste Ergebnis seiner noch jungen Karriere eingefahren. Für den 21-Jährigen ist dieser Erfolg ein wichtiger Schritt nach vorn – und zugleich ein Motivationsschub für die kommenden Aufgaben.
Mil Morang (rotes Trikot) kam am vergangenen Samstag als Sechster ins Ziel von Liège-Bastogne-Liège der Espoirs Foto: FSCL/Hugo Barthélemy
So ganz die idealen körperlichen Voraussetzungen bringt Mil Morang für ein Rennen wie Liège-Bastogne-Liège eigentlich nicht mit. Mit 1,92 Metern bei 75 Kilogramm zählt der 21-Jährige nicht zu den klassischen Leichtgewichten im Peloton – und hat es damit naturgemäß schwerer, die kurzen, intensiven Anstiege in den Ardennen zu meistern. „Das stimmt, ich bin deutlich schwerer als die Fahrer, die da normalerweise vorne mitfahren“, sagt Morang. „Deswegen war ich eigentlich auch vom 6. Platz selbst überrascht.“
Es war bereits sein vierter Start beim Espoirs-Rennen des „Monuments“: Zweimal erreichte er das Ziel nicht, im vergangenen Jahr belegte er Rang 25. „Dieses Jahr war es nicht so wie in den Jahren zuvor. Das lag auch an der Startliste, die war noch mal stärker. Der Kampf um die Ausreißergruppe war lang und hart. Als dann eine Gruppe von 30 Fahrern rausging, habe ich mir keine großen Sorgen gemacht. Weltmeister Lorenzo Finn (Red Bull-Bora hansgrohe Rookies) hat direkt mit seinen Mannschaftskollegen besprochen, die Gruppe nicht zu weit gehen zu lassen.“
Inmitten der großen Nachwuchsteams
Morang, der mit der Nationalmannschaft in Liège startete, hatte bis zum Beginn der entscheidenden Phase nur noch Mats Berns an seiner Seite. Flavio Astolfi, Yannis Lang, Lennox Papi und Alex Kerrens waren zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschieden. „Mats war bis zur Côte de la Redoute noch dabei, dann wurde er rausgenommen. Sie nehmen die Fahrer da relativ schnell raus. Ich musste mich in den Anstiegen dann gut platzieren, das kann ich aber auch alleine. Es war insgesamt das erste Rennen mit der neuen Nationalmannschaft. Ich bin noch nie mit ihnen gefahren. Es ist natürlich eine große Veränderung, wenn ich diese Mannschaft mit der vom letzten Jahr vergleiche. Sie müssen noch lernen, aber ich bin mir sicher, dass das in Zukunft besser wird.“
Am Ende der „Doyenne“ für die U23 machte sich eine 26-köpfige Gruppe auf den Weg Richtung Ziellinie. Morang sprintete auf Rang sechs, während der Niederländer Daan Dijkman vom Nachwuchsteam von UAE den Sieg holte – der übrigens 55 Kilo bei 1,70 Meter Körpergröße wiegt. Damit kommt der Niederländer zwar die Anstiege leichter hoch, hat es dafür aber, alleine was die körperlichen Gegebenheiten anbelangt, im Sprint eigentlich schwerer. Zweiter im Sprint wurde der Australier Jack Ward vom Nachwuchsteam von Lidl-Trek, Dritter der Norweger Jasper Stiansen vom Nachwuchsteam von Tudor und auch auf den Plätzen vier und fünf kommen Fahrer aus den Nachwuchsteams der ganz großen Mannschaften Visma-Lease a Bike und Soudal Quick-Step.
Formaufbau in Griechenland
Umso höher ist die Bedeutung des sechsten Platzes für Morang. Weltmeister Finn wurde gar nur 13. „Für mich ist dieser Platz sehr viel Wert“, sagt Morang. „Ich bin stolz darauf und das gibt mir Selbstvertrauen, vor allem auch für Rennen, bei denen es bergauf geht. Ich hatte einen sehr guten Tag, alles hat gut gepasst und ich habe mich selten so gut gefühlt.“ Für Morang ist es das beste Resultat seiner Karriere. Im vergangenen Jahr machte er mit dem Gewinn des Bergtrikots bei der Tour de Luxembourg (2. Pro) bereits im Profi-Peloton auf sich aufmerksam.
Den Grundstein für seine Form legte Morang Ende Februar mit drei Eintagesrennen sowie einem Etappenrennen in Griechenland. „Ich war mit Griechenland sehr zufrieden. Ich habe die drei Wochen genutzt, um im Form zu kommen. Ich bin also nicht nur Rennen gefahren, sondern konnte auch gut in der Sonne trainieren.“ Es folgten ein 25. Platz bei der Youngster Coast Challenge (1.2U) in Belgien, Rang 56 bei der Olympia’s Tour (2.2) in den Niederlanden sowie Platz 48 bei Paris-Roubaix Espoirs (1.2U).
Highlight Tageblatt Flèche du Sud
„Bis zur vorletzten Etappe lief die Olympia‘s Tour ganz gut. Die Etappe vom VAM-Berg war nicht gut, ich hatte keinen guten Tag. Ich hatte da auch schon viele Rennen in den Beinen, war lange unterwegs und dann wurde es auch mental schwer. Wir haben dann mit Team und Trainer entschieden, das Mur de Huy Classic auszulassen, damit ich frischer werde. Mir war wichtig, den Block mit Roubaix, Liège und der Tour de Bretagne, die am Samstag startet, in guter Verfassung zu sein.“
Am Samstag beginnt für Morang die Tour de Bretagne (2.2), die er auch zum Feinschliff seiner Form für die anschließende Flèche du Sud (2.1/13.–17. Mai) nutzen möchte. „Ein Etappenrennen über sieben Tage ist immer sehr wichtig, um noch mal an der Form zu feilen. Die Flèche du Sud auf den Heimstraßen ist immer ein großes Ziel von mir.“ Gemeinsam mit Landsmann Arno Wallenborn peilt sein deutsches Continental-Team Lotto Kern-Haus Outlet Montabaur eine gute Platzierung im Gesamtklassement an. Morang selbst möchte sich vor allem aktiv und offensiv zeigen, um auf einzelnen Etappen ein Topresultat herauszufahren. Den Schwung aus Liège wird er da sicher gut gebrauchen können.