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Abstiegskampf total: Endet Heidenheims Erstliga-Märchen?

Im Tabellenkeller der deutschen Bundesliga kann es am Samstag die erste Entscheidung geben. Acht Klubs zittern noch vor dem Abstieg.

Heidenheims Fußballspieler stehen eng beieinander mit dem Rücken zur Wand in einer angespannten Spielsituation

Heidenheims Kicker stehen mit dem Rücken zur Wand Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Tim Kleindienst fackelt nicht lange. Kurze Annahme mit rechts, dann drückt er den Ball beherzt über die Linie. Der Rest ist pure Ekstase. Während bei den Heidenheimern in der neunten Minute der Nachspielzeit alle Dämme brechen, reibt sich Fußball-Deutschland die Augen: Der 1. FC Heidenheim, ein Dorfverein wie er im Buche steht, steigt erstmalig in die Bundesliga auf.

Drei Jahre sind seit jenem historischen Last-Minute-Erfolg in Regensburg (3:2) vergangen – und das 50.000-Einwohner-Städtchen an der Brenz steht vor dem Ende seines Erstliga-Märchens. Verliert der FCH am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC St. Pauli und Danel Sinani, ist der Abstieg in die zweite Liga besiegelt.

„Mit Leichtigkeit versuchen wir das auszublenden“, sagte Trainer Frank Schmidt am Freitag: „Es geht um positive Gedanken. Wir spielen auf Sieg. Wir müssen etwas verhindern, da helfen nur Erfolgserlebnisse.“ Sein Team werde unabhängig von irgendwelchen Konstellationen „alles raushauen, das ist unsere Verantwortung bis zum Abpfiff dieser Saison“.

Ein schon am Samstag besiegelter Abstieg Heidenheims, so bizarr es im ersten Moment klingen mag, würde den Klassenkampf in der Bundesliga nur noch weiter zuspitzen. Ein Sieg des Kiez-Klubs, der momentan auf dem Relegationsplatz rangiert, würde den Druck auf die vielen anderen Vereine im Keller-Gerangel schließlich maximal erhöhen. Ab Platz elf ist nichts entschieden.

„Natürlich ertappt man sich dabei, dass man sich das Restprogramm anguckt und schaut, was noch so möglich ist, auch gegen wen die anderen spielen“, sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking: „Aber es bringt ja nichts. Du kannst rechnen, so viel du willst.“ Vier Spieltage vor dem Saisonende helfen einzig Siege wirklich weiter, vor allem den Wolfsburgern.

Mit 24 Punkten liegt der VfL zwei Zähler hinter St. Pauli auf Tabellenplatz 17. Ein Dreier gegen seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr) würde Heckings Rettungsmission bei den Wölfen deutlich realistischer machen. Zumal Gladbach, wie Köln, der Hamburger SV und Werder Bremen (alle 31 Punkte) längst nicht ohne Sorgen sind.

In Hamburg hoffen sie nach neun Spielen mit nur einem Sieg auf den großen Befreiungsschlag in der heimischen Arena gegen Champions-League-Anwärter TSG Hoffenheim. „Wir wollen wieder das richtige HSV-Gesicht zeigen und es wieder schaffen, gegen eine Mannschaft, die nach Europa will. Da haben wir Bock drauf“, betonte HSV-Trainer Merlin Polzin vor dem Liga-Topspiel am Samstagabend (18.30 Uhr).

Mit Rückenwind – wenn man davon sprechen mag – starten Bremen und Köln in die Wochen der Wahrheit. Der seit fünf Spielen ungeschlagene FC möchte am Samstag (15.30 Uhr) im Rheinderby gegen Bayer Leverkusen nachlegen, Werder nach dem Sieg im Nordderby am Sonntag (15.30 Uhr) beim Pokal-Finalisten VfB Stuttgart punkten.

Aber zurück nach Heidenheim. Klub-Ikone Schmidt, der das Team seit 2007 betreut und im ersten Erstliga-Jahr sogar bis in den Europapokal (Conference League) führte, glaubt fest an den fünften Saisonsieg. Sein Rezept? „Eine gute Leistung bringen, effektiv Fußball spielen, anknüpfen an das letzte Heimspiel gegen Union Berlin und ein Tor mehr schießen als St. Pauli – dann passiert es.“

Im Ostzipfel Baden-Württembergs würde die Zeit auch bei einem Abstieg derweil nicht stillstehen. Schmidt, das betonte er zuletzt, wird seinen Vertrag bis 2027 erfüllen und in der kommenden Saison das nächste Projekt starten – das Projekt Bundesliga-Rückkehr. Ein Erstliga-Märchen 2.0. (SID)

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