Unternehmen
Wirtschaftsminister Delles sieht trotz mehr Neugründungen riskante Entwicklung
Mehr als 5.700 neue Unternehmen wurden 2024 in Luxemburg gegründet – ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Wirtschaftsminister Delles zeigt sich dennoch besorgt über die aktuelle Entwicklung.
Präsentieren neue Daten: Théodore Biewer (l.), Chief of Staff der „Luxembourg Confederation“, und Wirtschaftsminister Lex Delles Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Lex Delles (DP) hat am Montagvormittag im Wirtschaftsministerium Bilanz gezogen über die im vergangenen Jahr erteilten Niederlassungsgenehmigungen für Unternehmen in Luxemburg. Deren Zahl ist 2024 leicht angestiegen, insgesamt wurden im Großherzogtum 5.741 neue Unternehmen gegründet. Fast drei Viertel davon im Handel, ein knappes Viertel entfällt auf das Handwerk. Dort gab es im Jahr 2024 knapp 1.600 Neugründungen – der Großteil mit mehr als 640 neuen Betrieben im Baugewerbe. Eine unternehmerische Dynamik, die der Wirtschaftsminister jedoch ein wenig relativiert. Früher sei es bei den Anfragen so gewesen, dass sich die Leute selbstständig gemacht hätten, weil sie eine gute Gelegenheit gesehen hätten, so Delles. Heute steige das Risiko, dass sie das aus Notwendigkeit machen müssten – weil sie ihren Job verloren hätten und die Selbstständigkeit als einzige Option übrig bleibe, um weiterhin beruflich aktiv zu sein. Ein Phänomen, das man „genauer beobachten“ müsse, so der Minister.
Auch die Zahl der wegen Insolvenz ungültigen Genehmigungen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, von 659 auf 819. Den Großteil macht auch hier der Handel aus, auf Platz zwei folgt das Handwerk mit 270 Insolvenzen. Die wirtschaftliche Dynamik ist positiv, aber „wir sind in schwierigeren Zeiten“, sagt Delles. Ebenfalls rückläufig: Die Zahl der Genehmigungen, die eine ausländische Firma anfragen muss, um in Luxemburg aktiv zu werden. Mit 4.335 knapp 700 weniger als noch im Vorjahr. Das betreffe vor allem Handwerksbetriebe, so der Wirtschaftsminister, die allermeisten kommen aus den drei Nachbarländern Belgien, Frankreich und Deutschland. Deren Verhältnis ist seit Jahren stabil, 2024 legten die deutschen Unternehmen im Vergleich leicht zu.
Luxemburger sparen beim Restaurantbesuch
Zusammen mit Théodore Biewer, Chief of Staff des Handelsverbands „Luxembourg Confederation“, und Horesca-Generalsekretär Steve Martinelli präsentiert Delles an diesem Montag auch die Ergebnisse mehrerer Studien zum Konsumverhalten der Einwohner Luxemburgs und der Großregion. Eine zentrale Erkenntnis: Die Luxemburger kaufen am häufigsten in ihren jeweiligen Heimatgemeinden ein. Auch der Trend zu lokalen Produkten setzt sich fort. Ein Viertel der Befragten ist sogar bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Was den Internethandel angeht, folgt Luxemburg einer ähnlichen Entwicklung wie seine Nachbarländer. Drei Viertel der Bevölkerung kaufen online, bei den unter 34-Jährigen sind es sogar 85 Prozent. Ein interessantes Detail: Schon die Hälfte der Luxemburger hat bei chinesischen Anbietern wie Shein oder Temu bestellt.
Wenn es um die Zufriedenheit mit dem luxemburgischen Einzelhandel geht, haben mehr als ein Drittel der Einheimischen einen großen Kritikpunkt: die sprachliche Kompetenz des Personals. Während sich die Luxemburger also ärgern, dass man mit ihnen nicht Luxemburgisch spricht, verhält es sich bei den Einkäufern aus der Großregion genau andersherum: Beinahe 90 Prozent schätzen die Sprachkenntnisse der Verkäufer. Was auch daran liegen könnte, dass ein Großteil der Großregion-Shopper aus französischsprachigen Ländern kommt. Im Dreiervergleich mit Belgien und Frankreich kaufen die Deutschen am wenigsten im Großherzogtum ein (60 Prozent vs. 74 und 62 Prozent) – anders beim Tanktourismus, da liegen die Deutschen vor den Franzosen und Belgiern. Für alle drei Länder gilt: Shopping in Luxemburg leisten sich vor allem die Haushalte mit mehr als 5.000 Euro Monatseinkommen.
Auch zu den Gastro-Gewohnheiten des Großherzogtums liefert Steve Martinelli an diesem Tag die jüngsten Daten. Der Wochenendabend bleibt der liebste Zeitpunkt der Luxemburger für einen Restaurantbesuch, dabei zeichnet sich ein interessanter Trend ab. Die Menschen, die spontan das Restaurant ihrer Wahl besuchen, anstatt zu reservieren, sind zwar noch deutlich in der Minderheit, ihre Zahl nimmt jedoch zu. Auch die Wirtschaften bleiben nicht unberührt von der Lage der Wirtschaft: Knapp die Hälfte der Befragten gab an, ihre Ausgaben für Restaurantbesuche in den vergangenen zwei Jahren reduziert zu haben.