Schaumwein
Winzer fallen aus allen Wolken, Politiker schäumen: Luxair verzichtet auf heimischen Crémant
Ausgerechnet die Fluggesellschaft Luxair will keinen Schaumwein mehr an Bord ausschenken, der in Luxemburger Flaschen vergoren wurde. Das hat bei einigen Parlamentariern zu Nachfragen geführt. Wenig überraschend: Einheimische Produzenten finden das Manöver der Fluggesellschaft nicht so prickelnd.
Abgehoben: Dass Luxair auf Crémant aus Luxemburg verzichten will, stößt auf einige Kritik Fotomontage: Editpress/Frank Goebel
Die Luxair und der Crémant – das sind schon zwei Dinge, zu denen die Luxemburger offenbar eine besondere Beziehung haben. So erklärt sich vielleicht, dass sich gleich mehrere parlamentarische Fragen (3688 der CSV und 3690 der DP) mit der Tatsache befassen, dass die Luxair in ihren Maschinen offenbar keinen Crémant aus dem Großherzogtum mehr ausschenkt, sondern eine „Cuvée Luxair“ – aus französischen Schaumweinen.
In den Anfragen, die noch auf ihre Beantwortung warten, wollen die Abgeordneten prinzipiell wissen, wie die Entscheidung der Luxair zu bewerten sei angesichts der Tatsache, dass doch der luxemburgische Staat hier Mehrheitsaktionär ist (mit einem Anteil von rund 39 Prozent).
Josy Gloden, der Präsident der Domaines Vinsmoselle, war über die Neuigkeit jedenfalls nicht erfreut – die die 240 Mitglieder starke Winzergenossenschaft auch nur indirekt erreicht habe: „Das kam so nach und nach über die sozialen Medien herein, dass es Mitgliedern aufgefallen ist, was in den Flugzeugen serviert wird“, erklärt Gloden im Gespräch mit dem Tageblatt. Ihm sei auch nicht bekannt, dass die Airline auf die Genossenschaft zugegangen wäre, obschon tatsächlich seit vielen Jahren eine gute Geschäftsverbindung bestehe. Wenn das Crémant-Geschäft jetzt tatsächlich wegbreche, sei das jedenfalls nicht nur symbolisch bedeutsam: „Das ist schon eine gewisse Menge, um die es da geht.“
„Doppelt hart in der Krise“
Das sei besonders hart in einer Gegenwart, in der viele Winzer mit der Krise zu kämpfen hätten, die fast alle Veranstaltungen unmöglich gemacht und den Horeca-Sektor zur wochenlangen Schließung verdammt hat. Natürlich werde auch zu Hause noch munter getrunken – aber da griffen die Leute doch zu anderen Produkten, was die Verluste in Sachen der edlen Schaumweine nicht ausgleichen könne: Während man jährlich zirka 5 bis 6 Millionen Liter Wein absetzt, kommen an Crémant etwa 1,2 Millionen Flaschen zusammen. „Der hat schon einen sehr großen Stellenwert bei uns“, erklärt Gloden. Er verstehe ja, dass die Luxair „auch eine positive Bilanz“ abliefern müsse – trotzdem hofft er, dass man sich bald zusammensetzen könne, um vielleicht doch zu einer Einigung zu kommen.
In einem Interview mit RTL hat Luxair-Generaldirektor Gilles Feith am Montagabend die Abkehr vom heimischen Crémant bestätigt und verteidigt – unter anderem mit dem Argument, Luxair sei ja auch „eine Airline der Großregion“ – und mit dem offenen Bekenntnis, dass es ihr, besonders angesichts der Situation der Pandemie mit vielen Angestellten in Kurzarbeit, „wirklich schlecht“ gehe: „Wir müssen überall nach den Kosten schauen, das kann beim Crémant nicht aufhören“, findet Feith – und lässt durchblicken, dass das schaumige Vergnügen aus Luxemburg preislich nun mal ein bisschen abgehoben sei: Man habe es geschafft, die Qualität zu halten, indem man den einheimischen Schaumwein durch eine französische Variante ersetzt habe, die billiger und attraktiver ist.
„Ein dicker Hund“ ist das alles für Erny Schumacher, der als Präsident der Luxemburger Privatwinzer für etwa 50 Erzeuger spricht – auch, wenn die bei der Luxair wohl eher wenig Aktien hätten, in Sachen Crémant: „Die Enttäuschung ist schon sehr groß unter unseren Mitgliedern!“ Vor allem sei die Signalwirkung fatal: „Da redet auch die Regierung jetzt ständig davon, regionale Erzeuger zu unterstützen, und dann machen die sowas!“
„Das sind doch nur Peanuts“
Zum Glück sei man von privaten Haushalten in letzter Zeit anderes gewohnt: „Viele greifen jetzt ganz bewusst bei regionalen Produkten zu“, stelle er allgemein fest. „Das ist doch sehr schön, dass da ein Umdenken eingetreten ist.“ Umso unverständlicher sei die Entscheidung der Luxair – wobei sich Schumacher auch wundert, wie viel Geld man eigentlich spare mit der kontroversen Entscheidung: „Wie viele Flaschen werden schon durchschnittlich pro Flug verbraucht?“, fragt er – und setzt, nach Beobachtungen während eigener Flüge in der Vergangenheit, durchschnittlich 20 Flaschen an. „Und damit liege ich ja wohl eher ziemlich weit oben.“ Wenn man dann von ein paar Euro Ersparnis pro Flasche ausgehe …. „Das sind doch alles nur Peanuts!“ Es sei jedenfalls nicht nachvollziehbar, warum man dafür die Winzer im Land so düpiere.
Übrigens: Nachdem sich Josy Gloden im Gespräch empört hatte, dass ja wohl eine Fluggesellschaft wie die Lufthansa auch auf deutsche Produkte setze, hat das Tageblatt dort einmal die Probe aufs Exempel gemacht – und von Sprecher Boris Ogursky erfahren, dass sehr wohl Weine aus aller Welt an Bord ausgeschenkt würden: „Was die Getränke betrifft, haben wir natürlich eine Mischung – aus deutschen Getränken, aber auch internationalen Wein, üblicherweise aus Frankreich oder Italien.“ Und in Business und First Class erhalte man sicher Produkte aus der ganzen Welt. Generell bestimmt der Kundenwunsch, was man anbiete. Aber vielleicht müsste man den Luxemburger Crémant kulturhistorisch auch eher mit deutschem Bier vergleichen? Da sieht die Sache tatsächlich anders aus: Die Lufthansa (bei der in der Corona-Krise der Staat mit einem Rettungspaket zugestiegen ist) hat hier in den letzten Jahrzehnten tatsächlich auf deutsche Marken vertraut – und zum Beispiel eine lange Kooperation mit Warsteiner betrieben. Statistiken zufolge ist aber auch in deutschen Fliegern kurioserweise ein Getränk besonders beliebt, das die wenigsten Menschen jemals außerhalb eines Flugzeuges trinken: Tomatensaft.
Luxair-Chef Feith hat im Radiointerview übrigens schon einen Weg skizziert, wie es wieder luxemburgisch schäumen könnte an Bord der Flieger: Die Winzer könnten ihr edles Erzeugnis ja einfach kostenlos bereitstellen – damit er dann als Teil eines „Product Placement“ inszeniert werden könnte. Ob die Winzer auf solche Vorstellungen abheben, wird sich zeigen.
Hinweis: Anfragen an die Luxair-Gruppe und das Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und ländliche Entwicklung konnten bis Redaktionsschluss nicht beantwortet werden.