Bedeutung nimmt ab
Wie sich Luxemburgs religiöse Landschaft seit dem letzten Papst-Besuch verändert hat
Seit dem letzten Besuch eines Papstes im Großherzogtum im Jahr 1985 hat sich die luxemburgische Gesellschaft stark verändert. Die Dominanz der katholischen Kirche hat deutlich abgenommen, ebenso die Zahl der Gläubigen, während die religiöse „Landschaft“ diversifiziert wurde. Das Bedürfnis nach Spiritualität ist jedoch geblieben.
Trennung von Staat und Kirche: Tedeum in der Kathedrale am Nationalfeiertag Foto: Editpress/Julien Garroy
„Sai, sai, sai!“, hallt es durch den Saal. „Geh hinaus, geh hinaus, geh hinaus!“ Ein ums andere Mal ruft die zwar zahlenmäßig überschaubare Gruppe von etwa drei Dutzend Menschen diese Worte auf Portugiesisch. Der Prediger, ein Mann Mitte 30 im weißen Hemd, Typ mittleres Management, sagt es ihnen vor. Nach einer halben Stunde hat er sich in Rage geredet. Seine Einleitung hat er auf ein paar begrüßende Worte beschränkt. Er unterbricht seine Predigt immer wieder, indem er „Halleluja“ ruft. Die Anhänger der Igreja Universal do Reino de Deus (Universalkirche des Königreichs Gottes) rufen ebenfalls „Halleluja“. Immer wieder! Immer frenetischer! Wie in Trance und mit erhobenen Armen. Der Prediger bittet nach und nach ein paar Personen zu sich nach vorne. Alle stammen sie aus dem lusophonen Sprachraum, einige haben einen brasilianischen Akzent. Manche legen Zeugnis ab von ihrer Erleuchtung und erzählen, was ihnen im Laufe der Woche widerfahren ist.