Luxairport stellt Masterplan für Findel vor

Wie der Flughafen bis 2050 zehn Millionen Passagiere bedienen soll

Der Findel wächst. In den kommenden Jahren will der Flughafenbetreiber LuxAirport den Standort fit für die Zukunft machen. Der Plan ist ambitioniert – und reicht von einem neuen „Salon d‘honneur“ inklusive Hybrid-Tower über eine Verdopplung der Terminalgröße bis zu einem unterirdischen Bahnhof.

Passagierbereich des Flughafens mit zwei neuen Gebäuden im Osten und der aktuellen Eingangshalle rechts im Bild

Der Passagierbereich wächst nach Osten mit zwei neuen Gebäuden; rechts im Bild: die aktuelle Eingangshalle des Flughafens Foto: Luxairport

Zehn Millionen – so viele Passagiere sollen im Jahr 2050 über den Flughafen Findel an- und abreisen können. Das sind ziemlich genau doppelt so viele, wie der Findel heute in seinem aktuellen Ausmaß bedienen kann. Um dieses Passagieraufkommen bewältigen zu können, braucht es große Neuerungen. Die hat der Flughafenbetreiber LuxAirport am Donnerstagvormittag zusammen mit Ministerin Yuriko Backes (DP) in der Mobilitätskommission der Chamber erstmals gebündelt vorgestellt.

„Für mich ist das ein Meilenstein“, sagt Backes. Ein umfassender Masterplan dieser Art sei eine Premiere für das Land und den Flughafen. Die Mobilitätsministerin unterstreicht dabei auch die Bedeutung des Findel als wichtiger wirtschaftlicher Akteur. „Wir sprechen hier von 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, so Backes. „Der Flughafen erzeugt 90.000 Arbeitsplätze in der Großregion, davon 55.000 in Luxemburg.“ Gilio Fonck, Präsident des Verwaltungsrats von LuxAirport, will den Masterplan jedoch nicht als „Bauplan für die nächsten drei bis fünf Jahre“ verstanden wissen. Vielmehr geht es um die Strategie, das große Bild: „Was ist möglich bis 2050?“

So einiges, liest man nun aus dem Plan heraus. Bis 2050 sollen, wie bereits erwähnt, mehr als zehn Millionen Passagiere pro Jahr den Flughafen nutzen. 2025 waren es 5,3 Millionen. Die Hälfte dieser Passagiere soll Luxair transportieren, drei Millionen entfallen auf Billigfluggesellschaften, den Rest sollen andere Airlines wie Lufthansa oder Air France abdecken. Insgesamt rechnet man mit 100.000 Bewegungen pro Jahr – drei Viertel davon sind Passagiere, 15 Prozent Cargo.

Neue Sicherheitskontrolle und besseres Gepäcksystem

Alle, die schon einmal vom Findel aus geflogen sind, wissen: Der Raum vor den Toren der Stadt ist begrenzt. Und der Plan dementsprechend ambitioniert – vor allem was den zeitlichen Rahmen anbelangt. Schon bis 2028 will der Flughafenbetreiber den neuen „Salon d’honneur“ – eine Art VIP- und Privatterminal – samt Business Aviation Center fertiggestellt haben, neben dem jetzigen Hangar Nennig. Ab Januar 2029 übernimmt Luxemburg für ein halbes Jahr den Vorsitz im Rat der Europäischen Union – bis dahin braucht es einen neuen Flughafenteil für Staatsgäste und politische Prominenz.

Wie der Flughafen bis 2050 zehn Millionen Passagiere bedienen soll

Quelle: LuxAirport

Und das bleibt bei weitem nicht der einzige Neubau. Schon in der ersten Phase des Masterplans bis 2028 soll neben dem „Salon d’honneur“ auch das Terminal A mit einem Anbau nach Osten erweitert werden. „Wir kommen so langsam an die Kapazitätsgrenzen“, sagt LuxAirport-CEO Alexander Flassak. Das gelte vor allem für die Sicherheitskontrolle, die im neuen Anbau genug Platz und die neuesten Geräte haben werde. „Wir haben dann eine zentrale Sicherheitskontrolle und nicht diese beiden Kanäle, die uns immer ein bisschen Probleme machen“, so Flassak. In Zukunft werde der Weg von der Tramhaltestelle zur Kontrolle gerade mal 50 Meter betragen, verspricht der Geschäftsführer. Ein weiterer Neubau bis 2032 sowie eine Erweiterung des Terminal B auf der Westseite sollen die Kapazitäten des Flughafens deutlich vergrößern.

Erstmals bekommt der Findel mit dem neuen Plan nun definierte Zonen für seine einzelnen Aktivitäten (s. Karte). „Wir haben aufgeräumt“, sagt Fonck. Das Cargo-Areal und die Fuel Farm wandern in den Osten. Im Süden entsteht ein neuer militärischer Bereich, den Verteidigungsdirektion und Armee ausgestalten werden. Das Hauptgebäude wird am Ende doppelt so groß sein wie heute – mit Kapazitäten für bis zu 15 Millionen Passagiere. „Dann wären wir gut bis in die zweite Hälfte der 2060er Jahre“, sagt Fonck. Erst dann käme der „Engpass“. Statt den heutigen 27 wird man zu diesem Zeitpunkt 53 Maschinen am Terminal A bedienen können. „Mehr Flieger bekommen wir da nicht hin“, so Fonck.

Eine Milliarde Euro Investitionen bis 2032

Das Bild des Flughafens wird sich in den nächsten Jahren massiv verändern. Eine neue Eingangshalle, mehr Kontaktgates. In Zukunft wird man mit seinem Privatwagen auch nicht mehr bis vor das Terminalgebäude fahren können. Dort wird nur öffentlicher Verkehr zugelassen sein. Um das aufzufangen, sind neben der bereits existierenden Tramstation neue Parkhäuser und auch ein unterirdischer Bahnhof in Planung. Dort werde außerdem ein neues Gepäcksystem unterbracht, mit dem der Flughafen seine Kapazitäten verdreifachen könnte, so Fonck. Heute verarbeitet man auf dem Findel 1.400 Gepäckstücke pro Stunde.

All diese Projekte sollen den Flughafen effizienter machen. Dazu gehören auch zwei neue Enteisungsanlagen an beiden Enden der Piste, wo die Maschinen auf dem Weg behandelt werden können statt wie heute vor dem Terminal. Schon in den nächsten Jahren soll die Rollbahn, die heute in einem leichten Winkel verläuft, begradigt und teilweise zweispurig ausgebaut werden, um gleichzeitige Start- und Landemanöver zu erlauben.

Weil der Platz auf dem Findel begrenzt ist, werden für die Neu- und Anbauten auch viele alte Gebäude weichen müssen. Dazu gehören die aktuelle Flughafenverwaltung, die alten Cargohallen, die Sportflieger – und der aktuelle Tower, was im vergangenen Jahr zu einer angeregten Debatte zwischen Fluglotsengewerkschaft und Mobilitätsministerium über die Zukunft der Luftraumkontrolle geführt hat. Der neue Hybrid-Tower soll nun in den Gebäudekomplex des „Salon d’honneur“ integriert werden.

Die Kosten für die ersten Projekte bis 2032 belaufen sich laut Investmentplan auf eine Milliarde Euro, der Staat übernimmt davon 200 Millionen, LuxAirport die restlichen 800 Millionen. Für die anvisierten Neubauten bedarf es jedoch keiner zusätzlichen Finanzierungsgesetze der Chamber, erklärte Ministerin Backes am Ende der Sitzung gegenüber den Abgeordneten.

Terminal B des Flughafens nach Erweiterung mit moderner Architektur und neuem Eingangsbereich bei Tageslicht

So soll das Terminal B des Flughafens nach seiner Erweiterung aussehen. Foto: Luxairport

3 Kommentare
Grober J-P. 16.04.202621:03 Uhr

"Die Hälfte dieser Passagiere soll Luxair transportieren" Mit kaputten PW Triebwerken die es nur bis Orly schaffen.
"ein unterirdischer Bahnhof in Planung." Ist bereits dort, oder wurde er wieder zugeschüttet?
"teilweise zweispurig ausgebaut werden," das wird eng.

Manfred Reinertz Barriera 16.04.202620:32 Uhr

Falls man wirklich 2050 zehn Millionen Passagiere bedienen will , dann stellt sich doch auch die Frage, wie viele Flüge pro Tag mehr das sein werden, und was man in dieser Hinsicht denn geplant? Neben dem salon d'honneur!

Merissa 16.04.202618:59 Uhr

Und, wie immer, wird Luxair +20 Millionen Defizit mit dem Flugbetrieb machen und die alten Leutchen müssen die überteuerten Hotels aus dem Katalog buchen um sie raus zu reißen.

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