Gastbeitrag
„White Saviour“-Komplex: Gut meinen heißt nicht gut machen
Fröhlich wirkende Kinder aus dem globalen Süden, die dankbar scheinen für die Hilfe einer weißen Person. Diese Bilder sind bekannt. Man sieht sie gepaart mit den Bildern von Weißen, oftmals Personen aus dem öffentlichen Leben, die sich der Armut der Welt annehmen. Dass es sich hierbei um die Reproduktion von postkolonialistischen Machtstrukturen handelt, wissen die wenigsten.
So gut die Hilfe auch gemeint ist, Fotos wie dieses können durchaus problematisch sein Foto: Pixabay
Der Begriff „White Saviour“, also „weißer Retter“, reicht bis in das Jahr 1899 zurück. In einem Gedicht appelliert Rudyard Kipling an den „weißen Mann“, „wilde, kindliche Barbaren“ auf den Philippinen zu zivilisieren. Hat es damals einen eindeutigen imperialistischen Ton, so beschreibt der Aktivist Brendan Orsinger den „weißen Retter“ als einen „gut gemeinten, unauffälligen rassistischen weißen Liberalen mit einem Besserwisser- Komplex“. Dabei beschreibt der „White Saviour“-Komplex das Phänomen des vornehmlich westlichen Retter*innen Narrativs, in dem sich potenzielle Helfer*innen in Länder des globalen Südens begeben, um „Gutes zu tun“ und „Entwicklungs- und Hilfsarbeit“ zu leisten. Daraus entwickelte sich in den letzten Jahren die Branche des Voluntourismus, deren Ausbeutungsmechanismen über diesen Artikel hinausgehen.