Gesundheitswesen
Umstrittene „Findel Clinic“ hat Betrieb aufgenommen
Das von Privatinvestoren mitgegründete medizinische Zentrum „Findel Clinic“ des vorläufig suspendierten Chirurgen Philippe Wilmes und des früheren AMMD-Präsidenten Alain Schmit war in den vergangenen Monaten zum Sinnbild für Privat- und Zweiklassenmedizin geworden. Am Montag hat sie ihren Betrieb aufgenommen.
Philippe Wilmes (l.) und Alain Schmit (r.) 2018 auf einer Pressekonferenz der AMMD Foto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi
Die „Findel Clinic“ hat diese Woche in einem großen Bürogebäude in unmittelbarer Nähe des Luxemburger Flughafens ihren Dienst aufgenommen. Das umstrittene Projekt des Gastroenterologen Alain Schmit (57) und des Orthopäden Philippe Wilmes (46) bietet seit Montag Sprechstunden und Behandlungen an. Das multidisziplinäre medizinische Zentrum wurde mit der Unterstützung von Investoren gegründet, die mit Wilmes und Schmit die Aktiengesellschaft Phial SA ins Leben gerufen haben: der Bauunternehmer Marc Giorgetti, der Vermögensverwalter Marc Hoffmann, Alain Kinsch, Präsident der Luxemburger Börse und Vizepräsident des Staatsrats, Felix Retter vom Familienunternehmen Luxembourg Online, der 2023 im Team von Philippes Bruder Serge Wilmes (CSV) zu den Gemeindewahlen in der Stadt Luxemburg antrat.
Sinnbild für Privatmedizin
Nachdem das Lëtzebuerger Land vor vier Monaten über sie berichtet hatte, wurde die „Findel Clinic“ zum Politikum – zum Sinnbild für Privat- und Zweiklassenmedizin, die in Luxemburg keine politische Partei offiziell will. Auch das „Collège médical“ und Krankenhäuser liefen Sturm, selbst die Ärzteschaft war zerstritten, weil die AMMD die Konvention mit der CNS kündigte, eine selektive Konventionierung und Tarifautonomie forderte – fast zum gleichen Zeitpunkt, als die Informationen über die „Findel Clinic“ an die Öffentlichkeit gelangten. Nicht zuletzt hatten sich Schmit und Wilmes, als sie noch an der Spitze der AMMD standen, jahrelang für mehr „Freiheit“ für Ärzte eingesetzt.
Der Name war ebenfalls Stein des Anstoßes: Der Begriff „Clinique“ ist im Krankenhausgesetz geschützt, darf nur von „établissements hospitaliers autorisés“ genutzt werden. Deshalb wählten die Betreiber das englische Wort „Clinic“. Auf der Online-Plattform Doctena heißt die „Findel Clinic“ inzwischen „Findel Medic“. Auf der eigenen Webseite wird aber noch die Bezeichnung „Clinic“ verwendet.
Sechs Ärzte – drei Kardiologen, ein Internist, ein Hausarzt und der orthopädische Chirurg Philippe Wilmes – bieten derzeit Termine in 13 Disziplinen an, darunter Akupunktur und reisemedizinische Beratung, die von der CNS nicht übernommen werden und „daher privat zu bezahlen“ sind, wie die Webseite der „Findel Clinic“ informiert.
Alain Schmit bietet bislang keine Konsultationen in der „Findel Clinic“ an. Wieso, ist nicht bekannt, Schmit ließ eine Tageblatt-Anfrage am Dienstag unbeantwortet. Der Name von Philippe Wilmes tauchte bis zum Wochenende ebenfalls nicht in der Liste der in der „Findel Clinic“ praktizierenden Ärzte auf. Dass sich das am Montag änderte, könnte daran liegen, dass die Hôpitaux Robert Schuman ihm vergangene Woche den 2013 abgeschlossenen Zulassungsvertrag entzogen, sodass er im Kirchberger Spital keine Praxis als Belegarzt mehr hat. Die HRS begründeten das damit, dass Wilmes Knieoperationen durchgeführt habe, ohne dass eine medizinische Indikation dafür vorgelegen habe. Aus dem gleichen Grund hatte CSV-Gesundheitsministerin Martine Deprez Wilmes am 22. Januar für chirurgische Eingriffe vorläufig suspendiert. Ein dreiköpfiges Expertengremium soll nun prüfen, ob die Vorwürfe haltbar sind. Die HRS hatten sich unabhängig davon ein eigenes Gutachten eingeholt, das die Vorwürfe bestätigt habe. Philippe Wilmes hat gegen die Suspendierung durch die Gesundheitsministerin Einspruch vor dem Verwaltungsgericht eingelegt.
Sechs Ärzte
Vier der fünf Ärzte, die neben Wilmes in der „Findel Clinic“ praktizieren, arbeiten zusätzlich in Deutschland, der fünfte hat noch eine Praxis in Esch/Alzette. Im medizinischen Zentrum am Luxemburger Flughafen sind sie nur an zwei bis drei Tagen in der Woche präsent. Das Konzept der „Findel Clinic“ ist so ausgelegt, dass Ärzte mit Apparaten ausgestattete Praxen samt Personal anmieten können. Wie viel sie das kostet, ist bislang nicht bekannt (Philippe Wilmes war am Dienstag für das Tageblatt telefonisch nicht zu erreichen).
Auf der Webseite der „Findel Clinic“ können sich sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte, medizinische Fachangestellte und Verwaltungspersonal noch für freie Stellen bewerben. „Ob Sie Ärztin oder Arzt sind und unser Team verstärken möchten, Patientin oder Patient auf der Suche nach einer passenden Fachrichtung oder präventiven Betreuung, oder eine erfahrene Fachkraft im Gesundheitswesen auf der Suche nach einer neuen Herausforderung – wir freuen uns, von Ihnen zu hören“, steht auf der Internetseite.