Baumalleen
Transportminister reagiert auf Kontroverse: „Insekten sind uns nicht wichtiger als Menschenleben“
Die Rettung von Menschenleben hat oberste Priorität für Transportminister François Bausch. In den letzten Jahren sei viel in die Verkehrssicherheit investiert worden. Auch Bäume am Straßenrand seien kein Tabu. „Die gefährlichsten wurden bereits entfernt“, so das Regierungsmitglied in einer Reaktion auf die jüngste Kontroverse um Baumalleen.
In Luxemburg hat die Straßenbauverwaltung bereits 141 isolierte Bäume identifiziert, von denen eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer ausgehen könnte Foto: Freepik
„Es stimmt einfach nicht, dass uns Insekten wichtiger sind als Menschenleben. Eine solche Äußerung ist absurd und wir können das nicht im Raum stehen lassen“, sagt Transportminister François Bausch bezüglich der jüngsten Kontroverse um Bäume am Straßenrand. Diesbezügliche Aussagen seien eindeutig aus dem Zusammenhang gerissen worden.
„Als ich das Transportministerium übernommen habe, hatten wir 46 Tote im Jahr zu beklagen. Inzwischen verlieren jährlich etwas mehr als 20 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben“, so das Regierungsmitglied. Demnach habe man die Zahl der Verkehrstoten halbieren können. „Nie zuvor wurde so viel in puncto Verkehrssicherheit unternommen, als in den letzten acht Jahren“, betont Bausch.
Der Transportminister reagiert damit auf Aussagen im Zusammenhang mit einem offenen Brief der „Sécurité routière“ und „Association des victimes de la route“ (AVR). Beide Vereinigungen hatten sich letzte Woche in dem öffentlichen Schreiben darüber echauffiert, dass am CR102 zwischen Kehlen und Keispelt junge Bäume angepflanzt worden waren. Und das obschon die Minister für Transport und Umwelt das Gegenteil versprochen hatten.
In einem Interview mit dem Tageblatt hatte der Präsident der „Sécurité routière“ den zuständigen Regierungsvertretern daraufhin Wortbruch vorgeworfen. „Unfälle mit Bäumen müssen endlich ein Ende nehmen. Leider ist es nicht das erste Mal, dass wir mit den zuständigen Ministern über dieses Problem reden. Dennoch werden weiterhin Bäume am Straßenrand angepflanzt“, meinte Paul Hammelmann mit Verweis auf Bilder vom Unfallort, wo nur Tage zuvor eine 50-jährige Beifahrerin ihr Leben gelassen hatte.
Tatsächlich sind auf dem Foto entlang des CR102 gleich mehrere junge Bäume zu sehen, die noch von Pfählen gestützt werden müssen. Ein Fehler, wie der Transportminister im Gespräch mit dieser Zeitung gesteht. Dass an dieser Stelle junge Bäume angepflanzt wurden, entspreche nicht seinen Anordnungen. „Die Bäume wurden falsch gepflanzt. Deshalb habe ich sofort veranlasst, sie zu entfernen und an anderer Stelle wieder anzupflanzen“, so Bausch.
20 gefährliche Strecken
Es sei auch nicht so, dass in den letzten Jahren kaum etwas in Sachen Straßenbäumen unternommen worden sei. Mehr als 25 Kilometer Leitplanken seien seit 2019 verlegt worden, um Verkehrsteilnehmer vor einem Zusammenstoß mit Bäumen zu bewahren. Gleichzeitig habe die Straßenbauverwaltung 20 Strecken identifiziert, auf denen sich besonders viele Unfälle mit Bäumen ereignen. An mindestens 15 dieser neuralgischen Punkte seien bereits Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden.
Bausch verweist auch auf ein Pilotprojekt entlang des CR132 zwischen Gonderingen und Eschweiler. Gemeinsam mit der Naturverwaltung soll dort eine ganze Baumreihe in die angrenzenden Felder verschoben werden. Die betroffenen Landbesitzer sollen mit finanziellen Zuschüssen kompensiert werden. „Das ist aber nur eines von mehreren Projekten“, unterstreicht Bausch. So habe man auch 141 isolierte Bäume identifiziert, von denen eine Gefahr ausgehen könnte. Die gefährlichsten seien bereits entfernt worden. Weitere 52 sollen noch dieses Jahr folgen.
Generell ist es die Herangehensweise der Straßenbauverwaltung, die Bäume mit Leitplanken zu schützen. Ist das nicht möglich, werden sie entfernt und durch neue Anpflanzungen an anderer Stelle wieder 1 zu 1 ersetzt. „Man muss auch nicht jeden Baum fällen. Baumalleen können allgemein so angeordnet werden, dass die Bäume nicht gleich ein Problem darstellen“, gibt Bausch zu bedenken. „Lösungen liegen auf dem Tisch.“ Hecken seien aber nicht Teil davon: „Zum einen passen sie nicht in unsere Landschaften, zum anderen müssen wir auch den Zerschneidungseffekt der Straßen berücksichtigen“, so der Minister.
Straßen würden nun mal breite Schneisen in die Landschaft schlagen. „Wenn wir aber den Austausch der Biodiversität weiter fördern wollen, müssen wir auch Brücken bauen – etwa wie das bereits bei Wildbrücken auf Autobahnen der Fall ist“, erklärt Bausch. Genau das habe er auch schon bei anderen Gelegenheiten gesagt. Diese Aussage sei denn wohl aus dem Zusammenhang gerissen worden. „Das hat aber nichts damit zu tun, dass einem die Insekten wichtiger wären als Menschen.“