Interview mit Familienminister
„Stört es Sie, dass Sie jetzt teilweise in die rechte Ecke gestellt werden, Herr Hahn?“
Politischer Druck, blinde Flecken, Umgang mit Kritik: Im vergangenen Jahr standen die Zählungsmethodik beim „Recensement de rue“, aber auch der Familienminister selbst in der Kritik. In der Chamber-Kommissionssitzung zu dem Thema blieben einige Fragen offen. Das Tageblatt hat nachgehakt – auch zu Hahns Selbstbild.
Manche sehen Familienminister Max Hahn im „Law and Order“-Camp. Er sieht sich selbst als Realist. Foto: Editpress/Julien Garroy
Tageblatt: Momentan laufen die Vorbereitungen für die Wanteraktioun (WAK). Um die Frage anzugehen, wie viele Betten es in der WAK braucht, muss man ja erst mal wissen, wie viele Leute überhaupt auf der Straße schlafen. Das wird mithilfe des „Recensement de rue“ ermittelt. In der Vergangenheit haben Sie das als Basis für eine evidenzbasierte Politik bezeichnet. Können Sie uns erklären, was „evidenzbasierte Politik“ genau bedeutet?
Allgemein heißt das, dass Politik auf Zahlenmaterial beruht. Im Bereich der Obdachlosigkeit gibt es nur wenig solches Zahlenmaterial. Und deshalb wurde 2022 zusammen mit den Akteuren „vum Terrain“ entschieden: Wir gehen raus und machen eine Momentaufnahme von den Menschen, die tatsächlich die Nacht draußen verbringen. Seitdem machen wir das jährlich und haben die Zählungen auch ausgeweitet – auf die WAK, Esch, dieses Mal auch auf Differdingen und die „Nordstad“. Uns fehlen sehr viele Daten. Es geht uns da aber nicht anders als anderen Ländern.