Justiz
Staatsanwaltschaft will Ex-Minister Bausch nach tödlicher Explosion in Waldhof anklagen
Bei einer Explosion starben 2019 zwei Unteroffiziere der Luxemburger Armee, zwei weitere wurden verletzt. Nun kommt Bewegung ins Dossier – und der Verteidigungsminister von einst könnte sich auf der Anklagebank wiederfinden.
François Bausch am 7. Oktober 2024 bei seinem letzten Auftritt in der Chamber Foto: Editpress/Julien Garroy
Die Ermittlungen zur Explosion im Militärlager Waldhof im Februar 2019 nehmen eine neue Wendung. Mehr als sechs Jahre nach dem Unglück will die Staatsanwaltschaft nicht nur militärisches, sondern auch politisches Verantwortungsversagen prüfen. Das geht aus exklusiven Recherchen von Reporter.lu hervor.
Am 14. Februar 2019 explodierte auf dem Gelände des „Camp Jules Dominique“ eine 48 Kilogramm schwere Granate aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Unteroffiziere des Kampfmittelräumdienstes Sedal kamen ums Leben, zwei weitere Soldaten wurden schwer verletzt. Die Explosion geschah, als Sprengstoffexperten eine für den Transport angebrachte Öse mit einem Hammer entfernen wollten.
Nach jahrelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Ende Juni ihre Anklageschrift an die Ratskammer des Bezirksgerichts übergeben. Sie fordert ein Verfahren gegen den damaligen Verteidigungs- und Infrastrukturminister François Bausch („déi gréng“) sowie den früheren Armeechef Alain Duschène. Beide sollen sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung entfällt. Für zwei zunächst beschuldigte Sprengstoffexperten verlangt die Staatsanwaltschaft hingegen die Einstellung des Verfahrens.
Die Hauptvorwürfe richten sich laut Reporter.lu nicht gegen das konkrete Verhalten der Sprengstoffexperten, sondern gegen den Zustand des Militärlagers. Die Ermittler sprechen von gravierenden Sicherheitsmängeln, darunter marode Straßen und ungesicherte Stromleitungen. Bausch wird nicht nur in seiner Rolle als Verteidigungsminister, die er zu dem Zeitpunkt erst seit zwei Monaten innehatte, sondern auch als langjähriger Transport- und Infrastrukturminister in die Verantwortung genommen.
Ob es tatsächlich zu einem Prozess kommt, entscheidet nun die Ratskammer. Eine erste Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet. Gegen den Beschluss können Rechtsmittel eingelegt werden. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Das Militärlager Waldhof soll in den kommenden Jahren für mehr als 80 Millionen Euro umfassend modernisiert werden. Ein entsprechendes Gesetz war 2024 verabschiedet worden – auf den Instanzenweg gebracht hatte es François Bausch. (hat)