Affäre um suspendierten Chirurg
Philippe Wilmes: „Wat mir geschitt ass, ass ganz schrecklech“
Der wegen mutmaßlich unnötiger Kreuzbandoperationen von der Gesundheitsministerin suspendierte Chirurg Philippe Wilmes streitet alle Anschuldigungen gegen ihn ab und wittert eine Verschwörung. Von wem sie ausgehen soll, konnte er am Dienstagabend in einem Fernsehinterview nicht genau erklären. Am Donnerstag wollen er und sein Anwalt Einspruch gegen die Suspendierung vor dem Verwaltungsgericht einlegen.
Philippe Wilmes 2017 auf einer Pressekonferenz der AMMD Foto: Editpress-Archiv/Hervé Montaigu
„Wat mir geschitt ass, ass ganz schrecklech“, sagte der von CSV-Gesundheitsministerin Martine Deprez für drei Monate für die Durchführung von Operationen suspendierte Chirurg Philippe Wilmes am Dienstagabend in einem Interview im RTL Télé. Man werde anonym beschuldigt, etwas getan zu haben, wovon man nichts wisse. Man habe keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. „Ech mengen, dass hei wierklech eppes amgaangen ass, wat schonn dorobber ofziilt, mäi Ruff ze zerstéieren“, mutmaßte der Chirurg. Die Frage, wer ihn aus welchem Grund zerstören wolle, konnte Philippe Wilmes am Dienstag nicht genau beantworten, entsprechende Indizien seien ihm jedoch bekannt, er wolle sie zu gegebenem Zeitpunkt vorlegen.
Viel Neues sagte Wilmes im Fernsehen nicht, das meiste hatte er schon über seinen Anwalt und auf einer Support-Webseite verbreitet, wo er einen offenen Brief veröffentlichte, der an CSV-Premier Luc Frieden gerichtet ist. In dem Schreiben trägt er dick auf, stellt sich als Opfer einer Verschwörung dar, seine Vorwürfe richten sich vor allem gegen das „Collège médical“ und die Gesundheitsministerin. „Dës Aktioun, déi eist Land erschüttert, erënnert staark un däischter Zäiten, an deene Mënschen ugeklot goufen, mam Däiwel am Bond ze sinn, Kommunisten ze sinn, an dunn hir Onschold an engem onfaire Prozess hu misste beweisen. An de Fait, datt se dat net konnten, well hinnen all Méiglechkeete vun der Verteidegung verwiert goufen, als Beweis fir hir Schold ausgeluecht gouf. Dat alles ass geschitt dobaussen, an engem ëffentleche Schauprozess.“ Den öffentlichen Schauprozess hatten Philippe Wilmes und sein Anwalt Anfang vergangener Woche selbst begonnen, als sie an die Öffentlichkeit gingen. Am Dienstag konnte das Publikum im RTL Télé die Fortsetzung sehen.
„Kee gesonde Knéi derbäi“
„Ich habe nie gesunde Knie operiert“, sagte Wilmes. Dies war der Hauptvorwurf, der zu seiner vorläufigen Suspendierung geführt hatte. Nachdem er diese Woche die Sozialversicherungsnummern der 16 Dossiers erhalten habe, auf deren Grundlage die CHL-Ärzte ihn beim „College médical“ gemeldet hatten, habe er festgestellt, dass „kee gesonde Knéi derbäi“ gewesen sei, so seine persönliche Analyse.
Seit er 2013 als Chirurg begonnen hat, habe er 5.500 OPs durchgeführt; von den 5.000 Patienten, die er jedes Jahr in seiner Sprechstunde sehe, operiere er ungefähr 500, davon seien 80 Kreuzbandoperationen. Komplikationen könnten immer mal vorkommen, doch er würde sich freuen, wenn die Patienten sich in diesem Fall an ihn wenden, sagte der 45-jährige Orthopäde. Bis Dienstagabend waren auf seiner Support-Webseite 500 Solidaritätsbekundungen eingegangen: von Patienten, die namentlich oder anonym von positiven Erfahrungen mit ihm berichten, aber auch von Arztkollegen und persönlichen Freunden von Philippe Wilmes, darunter auch „Prominente“ aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Die „Patientevertriedung“ hatte am Montag mitgeteilt, 25 Patienten hätten sich an sie gewandt, die von Philippe Wilmes operiert wurden und „nach den Eingriffen gesundheitliche Einschränkungen oder Veränderungen in ihrem Alltag melden“. Laut RTL waren es am Dienstag bereits 35.
Am Donnerstag wollen Wilmes und sein Anwalt Einspruch gegen die Suspendierung durch die Ministerin vor dem Verwaltungsgericht einlegen, wie der Arzt gestern im Fernsehen ankündigte. Sie werden das Eilverfahren beantragen.