Kolloquium in Düdelingen
Pakt der Abschreckung: Aktivisten beleuchten die europäische Flüchtlingspolitik
In einem internationalen Kolloquium, organisiert von der Uni Luxemburg, dem Düdelinger CDMH und der Universität Lorraine*, wurde in den vergangenen beiden Tagen genau dies eindrucksvoll beleuchtet, was am Dienstag in der Chamber zur Diskussion stand – das europäische und luxemburgische Asylrecht.
Die Abschreckung beginnt an den Außengrenzen der EU – wie einst hier in Moria, Griechenland Foto: Michael Varaklas/dpa
An dem Dienstagnachmittag, als im Parlament die Debatte über den Europäischen Migrations- und Asylpakt stattfindet, berichten im Rathaus von Düdelingen drei erfahrene Aktivisten der Flüchtlingshilfe über ihre Erfahrungen, die sie in etwa fünf Jahrzehnten langer Arbeit mit Asylbewerbern gemacht haben. Es ist wie eine Erinnerungsreise durch 50 Jahre Asylpolitik, angefangen bei den Geflüchteten vor der chilenischen Militärdiktatur, die nach Luxemburg kamen und hier Zuflucht fanden, über die „Boat People“ aus Vietnam bis zu jenen Menschen, die in den 90er Jahren vor den Balkankriegen geflohen waren – und bis zur „Flüchtlingskrise“ aus dem Nahen Osten vor zehn Jahren, den vor dem russischen Überfall auf ihre Heimat geflohenen Ukrainern und den Eritreern, die heute zu den größten Gruppen von Asylbewerbern hierzulande zählen.
„Es gab damals keine entsprechenden Strukturen“, weiß Christiane Welter, die viele Jahre lang für die Aufnahme von Flüchtlingen im Service de l’Immigration verantwortlich war, von den Anfängen ihrer Arbeit in dem Bereich. „Vieles hing von der freiwilligen Arbeit der Ehrenamtlichen ab“, erinnert sie sich. Es habe weder geeignete Unterbringungsmöglichkeiten gegeben. Alles schien improvisiert werden zu müssen. Vor der Institutionalisierung der eigentlichen Asylpolitik hierzulande war es nicht zuletzt eine Frage der „Willkommenskultur“ und ehrenamtlichen Engagements, lange bevor diese zumindest für kurze Zeit 2015 in Deutschland zu einem feststehenden Begriff wurde.