Luxemburg

OGBL widersetzt sich Eröffnung von Orpea-Seniorenresidenzen

Familienministerin Corinne Cahen hat dem Antrag der Orpea-Gruppe, in Luxemburg Altersheime betreiben zu können, stattgegeben. Der OGBL widersetzt sich jedoch dieser Vorstellung und erinnert an die diversen Missstände, die mit dem Betrieb in Verbindung gebracht werden. Der Ministerin seien dabei allerdings die Hände gebunden.

Die Orpea-Gruppe wird im Ausland unter anderem der Misshandlung älterer Menschen und der Veruntreuung öffentlicher Gelder beschuldigt

Die Orpea-Gruppe wird im Ausland unter anderem der Misshandlung älterer Menschen und der Veruntreuung öffentlicher Gelder beschuldigt Foto: AFP/Louic Venance

Die französische Orpea-Gruppe liebäugelt schon lange mit dem Standort Luxemburg zur Errichtung ihrer Altersheime. Am 3. November gab Familienministerin Corinne Cahen (DP) dem Antrag des Unternehmens, das im Ausland unter anderem wegen Misshandlung älterer Menschen, der Veruntreuung öffentlicher Gelder, des Bilanzbetrugs, der Nichtbeachtung von Gewerkschaftsrechten, der Immobilienspekulation und fragwürdiger Personalpraktiken beschuldigt wird, grünes Licht. Der OGBL habe bereits Anfang des Jahres hervorgehoben, dass sich die Skandale um Orpea keineswegs auf Frankreich beschränken, geht aus einer Pressemitteilung der Gewerkschaft vom Donnerstag hervor.

Cahen habe daraufhin erläutert, dass sie nicht das Recht habe, eine Einrichtung abzulehnen, die alle gesetzlichen Bedingungen erfülle, heißt es weiter. Der OGBL bedauert, „dass bei der Bewertung einer Zulassungsakte keine qualitativen Kriterien, die sich auf die tatsächliche Realität der laufenden Aktivitäten eines Unternehmens beziehen, vorhanden sind“. Es sei „schlichtweg nicht akzeptabel“, dass derartige Entscheidungen getroffen werden können, ohne dabei das Schicksal der Opfer bisheriger Misshandlungen zu berücksichtigen, „das direkt mit dem unaufhörlichen Streben nach einer immer höheren Rentabilitätsrate zusammenhängt“.

Die Gewerkschaft macht zudem auf die finanzielle Lage des Konzens aufmerksam: So habe Orpea Anfang November eine neue Prozedur zur Begleichung ihrer Schulden bei ihren Gläubigern in Frankreich angekündigt. Die Schulden des Unternehmens belaufen sich, Stand 30. September, auf insgesamt 9,5 Milliarden Euro, so der OGBL. Das Unternehmen habe außerdem eine Abwertung ihrer Aktien angekündigt: Die Verluste werden auf einen Betrag zwischen 2,1 und 2,5 Milliarden Euro geschätzt.

Neben den fehlenden Qualitätskriterien im Rahmen des Genehmigungsverfahrens kritisiert der OGBL auch, dass Cahen die finanzielle Realität des Unternehmens komplett ignoriere. Die finanzielle Situation des Konzerns berge nämlich die Gefahr, dass sie sich direkt auf die Investitionen im Großherzogtum und somit auf die Sicherheit der Arbeitnehmer und der Bewohner in diesen Einrichtungen in Luxemburg auswirkt. Demnach bezweifelt die Gewerkschaft, dass die Garantien, die Cahen von Orpea fordert, auch wirklich ausreichen.

Weiterführende Lektüre:
- Exklusivinterview / Victor Castanet: „Orpea versucht seit Jahren, in Luxemburg Fuß zu fassen“
- France / Le scandale des EHPAD du groupe privé français Orpea n’en finit pas de faire du bruit
- „Les Fossoyeurs“ / Altenheimbetreiber „Orpéa“ in Frankreich in der Kritik – Konzern will Einrichtung in Luxemburg eröffnen

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