Porträt

„Mir sinn déi lénksrealistesch“: Der neue LSAP-Abgeordnete Ben Streff

Nachdem er sie im Januar kritisiert hatte, ersetzte Ben Streff die ehemalige LSAP-Ministerin und Spitzenkandidatin Paulette Lenert vergangene Woche im Parlament. Dort will er sich vor allem für die Rechte von „Indépendants“ einsetzen, mit denen die LSAP ihre Mitglieder- und Wählerbasis künftig erweitern will.

Ben Streff in den Räumen der LSAP-Fraktion auf dem Krautmarkt, politische Sitzung vergangene Woche

Ben Streff vergangene Woch in den Räumen der LSAP-Fraktion auf dem Krautmarkt Foto: Editpress/Julien Garroy

Fast die gesamte Parteizentrale der LSAP hatte am Dienstag vergangener Woche auf der Tribüne im Tagungssaal der Abgeordnetenkammer Platz genommen; Ko-Parteipräsidentin Maxime Miltgen, der frühere Generalsekretär Tom Jungen, ehemalige und aktuelle Jungsozialisten, Ben Streffs Eltern, seine Schwester, persönliche Freunde waren gekommen. Mit einem gewissen räumlichen Abstand hatten sie sich rund um Paulette Lenert versammelt, die ebenfalls auf der Tribüne saß.

Eigentlich sollte Kammerpräsident Claude Wiseler seine Hommage an die frühere LSAP-Gesundheits- und Vizepremierministerin gleich zu Beginn der Sitzung um 14.00 Uhr halten, doch weil LSAP, Grüne und Linke einen Antrag stellten, um die Abstimmung über die Umsetzung des EU-Migrationspakts von der Tagesordnung zu streichen, verschob sich der Beginn der eigentlichen Sitzung um über eine halbe Stunde. Da um 14.30 Uhr eine „Séance publique“ des Staatsrats begann, dem Paulette Lenert seit dem 8. Juni offiziell als Mitglied angehört, verpasste sie Wiselers Huldigung: Ihre Ruhe, Sachlichkeit und Menschlichkeit während der Covid-Krise hätten sicherlich viele Leute beeindruckt und zu ihrer andauernden Popularität als Ministerin beigetragen. Als Spitzenkandidatin habe sie nicht alle ihre Ziele erreicht, die Größe von Politikern sei es dann, die Demokratie als Ganzes zu akzeptieren. Der gescheiterte CSV-Spitzenkandidat von 2018 wusste, wovon er redete, ihm direkt gegenüber auf der Regierungsbank saß CSV-Premier Luc Frieden. Auch als Abgeordnete habe Paulette Lenert viel gearbeitet, mit Diskretion und Entschlossenheit gehandelt, berichtete Wiseler, „Charakteristiken, déi sech an der haiteger Politik ëmmer méi rar maachen“. Neben Frieden auf der Regierungsbank saß DP-Vizepremier Xavier Bettel.

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