Außenminister Bettel
Luxemburger Evakuierung aus dem Nahen Osten kostete insgesamt 710.000 Euro
Hunderte Menschen wurden von der Luxemburger Regierung in den vergangenen Tagen aus der Krisenregion rund um den Persischen Golf ausgeflogen. Wie viel hat das den Staat gekostet? Außenminister Bettel und Verteidigungsministerin Backes ziehen Bilanz.
Yuriko Backes und Xavier Bettel nennen auf einer Pressekonferenz die Kosten der Rückführungen aus dem Nahen Osten Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Es waren bewegende Szenen, als der erste Flieger mit Evakuierten am Donnerstag vor einer Woche auf dem Luxemburger Flughafen ankam. Insgesamt brachte die Maschine der Airline Nesma 96 Menschen zum Findel. Der Jet war zuvor in Muscat im Oman gestartet und flog von dort aus mit einem Tankstopp in Kairo nach Luxemburg.
Organisiert hatte die Rückhol-Aktionen vor allem das luxemburgische Außenministerium. An diesem Freitag ziehen Außenminister Xavier Bettel und Verteidigungsministerin Yuriko Backes (beide DP) auf einer Pressekonferenz Bilanz – und berichten auch erstmals, wie teuer die Evakuierung war.
Nach dem ersten Flieger folgten weitere Jets. Zum Einsatz kamen auch Maschinen von Luxair. Und auch Militärflieger der MRTT-Staffel waren im Einsatz, genauso wie die Militärtransporter der luxemburgisch-belgischen A400M-Staffel. Eine Luxemburger A400M-Besatzung flog Anfang der Woche dann sogar Dubai an. „Der Chef der Mission war ein Luxemburger Pilot“, sagt Backes. Gemeinsam mit den Kollegen aus Belgien habe Luxemburg vor dem Flug Risikoanalysen durchgeführt.
Luxair wollte erst nicht in den Oman fliegen
Die ägyptische Gesellschaft Nesma sei die Erste gewesen, die bereit war, in den Oman zu fliegen, sagt Bettel. „Zu Beginn wollte keiner in den Oman fliegen, auch nicht die Luxair.“ Durch den ersten Flug sei Luxair ermutigt worden, ebenfalls zu fliegen. „Der erste Flug hat ein Zeichen gesetzt, dass man in den Oman fliegen konnte.“ Die Militärmaschinen seien keine kurzfristige Option gewesen, sagt Backes. „Wir benötigten die Freigabe aller beteiligten Partner.“

Die ersten Evakuierten waren am vergangenen Donnerstag am Findel angekommen. An diesem Freitag berichtete Außenminister Bettel von den Rückführungen. Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Evakuierung kostete 710.000 Euro
Insgesamt seien bis jetzt „rund 550 Passagiere, darunter 77 Minderjährige“ evakuiert worden, sagt Bettel. Davon 136 mit den Militärjets der multinationalen MRTT-Flotte und 38 mit einem A400M. Drei Mitarbeiter des Außenministeriums seien in die Region gereist, um den Menschen vor Ort zu helfen. Ungefähr 110 Reisende und in der Region wohnhafte Luxemburger seien noch immer in den Emiraten. Etwa 100 davon wollen laut Bettel in der Region bleiben. „Zum Teil haben sie dort ihre Existenz aufgebaut, sie haben nichts mehr in Luxemburg.“
Das Außenministerium schätzt die Kosten der Operation bis jetzt auf 710.000 Euro. Der Luxemburger Staat muss davon aber nur 226.000 Euro tragen. Der Rest – 532.000 Euro – wird von der EU-Kommission erstattet, oder von anderen Ländern, deren Bürger an Bord der Luxemburger Evakuierungsflieger waren. „Die EU-Kommission erstattet uns 75 Prozent der Kosten, weil mehr als 30 Prozent der Passagiere aus dem EU-Ausland stammten“, sagt Bettel. „Der Privatjet hat 470.000 Euro gekostet.“ Die Luxair habe 120.000 Euro berechnet. „Wäre die Luxair nicht geflogen, hätten wir dreimal so viel gezahlt.“ Die Kosten für die Militärflugzeuge seien nicht in diesem Budget einberechnet. „Die Einsätze waren Teil unserer normalen Beiträge dieser Programme – hier sind keine Zusatzkosten für den Staat angefallen“, sagt Backes.
Insgesamt hätten die Rückführungen für die Reisenden aus Luxemburg demnach nur 410 Euro pro evakuierte Person gekostet, so Bettel. „Das ergibt weniger als 50 Cent Beteiligung pro Bürger.“ Die verbleibenden Luxemburger in der Region hätten die Möglichkeit, in Militärfliegern aus dem Ausland mitzufliegen. „Für zehn Menschen fliegt keine Luxair mehr – das kann ich dem Steuerzahler nicht zumuten.“