Nationalkongress
Luc Frieden: Der nicht mehr ganz so uneingeschränkte Leader der CSV
Die CSV-Basis vertraut Luc Frieden weniger als noch vor zwei Jahren, zwölf Prozent der Delegierten stimmten gegen seine Wiederwahl zum Parteipräsidenten. Auf ihrem Nationalkongress in Ettelbrück inszenierte die CSV sich am Samstag als große Familie. Und der neue Fraktionsvorsitzende Laurent Zeimet feierte seine Rückkehr in die Führungsriege der Partei mit einem Rundumschlag gegen die linke Opposition und die Gewerkschaften.
Der neue CSV-Vorstand ist auch der alte: Thierry Schuman, Christian Weis, Stéphanie Weydert, Alex Donnersbach und Luc Frieden Foto: Editpress/Julien Garroy
Eine Desavouierung war es nicht, doch die CSV-Basis verpasste ihrem „onageschränkte Leader“ (wie Serge Wilmes ihn vergangenes Jahr nannte) am Samstagvormittag auf dem Nationalkongress in der Ettelbrücker Däichhal einen Denkzettel. Als alleiniger Kandidat für seine Wiederwahl zum Parteipräsidenten erhielt Premierminister Luc Frieden nur 88,25 Prozent Zustimmung. 39 von 332 wahlberechtigten Delegierten stimmten gegen ihn. Bei seiner ersten Wahl vor zwei Jahren auf dem Kongress in Hesperingen hatte Frieden 96,25 Prozent erreicht. Noch schlechter als der Premier schnitt nur Generalsekretär Alex Donnersbach (83,03%) ab. Beide kommen aus dem Zentrumsbezirk. Die Vizepräsidenten Stéphanie Weydert aus dem Osten und Christian Weis aus dem Süden konnten mit 92,7 und 95,41 Prozent wesentlich mehr Delegierte von sich überzeugen. Insgesamt bleibt die Parteispitze größtenteils unverändert, lediglich Françoise Kemp kandidierte nicht mehr, sie hat vor vier Wochen den Vorsitz des Südbezirks übernommen. Ihr Amt wurde am Samstag nicht neu besetzt, sodass die CSV fortan nur noch einen Generalsekretär hat. Nach der Wahl ernannte Luc Frieden Landwirtschafts- und Sportministerin Martine Hansen noch zur dritten Vizepräsidentin, damit alle Bezirke in der Parteispitze vertreten sind. Auch sie hatte dieses Amt schon in den letzten beiden Jahren bekleidet.
In seiner Abschlussstellungnahme bedankte Luc Frieden sich bei den Delegierten für den „enorm staarke Vertrauensbeweis“, später in einem Facebook-Clip für die „extrem breet Ënnerstëtzung“. Gleichzeitig versprach er, er werde seine Sache in den nächsten drei Jahren „noch besser“ machen und dafür sorgen, dass die einzelnen Gremien der Partei besser zusammenarbeiten. Auch wolle er frühere Parteivorsitzende, wie etwa den aktuellen Kammerpräsidenten Claude Wiseler, stärker einbinden und sich von ihnen beraten lassen, sagte Frieden. Weil 2028 Kammer- und 2029 Gemeinde- und Europawahlen sind, wurde das Mandat der neuen Parteispitze von zwei auf drei Jahre verlängert.