Pensionsfonds
Greenpeace kritisiert Nachhaltigkeitsstrategie der Rentenreserve
Der Pensionsfonds wächst mit historischen Gewinnen. Doch zu welchem Preis? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert die Investitionen des „Fonds de compensation“ – und fordert den Ausschluss von klimaschädlichen Unternehmen aus dem Portfolio.
Eine Ölraffinerie im indischen Guwahati: Greenpeace fordert den Ausschluss solcher Unternehmen aus dem Pensionsfonds Foto: AFP
Die Luxemburger Rentenreserve hat im vergangenen Jahr einen historischen Rekordgewinn erwirtschaftet – mit einer Rendite von 11,24 Prozent oder beinahe drei Milliarden Euro. Die gute Entwicklung des „Fonds de compensation“ (FDC) beruht auf der guten Dynamik an den Finanzmärkten. Die weltweiten Börsenkurse haben stark zugelegt, nicht zuletzt aufgrund wachsender Wirtschaft, einer rückläufigen Inflationsrate und fallender Leitzinsen. Doch dieser Gewinn geht auch auf Kosten der Umwelt, zumindest wenn es nach Greenpeace geht. Die Organisation kritisiert, dass das Plus der Rentenreserve auch mit Investitionen erzielt wurde, die weder den EU-Klimazielen noch den Nachhaltigkeitsversprechen des FDC entsprechen.
Zusammen mit den Unternehmensberatern von Nextra Consulting hat Greenpeace den zweiten Nachhaltigkeitsbericht des FDC analysiert. Sie kommen zu dem Schluss, dass der Pensionsfonds trotz seiner erklärten Verpflichtung zu verantwortungsbewussten Investitionen seit 2020 nur sehr wenige strategische Änderungen im Bereich Nachhaltigkeit vorgenommen hat – und stattdessen weiter Milliardenbeträge in klimaschädliche Unternehmen investiert.
Im vergangenen Jahr habe der FDC mehr als 174 Millionen Euro in die größten Kohle-Unternehmen der Welt investiert, sagt Martina Holbach, Kampagnenbeauftragte bei Greenpeace für nachhaltige Finanzen. „95 Prozent der Kohle-Industrie hat keine Transformationspläne.“ Gleiches gelte für die Öl- und Gasindustrie, wo 95 Prozent der Unternehme Pläne für die Erschließung neuer fossiler Ressourcen habe. Laut der Untersuchung von Greenpeace hat der FDC 2024 beinahe 1,2 Milliarden Euro in Unternehmen aus diesem Sektor investiert. Auf Platz eins: Microsoft mit 430 Millionen, ein Unternehmen, das viel Geld in den Neubau von Öl- und Gaskraftwerken investiert. Mehr als 152 Millionen Euro wurden in Unternehmen investiert, die laut der Umweltorganisation zu den weltweit größten Treibern von Entwaldung gehören, darunter auch JBS, der größte Fleischproduzent der Welt und das größte Fleischverarbeitungsunternehmen Südamerikas. Ein Unternehmen, das aufgrund von Korruptionsskandalen schon einmal auf der Ausschlussliste der FDC stand.
Portfolio nicht mit Klimazielen vereinbar
Nach eigenen Angaben schließt der FDC insgesamt 137 Unternehmen weltweit aus Gründen der Nachhaltigkeit aus seinem Portfolio aus. Beim Großteil handelt es sich dabei um menschenrechtliche und soziale Bedenken, bei nur sieben Unternehmen ist die Umwelt- und Klimaschädlichkeit der ausschlaggebende Punkt. Der FDC schließt Unternehmen aus umweltschädlichen Sektoren wie der Öl- und Gasindustrie nicht von vornherein aus und begründet dies mit der Sorge um die ansonsten schlechtere finanzielle Performance des Fonds. Diesem Argument stellen Greenpeace und Nextra Consulting das Beispiel des norwegischen Pensionsfonds entgegen. Dieser schließe Investitionen in klimaschädliche Sektoren kategorisch aus und performe sogar besser als der luxemburgische FDC.
Darüber hinaus kritisiert die Organisation vor allem die Intransparenz des Fonds hinsichtlich der Überprüfung seiner Nachhaltigkeitsziele. Zu vage seien außerdem die Vorschriften im Hinblick auf nachhaltige Investitionen, die der Fonds an seine Asset Manager ausgebe, die über den Einsatz der Gelder entscheiden. Das Investment-Portfolio des FDC sei nicht mit den Klimazielen der EU (Temperaturanstieg unter zwei Grad) vereinbar, so das Ergebnis der Analyse. „Das FDC-Portfolio ist auf dem Weg zu einem Zwei-bis-drei-Grad-Szenario“, sagen die Experten.
Greenpeace beschäftigt sich schon länger mit den klimaschädlichen Investitionen des FDC. 2019 zog die Umweltschutzorganisation vor das Verwaltungsgericht, um Zugang zu Informationen zu erhalten, die der damalige, für den Pensionsfonds zuständige Minister Romain Schneider (LSAP) verweigert hatte. Dabei ging es unter anderem um die Pläne des Fonds, seine Investitionen in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens zu bringen, und Informationen über die Klimafinanzrisiken, die mit den Investitionen des Fonds verbunden sind.
Auch mit der aktuellen Regierung sei der Kommunikationsprozess in den Worten der Greenpeace-Kampagnenbeauftragten Holbach „sehr eingeschlafen“. Im Zuge der Rentendebatte habe man Kontakt zur Ministerin Martine Deprez (CSV) aufgenommen, Greenpeace warte aber bis heute auf Antwort. „Wir bedauern“, sagt Holbach, „dass die Nachhaltigkeit der Investitionen des Fonds in der Rentendebatte überhaupt gar kein Thema sind.“