Wilmes-Suspendierung um 21 Monate verlängert

Experten-Gutachten sieht „Verstümmelung“ in zehn Fällen

Ein Expertenbericht dreier französischer Mediziner belastet den Orthopäden Philippe Wilmes. Die Suspendierung des Arztes wird um weitere 21 Monate verlängert. Grundlage ist ein Gutachten, welches zu dem Schluss kommt, die durchgeführten Kreuzbandoperationen seien medizinisch nicht gerechtfertigt gewesen.

Gesundheitsministerin Martine Deprez verlängert Suspendierung des Orthopäden nach Experten-Gutachten um 21 Monate

Gesundheitsministerin Martine Deprez hat die Suspendierung des Orthopäden nach einem Experten-Gutachten um weitere 21 Monate verlängert Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Die Suspendierung des Luxemburger Orthopäden Philippe Wilmes wird um weitere 21 Monate verlängert. Grundlage ist ein Gutachten dreier französischer Experten, schreibt das „Luxemburger Wort“. Darin kommen die Orthopädin Elvire Servien, der Radiologe Alain Blum und der Orthopäde Jacques Hummer zu dem Schluss, dass in zehn untersuchten Fällen die vorderen Kreuzbänder der Patienten vor den Operationen intakt gewesen seien. Die Eingriffe seien demnach medizinisch nicht gerechtfertigt gewesen. „In allen zehn Fällen ist nach Ansicht der Experten der Tatbestand der Verstümmelung gegeben“, schreibt das „Luxemburger Wort“.

Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) begründet die Verlängerung der Suspendierung mit dem „Principe de précaution“ sowie der zu erwartenden Dauer des laufenden Verfahrens vor dem Collège médical und einem möglichen Disziplinarrat. Eine Wiederaufnahme der Operationstätigkeit berge laut Ministerin das Risiko „schweren Schadens“ für künftige Patienten.

Zentrales Beweismittel des Gutachtens ist die MRT-Bildgebung. In allen Fällen hätten die Aufnahmen ein durchgehendes, nicht gerissenes Kreuzband gezeigt. Die von Wilmes eingereichte Dokumentation, darunter ein umfangreiches Dossier und mehrere Zeugenaussagen, konnten die Experten demnach nicht überzeugen. Auch ein gegenteiliges radiologisches Gutachten aus den USA wurde als nicht entscheidungsrelevant eingestuft.

Kritik von Wilmes

Wilmes weist die Vorwürfe entschieden zurück. In einer Stellungnahme, auf welche sich das „Luxemburger Wort“ bezieht, kritisiert er das Gutachten als einseitig und wissenschaftlich unhaltbar. Es stütze sich nahezu ausschließlich auf MRT-Bilder und vernachlässige klinische Befunde sowie arthroskopische Untersuchungen. Gerade bei Teilverletzungen könne ein Kreuzband im MRT intakt erscheinen, funktionell jedoch geschädigt sein, argumentiert Wilmes.

Auch das Verfahren selbst wird von Wilmes scharf kritisiert. Eine zentrale Videokonferenz mit den Experten habe nur zwei Stunden gedauert, wobei lediglich vier der zehn Fälle besprochen worden seien. Das Gutachten sei bereits vor der Sitzung fertig gewesen, wodurch kein echter kontradiktorischer Austausch mehr stattgefunden habe. Außerdem hat Wilmes die Unabhängigkeit einzelner Experten infrage gestellt und auf berufliche Überschneidungen in der europäischen Fachgesellschaft ESSKA zwischen Expertin Servien und dem Luxemburger Knie-Spezialisten Romain Seil aus dem CHL hingewiesen.

Unterstützung erhält Wilmes von mehreren internationalen Fachärzten, die die medizinischen Schlussfolgerungen des Gutachtens infrage stellen. Zur Einordnung der Zusammensetzung des Expertengremiums: Von den drei Experten, die das Gutachten verfasst haben, wurde einer von Wilmes selbst ausgewählt und einer vom Gesundheitsministerium. Die beiden Experten haben sich dann gemeinsam auf einen dritten Kollegen geeinigt.

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