Impfchaos
Die Impfung von Henri Grethen – Behördenversagen oder bewusste Täuschung?
Wegen seiner vorzeitigen Impfung und seiner unbedachten Aussage über die „Ile aux clowns“ hat Henri Grethen in den vergangenen Tagen harte Kritik einstecken müssen. Wer den ehemaligen DP-Minister nun allerdings zum gewissenlosen Monster hochstilisiert, versperrt damit den Blick auf die strukturellen Probleme, die solche Eskapaden überhaupt erst möglich machen. Eine Analyse.
Hat sich entschuldigt: Verwaltungsratspräsident Henri Grethen Foto: Editpress/Julien Garroy
Das Wörtchen „Impfdrängler“ ist einer der scheußlichsten Begriffe, die die Corona-Pandemie bis dato hervorgebracht hat. Es bezeichnet jene Personen, die sich aufgrund ihres Status und ihrer Machtposition Zugang zu dem knapp verfügbaren Impfstoff verschaffen, obwohl sie eigentlich noch gar nicht an der Reihe sind. Prominente Beispiele in Luxemburg sind der ehemalige CSV-Minister Jean-Louis Schiltz, ArcelorMittal-Präsident Michel Wurth und Encevos-CEO Claude Seywert – und seit Neuestem auch Henri Grethen, Verwaltungsratspräsident der „Hospices civils“ und Ex-DP-Minister. In Zeiten einer globalen Pandemie die Wichtigkeit der eigenen Gesundheit über jener von denen anzusiedeln, die für ihr Überleben auf den Impfstoff angewiesen sind, dieser Vorwurf wiegt schwer. In Grethens Fall sind es überdies nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Bewohner der ihm überantworteten Einrichtung.