Datencenter Bissen
„Debatte um Google muss heute eine andere sein als vor zehn Jahren“
Die Frist zur öffentlichen Konsultation ist am Freitag abgelaufen – und das „Mouvement écologique“ hat einen 30 Seiten starken Einspruch gegen das Projekt Datacenter in Bissen eingelegt. Auch Wirtschaftsminister Delles äußert sich am Freitag.
Auch in Bissen selbst gibt es Widerstand gegen das geplante Datenzentrum Foto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi
„Am heutigen Freitag, dem 27. März 2026, läuft die öffentliche Prozedur betreffend die Unverträglichkeitsstudie für das Datacenter Google in Bissen aus.“ Mit diesen Worten leitet das „Mouvement écologique“ (Méco) am Freitag eine Pressemitteilung ein. Die Organisation erklärt darin zudem, einen 30-seitigen Einspruch gegen das Projekt eingereicht zu haben.
Weder der Staat noch Google selbst hätten aber bis jetzt eine Analyse zu den Umweltauswirkungen des Projekts im Verhältnis zu geschaffenen Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Folgen vorgelegt. Das „Méco“ wirft Google und dem Staat Intransparenz vor. Zentrale Daten lägen nicht vor – „im Widerspruch zu gesetzlichen Vorlagen“. Der Betrieb des Rechenzentrums würde Luxemburgs CO₂-Emissionen um fünf bis sieben Prozent vergrößern, die Rechner würden so viel Strom ziehen wie 15 Prozent des gesamten Landes.
„US-Firmen kontrollieren Cloud-Dienste in Europa“
Der Bau eines Datenzentrums von Google in Bissen ist seit dem Sommer 2018 im Gespräch. Für Wirtschaftsminister Lex Delles ist der Zeitrahmen nicht ungewöhnlich. Das Vorhaben entwickle sich „im Rahmen der üblichen administrativen Etappen, die für so ein großes Infrastrukturprojekt normal sind und auch die nötige Zeit benötigen“, erklärt der DP-Politiker ebenfalls am Freitag in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. Die „Vorbereitungsarbeiten, um in Bissen in naher Zukunft ein Datenzentrum zu implantieren“, liefen „intensiv“ weiter. Google habe bis jetzt allerdings noch keine „finale Entscheidung getroffen“, das Projekt dort umzusetzen. Auch, dass viele Arbeitsplätze in Bissen durch den Internetriesen geschaffen würden, kann Delles nicht sagen. „Diese Frage kann zu diesem Zeitpunkt nicht beantwortet werden.“
Das Méco findet, dass sich seit 2018 einiges geändert hat. „Die Debatte um Google muss heute eine andere sein, als noch vor zehn Jahren“, schreibt die NGO. Amerikanische Firmen wie Google würden mehr als 70 Prozent der Cloud-Dienste in Europa kontrollieren, die Rolle europäischer Akteure schwinde konstant. „Diese Marktdominanz bauen die amerikanischen Firmen dann auch noch durch gezielte und umstrittene Geschäftspraktiken aus.“
Nach langem Hin und Her sollen alle Genehmigungen für den Bau des Datenzentrums 2026 vorliegen, spätestens 2027 soll der Spatenstich erfolgen. Es soll nicht mehr wie ursprünglich geplant auf Wasserkühlung, sondern auf Luftkühlung gesetzt werden.
Geschichte des Datacenter-Projekts
Im Sommer 2018 machte die Nachricht die Runde, dass Google ein Datenzentrum auf dem „Busbierg“ in der Gemeinde Bissen bauen will. Der Bauträger London Bridge hatte hierfür ein rund 33 Hektar großes Areal erworben.
Eine erste Hürde bestand in der Umklassierung des etwa 50 Fußballplätze großen Areals in eine „Zone spéciale Datacenter“. Diese Hürde wurde am 7. Januar 2019 durch ein einstimmiges Votum im Gemeinderat aus dem Weg geräumt.
In der Folge sorgte dieses Dossier für sehr viel Aufregung in der Attert-Gemeinde. Es dauerte bis zum 22. Oktober 2020, bevor dem Gemeinderat genügend Informationen vorlagen, um den Teilbebauungsplan (PAP) für das Datenzentrum verabschieden zu können.
In einer Gemeinderatssitzung Anfang 2025 ging es um die Ausführung des PAP. Der Schöffenrat der Gemeinde Bissen gab bekannt, mit dem erwähnten Bauherrn eine gesetzlich geregelte Entschädigung über 13,2 Millionen Euro für die Gemeinde ausgehandelt zu haben.
Das Méco hatte bereits 2020 versucht, gegen den Teilbebauungsplan für das Areal in Bissen vorzugehen – der Einspruch wurde aber vor Gericht abgewiesen. Außerdem verlangte die NGO Einsicht in die Absichtserklärung zwischen der Regierung, der Gemeinde Bissen und dem Internetgiganten Google. Darauf folgte ein langer Rechtsstreit – ohne Erfolg für das Méco. Die Justiz entschied, dass das Dokument nicht veröffentlicht werden muss.