Frühere DP-Politikerin
Colette Flesch ist im Alter von 88 Jahren gestorben
Die langjährige Politikerin und frühere Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg, Colette Flesch, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Neben ihrer prägenden politischen Laufbahn war sie auch eine erfolgreiche Spitzensportlerin.
Colette Flesch ist im Alter von 88 Jahren gestorben Foto: Editpress-Archiv/Fabrizio Pizzolante
Die ehemalige Ministerin und Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg, Colette Flesch, ist mit 88 Jahren gestorben. Als Außenministerin, Vizepremierministerin und Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg prägte die DP-Politikerin über Jahrzehnte hinweg das politische Geschehen in Luxemburg. „Sie war eine sehr geradlinige Person, die viel Wert auf Fairness und Gerechtigkeit gelegt hat“, so die städtische Bürgermeisterin Lydie Polfer gegenüber dem Tageblatt. „Sie war eine außergewöhnliche Persönlichkeit und viele Menschen werden sie vermissen“, so Polfer, die 1977 nach ihrem Jurastudium für Colette Flesch im Europaparlament gearbeitet hat. „Es war Colette Flesch, die mir den Weg in die Politik ebnete und nicht unbedingt mein Vater, wie viele Leute glauben“, so Polfer.
Colette Flesch war in vielen Hinsichten Vorgängerin von Parteikollegin Lydie Polfer Foto: Editpress-Archiv
Flesch selbst studierte in den USA Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Neben der Politik spielte der Sport eine wichtige Rolle im Leben von Flesch. Drei Mal nahm sie als Fechterin an den Olympischen Spielen teil. Das erste Mal war sie 1960 in Rom dabei, beim zweiten Mal war es 1964 in Tokio und anschließend 1968 in Mexico City. Der Sport habe ihr sehr viel gegeben und sehr viele Türen geöffnet, erzählte die ehemalige Politikerin 2021 in einem Interview mit dem Tageblatt.
Ich hatte überhaupt keine Lust dazu
Colette Flesch (2021)
dazu, dass sie Bürgermeisterin werden sollte
Ihre politische Karriere begann sie 1968, als sie für die DP in die Chamber gewählt wurde. Wie sie selbst sagte, wurde sie – wie viele vor und nach ihr – aufgrund ihrer Sportkarriere gewählt. „Ich war aber die Erste, bei der es so frappant war.“ Bis 1980 vertrat sie dort ihre Partei und anschließend ein weiteres Mal von 1984 bis 1990. Von 1980 bis 1984 war sie Vizepremierministerin und zugleich Außenministerin. Zudem war sie 1980 als erste Frau Präsidentin des Rats der Europäischen Union. Nach den Kommunalwahlen 1969 wurde Flesch im Alter von nur 32 Jahren erste Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg. „Ich hatte überhaupt keine Lust dazu“, sagte sie dem Tageblatt 2021. „Ich war nie zuvor in einer Gemeinderatssitzung. Ich hatte von nichts eine Ahnung“, so Flesch. Sie blieb aber bis 1980 auf diesem Posten. „Sie ging ihren Weg, ließ sich von nichts abhalten und überzeugte durch ihre Taten“, so Lydie Polfer, die nicht nur wie Flesch Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg ist, sondern auch Außenministerin und Vizepremierministerin war. „Colette Flesch war bis zuletzt an allem interessiert, was in der Stadt und im Land passierte. Sie war immer auf dem Laufenden.“
Colette Flesch, links neben Grand-Duc Jean zu sehen, war Teil der Olympia-Delegation 1964 in Tokio Foto: Editpress-Archiv
In ihrer politischen Karriere kamen Flesch ihre Erfahrungen aus dem Sport zugute. „Der Sport war ein wichtiger Teil meiner Erziehung.“ Durch ihn habe sie gelernt, zu gewinnen und zu verlieren. Bei Erfolgen nicht die Bodenhaftung zu verlieren und nach Niederlagen wieder vom Boden aufzustehen. Eigenschaften, die man auch als Politiker mitbringen sollte.
„Wir behalten Colette Flesch als eine Grande Dame des Luxemburger Sports in Erinnerung. Sie hat das Land dreimal bei den Olympischen Spielen vertreten und war nach ihrer eigenen Karriere immer für den Sport im Einsatz, sei es als Vorstandsmitglied des Olympischen Komitees, als COSL-Generalsekretärin oder als Präsidentin der Sportkommission und der Kommission des Frauensports. Sie hat sich ihr ganzes Leben lang in den Dienst des Luxemburger Frauensports gestellt“, so COSL-Präsident Michel Knepper gegenüber dem Tageblatt.
Colette Flesch.
— Luc Frieden (@LucFrieden) January 21, 2026
Femme pionnière.
Europénne par conviction.
Fidèle à ses valeurs.
Le Luxembourg gardera sa mémoire, avec fierté et reconnaissance. pic.twitter.com/80zgettcA3
Mit den Worten „Eine Pionierin“, „Europäerin aus Überzeugung“ und „Ihren Werten treu“ gedenkt Premierminister Luc Frieden (CSV) der Politikern auf X.
Parteikollege und Vizepremierminister Xavier Bettel (DP) schreibt auf Instagram, dass Colette Flesch in ihrem Leben gleich mehrfach „déi Éischt“ war: „Éischt Buergermeeschtesch, éischt Ausseministesch, éischt Vize-Premierministesch, éischt DP-Presidentin!“ Noch am Dienstag habe Bettel eigenem Bekunden zufolge mit Flesch telefoniert. Sie sei eine Sportlerin, eine Kämpferin, eine Politikerin und eine gute Freundin gewesen. Allem voran sei Colette Flesch jedoch eine „Grande Dame“ gewesen. Und: „Du wirst uns fehlen.“
Am Mittwochnachmittag reagierte dann auch Colette Fleschs Partei auf den Tod ihrer langjährigen Spitzenpolitikerin. „Die Demokratische Partei verliert eine Leaderfigur, eine Mentorin und eine Freundin, die ihresgleichen gesucht und das Leben der DP maßgeblich geprägt hat“, schreiben die Liberalen in einer Pressemitteilung. „Colette Flesch ist mit einem ‚oppene Geescht a mat Freed un de Mënschen‘ durchs Leben gegangen. Sie hat sich mit Intelligenz und Fleiß in einer oft von Männern dominierten Politik durchgesetzt und hat dabei nie vergessen, was Gaston Thorn ihr mit auf den Weg gegeben hat: Du musst jedes Dossier besser kennen als alle anderen.“
Ähnlich sieht es auch Verteidigungs-, Mobilitäts- und Gleichstellungsministerin Yuriko Backes in ihrer Mitteilung auf Facebook. „Eine Vorreiterin in der Politik, ein Vorbild für Frauen bis heute, eine olympische Sportlerin“, schreibt Backes. „Ihr Engagement und ihr Ehrgeiz hat gezeigt, was als Frau möglich ist.“ Sie selbst habe sich von Colette Flesch als junge Diplomatin inspirieren lassen. „Als Frau wurde sie damals aus der Diplomatie ausgeschlossen. Nachher wurde sie Außenministerin.“
Mit Colette Flesch verliert Luxemburg aber nicht nur eine außergewöhnliche Politikerin. „Sie war eine sehr humorvolle Person, mit der man sehr viel lachen konnte“, so Lydie Polfer. „Mit ihr verlieren sehr viele auch eine gute Freundin.“