Landwirtschaft

CSV startet Charme-Offensive im Norden

Die CSV lud am Dienstagabend zum Bürgerdialog in Lipperscheid ein. Das Thema „Landwirtschaft und Entwicklung im ländlichen Raum“ stieẞ im Norden von Luxemburg auf so großes Interesse, dass nicht alle Zuschauer einen Sitzplatz fanden.

Podiumsdiskussion moderiert von Jeff Boonen mit Joelle Ferber, Martine Hansen, Marc Jacobs, Jean-Marie Neuberg und Paul Bisenius

Der CSV-Abgeordnete Jeff Boonen moderierte die Podiumsdiskussion mit Joelle Ferber (Leader Éislek), Martine Hansen (CSV), Marc Jacobs (Landwirt), Jean-Marie Neuberg (Bäckerei Jos & Jean-Marie) und Paul Bisenius (Menuiserie Fellens) (v.l.) Foto: Lisa Goedert/Editpress

Gemessen an der Anzahl der Stühle im Chalet des Sporthotels Leweck, hatten die Christsozialen wohl mit rund hundert Teilnehmern gerechnet. Dass schlussendlich noch gut zwei Dutzend das „CSV am Dialog“-Event an den Saalwänden stehend verfolgen, liegt sicherlich auch an der hochkarätigen Besetzung. Premierminister Luc Frieden und Landwirtschaftsministerin Martine Hansen haben gleich mehrere Abgeordnete im Schlepptau, prominente Unternehmer aus dem Luxemburger Norden sind zur Podiumsrunde geladen.

Premierminister Luc Frieden mit CSV-Politikern Laurent Zeimet, Martine Hansen und Emile Eicher aus Clerf bei offiziellem Treffen

Premierminister Luc Frieden mit CSV-Fraktionspräsident Laurent Zeimet, Landwirtschaftsministerin Martine Hansen und dem Abgeordneten Emile Eicher aus Clerf (v.l.) Foto: Lisa Goedert/Editpress

Die alteingesessene Partei gibt sich dabei betont modern: Video-Einspieler im unterhaltsamen Social-Media-Format leiten zu den Gesprächsthemen über. Der Impulsvortrag von Bauer und Landwirtschaftsberater Marc Jacobs trifft dabei direkt ins Schwarze: Landwirtschaftliche Betriebe, vor allem jene mit Vieh- und Milchproduktion, sehen sich vor enormen Herausforderungen in Bezug auf Emissionsreduzierung, EU-Regulierungen und Strukturwandel.

Der Nachwuchs stehe vor immer größer werdenden Betrieben, die unter wettbewerbsfähigen Bedingungen übernehmbar sein müssten, „damit wir nicht noch mehr Betriebe verlieren und Gefahr laufen, dass plötzlich große Agrar-Holdings aus dem Ausland die Landwirtschaft hier gestalten und nicht mehr unsere heimischen Bauern.“

„Da wird man zur Geisel“

Aus dem Publikum meldet sich ein Landwirt aus der Stauseeregion, der besagte Nachfolge-Problematik anhand seiner persönlichen Situation darlegt. Er stecke in einer Zwickmühle zwischen Frührente und Betriebsübergabe an einen seiner Söhne, der jedoch gerade erst mit der Schule fertig sei und noch nicht reif für die alleinige Verantwortung: „Die Reglementierungen passen nicht zu dem, wie die Betriebe heute sind. Da wird man zur Geisel.“

Ein Thema, das Landwirtschaftsministerin Hansen nicht fremd ist und auch der Premierminister nun unbedingt mit in die Chamber nehmen will, wie er bei seiner Abschlussrede auf der Bühne verspricht: „Politik macht man nicht von oben herab. Politik macht man mit den Menschen“, so Luc Frieden fast pathetisch.

Luc Frieden spricht mit Landwirten über wichtige Landwirtschaftsthemen im Parlament der Chamber Luxemburgs

Luc Frieden will die Themen der Landwirte mit in die Chamber nehmen Foto: Lisa Goedert/Editpress

Des Weiteren betont er, dass Landwirtschaft in den Augen der Regierung keineswegs ein romantisches Hobby sei, sondern Teil der Wirtschaft und damit der Souveränität des Staates: „Wir wollen nicht alles importieren müssen. Das ist auch eine Frage der Unabhängigkeit“, sagt er mit Verweis auf die aktuelle geopolitische Weltlage.

Keine Steuersenkung auf Diesel

Dass die dadurch bedingte Energiepreisexplosion eine extreme Belastung für die Bauern ist, sei ihm bewusst. Eine Steuersenkung auf Diesel, wie kürzlich in Deutschland beschlossen, könne die Regierung jedoch nicht in Aussicht stellen.

Stattdessen gibt es eine Anekdote aus einem Telefonat mit dem deutschen Bundeskanzler. Friedrich Merz (CDU) habe Frieden demnach vergangene Woche nämlich gefragt, wie Luxemburg überhaupt einen so niedrigen Preis an der Zapfsäule anbieten könne und entsprechende Auskünfte erhalten. „Auch, wenn die Deutschen jetzt mit ihrem Preis runter gehen, wird dieser immer noch höher sein als in Luxemburg“, moniert Frieden.

Für die Luxemburger Landwirte wohl eher ein schwacher Trost.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Landwirtschaft

CSV startet Charme-Offensive im Norden