Verwaltungsgericht
Angeklagte im Bommeleeër-Prozess: privat oder im Staatsdienst?
Stehen die Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes im Bommeleeër-Prozess, als Privatpersonen vor Gericht oder als Beamte? Eine entscheidende Frage, mit der sich das Tribunal Administratif beschäftigt. Schließlich geht es darum, wer ihre Kosten übernimmt.
Me Thierry Hirsch und Me Max Lehnen im Gespräch mit dem Tageblatt im März 2026 (v.l.) Foto: Editpress/Alain Rischard
Der Aufzug fährt ins fünfte Untergeschoss des Verwaltungsgerichts, wo sich der Verhandlungssaal befindet. Unterirdisch und unergründbar ist vieles im Bommeleeër-Dossier, „in dem nichts undenkbar ist“, wie Maximilien Lehnen, Verteidiger von Jos Wilmes, einmal mehr feststellt. Seit Scheer und Wilmes im November 2007 verhaftet wurden, stehen sie unter Verdacht, die Anschläge von 1984 bis 1986 begangen zu haben. „Seit mindestens achtzehneinhalb Jahren, sind sie dabei, sich zu verteidigen“, betont Me Lehnen im Gerichtssaal, in dem sich knapp zwei Handvoll Leute eingefunden haben. Ein wichtiger Aspekt in dem Dossier wird gerade mehr im Verborgenen verhandelt. Dabei könnte es für die beiden Beschuldigten von entscheidender Bedeutung sein.
Lehnen sowie Scheers Verteidiger Thierry Hirsch haben das Dossier erst im vergangenen Jahr in die Hände bekommen. Me Hirschs Vorgänger Gaston Vogel war im November 2024 verstorben, Wilmes’ Verteidigerin Lydie Lorang gab den Fall aus gesundheitlichen Gründen ab. „Wir haben eine Aktenmenge von insgesamt mehr als 143.000 Dateien in einer Gesamtgröße von 330 Gigabyte erhalten“, sagt Hirsch. Man könne sich also vorstellen, wie viele zahllose Stunden sich die beiden Anwälte in das „Monsterdossier“ haben einarbeiten müssen. Auch auf Seite der Richter und Staatsanwälte habe das Personal gewechselt. Und was die riesige Zahl der Zeugen angeht, hat auch der Zahn der Zeit ebenfalls an der Affäre genagt: Etliche sind mittlerweile verstorben. „Je mehr sterben“, so Me Hirsch, „umso schwieriger wird es, Beweise zu erbringen.“