„Covoiturage“ auf der A3
Ab 2026: Spezielle Radarfallen sollen Mitfahr-Schummler schnappen
Die neuen Mitfahrerspuren auf der A3 dürfen nur Autofahrer nutzen, die mindestens einen Passagier im Wagen haben. Wer schummelt, bekommt ab dem kommenden Jahr Post: Dann sollen spezielle Radarfallen in Betrieb gehen.
Wer wird denn wohl? Dieser Motorradfahrer hat das Piktogramm für die Mitfahrspur auf der A3 offenbar nicht erkannt. Foto: Editpress-Archiv/Hervé Montaigu
Die A3 zwischen Luxemburg-Stadt und der französischen Grenze ist ein Staumagnet. Zur morgendlichen Rushhour zwischen 6 und 8 Uhr quetschen sich laut Straßenbauverwaltung an die 2.500 Fahrzeuge pro Stunde auf die Strecke zwischen Bettemburg und der Hauptstadt. Um 15 Uhr beginnt dann der Rückreiseverkehr und die gegenüberliegende Seite ist voll. 2.821 Vehikel bevölkern so zwischen 15 und 16 Uhr die Fahrstreifen von der Stadt in Richtung Süden. Insgesamt, das sagt das Transportministerium, sind es bis zu 80.000 pro Tag, die auf die zwölf Kilometer lange Strecke einbiegen.
Lange wurde deshalb über einen Ausbau nachgedacht. 2018 fasste sich die Regierung ein Herz – und machte mit einer 365-Millionen-Euro-Investition „Bahn frei“ für das Projekt. Nach einigen Verzögerungen wurde der erste zweimal dreispurige Abschnitt – zwischen Gaspericher Kreuz und der Aire de Berchem – im März dieses Jahres fertiggestellt. Die neuen Spuren dienen allerdings nicht dem gemeinen Solo-Pendler – sondern sind Bussen und Fahrgemeinschaften vorbehalten.
Piktogramme informieren Autofahrer
Um das den Autofahrern klarzumachen, wurden spezielle Piktogramme aufgemalt: einerseits das Wort „Bus“, darunter jeweils ein Autosymbol mit der Aufschrift „2+“. Sie sollen den regelkonformen Verkehrsteilnehmer daran erinnern, dass eben nur Busse auf den neuen Spuren auf der linken Seite verkehren dürfen – oder man hat mindestens einen Mitfahrer im Kraftfahrzeug.
Offenbar verstand aber nicht jeder diese Regel auf Anhieb. Was auch den Grünen-Abgeordneten Meris Sehovic zu einer Frage an Transportministerin Yuriko Backes (DP) veranlasste. Sehovic erklärte die Mitfahrspur zwar zu einer „begrüßenswerten Maßnahme zur Förderung eines flüssigeren Verkehrs“. Es gebe aber „Beobachtungen“, die „auf Unsicherheiten hinsichtlich der genauen Nutzungsmodalitäten“ hindeuteten. Er wollte von Backes wissen, was denn genau gemacht wurde, um die Öffentlichkeit über die neuen Spielregeln auf der A3 gewahr zu machen. Und: Wie geprüft wird, ob sie denn auch eingehalten werden.
2,2 Millionen Aufrufe von Erklärvideo
Backes antwortete: Ihr Ministerium habe eine Sensibilisierungskampagne in den sozialen Netzwerken mit einem Erklärvideo gestartet. Das sei in den verschiedenen Netzen allein bis zum 11. April mehr als 2,2 Millionen Mal aufgerufen worden. Und schließlich gibt es ja auch noch andere Hinweise: So sei zum Beispiel eine „konforme Beschilderung“ angebracht worden. „Laut Straßenverkehrsordnung dienen Verkehrszeichen dazu, die Verkehrsteilnehmer über das richtige Verhalten zu informieren, auch in Bezug auf die Nutzung der Fahrspuren“, sagt Backes.
Für jene, die die regelkonforme Nutzung dennoch nicht verstehen – oder akzeptieren – hat Backes eine Überraschung parat: „Um künftig die Einhaltung der Regeln für die Nutzung der Fahrgemeinschaftsspur zu gewährleisten, ist geplant, Verstöße durch Radargeräte festzustellen und zu registrieren.“ Heißt: An die A3 kommen Blitzer, die darüber wachen, wie viele Menschen tatsächlich in den Autos stecken, die auf der Fahrgemeinschaftsspur unterwegs sind. Alleinfahrer können sich also mittelfristig auf ein Knöllchen gefasst machen.
Schon Ende 2025 könnte eine Testphase für die Mitfahrer-Radare starten. „Während dieser Testphase werden keine gebührenpflichtigen Verwarnungen durch das automatisierte Kontroll- und Sanktionssystem ausgegeben“, schreibt Backes. Für das Frühjahr 2026 ist aber die offizielle Inbetriebnahme des „neuen Radartyps“ vorgesehen. Dann werden die Mitfahrspuren-Schummler zur Kasse gebeten.