Editorial
Wie der US-Präsident den Krieg gegen sein eigenes Land finanziert
Donald Trump kauft Diesel bei Putin, um seine Umfragewerte vor den Midterms aufzubessern. Das Geld landet über Moskau bei den Ayatollahs. Der Deal zeigt, was passiert, wenn man Energiepolitik nicht als Sicherheitspolitik begreift.
US-Präsident Donald Trump begrüßt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im August auf der Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Donald Trump ist immer wieder für eine Überraschung gut. Wenn er auch sonst nicht viel kann, so sorgt seine Fähigkeit, in völliger Verkennung der Sachlage die dümmstmögliche Entscheidung zu treffen, für wahrlich disruptive Momente in der Geopolitik. Etwa, wenn er einen Diesel-Deal mit Putin abschließt, um die schlechten Prognosen vor den Zwischenwahlen im November zu korrigieren.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der Präsident der USA hat einen Krieg mit dem Iran vom Zaun gebrochen, den er nicht beenden kann. Jetzt kauft er beim Verbündeten des Irans Treibstoff und gibt Putin Geld, mit dem dieser wiederum iranische Drohnen für seinen Angriff auf die Ukraine kaufen kann. Das Geld von Trumps Diesel-Deal landet mittelbar in den Taschen der Ayatollahs. Selbst wenn man annimmt, dass Trump sich einen Dreck um die Ukraine schert und um die NATO-Verbündeten seines Landes erst recht, dann sehen wir gerade dabei zu, wie der US-Präsident den Krieg gegen sein eigenes Land finanziert. Und: Dieser Kauf wird absolut keine Auswirkungen auf den Weltmarktpreis haben. Der Effekt wird in kürzester Zeit verpuffen, aber Putin erhält eine Finanzspritze.
Wo ist das Geld aus Venezuela?
Dabei könnte man annehmen, dass die USA ihren Bedarf an Diesel eigentlich gedeckt hätten, als sie im Januar den venezolanischen Präsidenten entführen ließen. Anschließend zwangen sie dem Land einen Vertrag auf, mit dem sie sich laut eigenen Angaben Zugriff auf 65 Milliarden Barrel Öl sicherten. Bei jedem anderen Präsidenten wäre das die Sicherheitsreserve gewesen, um das eigene Land vor den Auswirkungen einer Sperrung der Straße von Hormus zu schützen. Die 13 Milliarden, die Trump bislang laut Recherchen der Financial Times mit dem Verkauf venezolanischen Öls verdient hat, sind allerdings mysteriöserweise verschwunden.
Die bittere Pointe liegt darin, dass die billigste Versicherung gegen eine gesperrte Straße von Hormus längst erfunden ist. Sie besteht aus Solarmodulen, Windrädern, Batterien und Elektroautos, also genau aus jenen Dingen, deren Förderung Trump an seinem ersten Arbeitstag gestrichen hat. Ein Elektroauto in Ohio interessiert sich nicht für iranische Schnellboote und schickt Putin keinen Cent. Während in Amerika die Ladesäulen verstauben, verkauft Peking der halben Welt die Technik, die Washington für Wokeness hält. Jeder Tanker, der im Golf vor Anker liegt, ist ein Werbespot für Peking.
Schlauer als Trump?
In Europa schüttelt man den Kopf über Trump und übt sich in Solidaritätsadressen in Richtung der Ukraine, die nun richtig in der Klemme steckt. Aber auch Europa hat zwei Jahrzehnte und einen Angriffskrieg gebraucht, um zu begreifen, dass russisches Gas einen Preis jenseits der Rechnung hat, die Gazprom am Ende des Jahres schickt. Und Luxemburg verdient bis heute gut daran, Diesel billiger als seine Nachbarn zu verkaufen. Der Tanktourismus füllt die Staatskasse und ruiniert die Klimabilanz, und jede Regierung hat sich bislang davor gedrückt, an diesem Geschäftsmodell zu rütteln. Auch das ist eine Wette darauf, dass der fossile Rausch noch ein paar Jahre hält.
Aber damit zerstören wir nicht nur die Umwelt. Wir finanzieren auch Diktaturen, egal ob in Moskau, Riad, Teheran oder Caracas. Wenn wir nicht begreifen, dass Energiepolitik Sicherheitspolitik ist, und endlich danach handeln, sind wir auch nicht wesentlich schlauer als Trump.