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Vorsprung durch Unterwerfung?

Vorsprung durch Unterwerfung?

Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite Donald Trumps war mehr als nur ein peinlicher PR-Moment. Es war ein öffentlicher Kotau vor einem Präsidenten, der wirtschaftlichen Druck als politisches Machtmittel einsetzt. So wird aus „Vorsprung durch Technik“ unfreiwillig „Vorsprung durch Unterwerfung“. Wird das Audis neuer Firmenslogan? Ein bitterer Scherz, der eine ernste Frage aufwirft: Wie weit muss sich ein deutscher Wirtschaftsführer verbiegen, um seine Interessen durchzusetzen?

Trat Döllner freiwillig auf, oder wollte er damit drohende Zölle abwenden? Audi lässt diese Fragen bislang unbeantwortet. Besonders brisant sind Berichte über interne Konzernrichtlinien, die öffentliche Auftritte mit Wahlkandidaten in den letzten drei Monaten vor einer Wahl untersagen. Der Top-Manager soll diese Regeln selbst unterschrieben haben. Sollte sich ein Verstoß bestätigen, stellt sich die Frage: Wie viel gelten unternehmerische Grundsätze, wenn Milliarden auf dem Spiel stehen?

Trumps perfides Geschäftsmodell folgt einem einfachen Muster: Er droht mit Zöllen, lockt Unternehmen mit Investitionen und Arbeitsplätzen in die USA und feiert sich anschließend als Sieger. Wer sich allerdings nur über den Auftritt des Audi-Chefs und das überreichte goldfarbene Audi-Modell empört, greift zu kurz. Moralische Empörung allein verkauft keine Autos. Notwendig ist wirtschaftlicher Pragmatismus, der jedoch nicht bedeuten darf, politische Erpressung widerspruchslos hinzunehmen. Audi steht unter erheblichem Druck. Die US-Zölle haben den Konzern im Vorjahr mutmaßlich rund 1,2 Milliarden Euro gekostet, während der Absatz auf dem amerikanischen Markt um zwölf Prozent zurückging. Ein geplantes Werk in Georgia, in das vier Milliarden Dollar investiert werden sollen und das rund 4.500 Arbeitsplätze schaffen könnte, würde den Marktzugang erleichtern und die Zollbelastung möglicherweise senken. Das mag wirtschaftlich sinnvoll sein. Doch zu welchem Preis?

Während Audi plant, Milliarden in den USA zu investieren, bangen Beschäftigte an deutschen Standorten wie Neckarsulm um ihre Zukunft. Werden neue Arbeitsplätze in den USA auf Kosten des deutschen Industriestandorts geschaffen? Bleiben Wertschöpfung und Zulieferaufträge in Europa oder droht eine weitere Verlagerung? Und warum gelingt es Deutschland und Europa immer weniger, attraktive Bedingungen für die Industrie zu schaffen? Diese Fragen verdienen mehr Aufmerksamkeit als die Inszenierung auf einer amerikanischen Bühne.

Europas Standortschwächen erleichtern es Trump, mit wirtschaftlichem Druck Investitionen und Arbeitsplätze in die USA zu lenken. Wer Arbeitsplätze sichern will, muss die Wettbewerbsbedingungen verbessern. Der eigentliche Skandal ist nicht, dass Audi in den USA produzieren möchte. Die Konkurrenten BMW und Mercedes sind längst vor Ort. Wirtschaftlicher Pragmatismus ist legitim, politische Unterwürfigkeit jedoch nicht. Der

Auftritt des Audi-Chefs ist ein PR-Desaster. Audi muss beweisen, dass am Ende mehr bleibt als ein beschädigtes Image. Schließlich sollte „Vorsprung durch Technik“ für Innovation und Qualität stehen – und nicht für einen Kniefall vor politischer Erpressung.

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