Kommentar

Vom kranken Gesundheitswesen

Das „Blannenheem“ schreibt unliebsame Schlagzeilen

Das „Blannenheem“ schreibt unliebsame Schlagzeilen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Wenn sich 30 Familien von Bewohnern zusammenschließen, um auf vermeintliche Missstände im „Blannenheem“ aufmerksam zu machen, dann dürften die Vorwürfe an die Direktion der Institution zumindest nicht vollends aus der Luft gegriffen sein. Dass es so weit kommen musste, ist zudem insofern tragisch, als dass das „Blannenheem“ doch jahrelang als Vorzeige-Betreuungsstruktur herhalten konnte, in dem der Mensch stets im Mittelpunkt stand.

In der Corona-Krise zeigt sich deutlich, woran der Pflege- und Gesundheitssektor, nicht nur in Luxemburg, sondern so ziemlich überall auf der Welt, krankt. Der Patient wird zur Zahl, jede Minute der Pflege ist berechenbar. Und dabei bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Wichtigste Voraussetzung für die Verantwortlichen sind Managerfähigkeiten. Die Bilanzen müssen stimmen. Das Pflegepersonal kann einem da nur leidtun und mit einmaligen Corona-Prämien und wohlwollendem Applaus vom Balkon ist es sicher nicht getan. Und dass es nicht mehr so weitergehen kann, müsste eigentlich jedem einleuchten. Denn früher oder später braucht jeder Mensch Hilfe. 

Die Rolle der Politik ist dabei, den Rahmen zu setzen. In den letzten Jahrzehnten jedoch ging der Schuss nach hinten los, Stichwort Bettenreduzierung. In Luxemburg stiehlt sich die Regierung in der Corona-Krise in essenziellen Fragen aus der Verantwortung. Sie überließ und überlässt zum Beispiel den Verantwortlichen der Häuser die finale Entscheidung in der Problematik Sterbebegleitung. Das lässt wenig Hoffnung zu, dass sich nach der Krise etwas Fundamentales ändert. Sogar wenn, wie im Beispiel „Blannenheem“, die Menschen auf die Barrikaden steigen.    

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