Der Politflüsterer
Esch muss sparen und der Staatschef Fahrrad fahren
Der Politflüsterer stammt aus Ironien, irgendwo am Sarkastischen Meer. Das wird in seinem Wochenbericht mal wieder deutlich.
Beim Besuch in Esch werden Stéphanie und Guillaume natürlich Casual-Friday-Look tragen Foto: Editpress/Julien Garroy
Ein Zeichen setzen. Irgendwer müsse irgendwo irgendein Zeichen setzen. Der Politflüsterer hört das in letzter Zeit öfter. In Zeiten, in denen die Armen nicht reicher und die Reichen nicht ärmer werden, setzen nun auch der Staatschef und die Stadt Esch ein Zeichen. Ein Zeichen der Genügsamkeit. Esch muss sparen.
Deshalb können für die lustige Einkehr des Staatsoberhaupts im April nur knapp über läppische 400.000 Euro bereitgestellt werden. Deshalb müssen Stéphanie und Guillaume bei ihrem Besuch in der Minettmetropole auch mit dem Zug nach Belval fahren und dann mit dem Fahrrad weiter ins Zentrum.
Leider muss bei dem Spektakel aus Kostengründen auch auf professionelle Schauspieler verzichtet werden. Stattdessen sollen Rentner, Mindestlohnempfänger und Revis-Bezieher am Wegesrand stehen und jubeln. Schulkinder sollen ebenfalls dabei sein. Denen muss man gar nichts bezahlen, außer vielleicht eine rot-weiß-blaue Flagge. Die müssen sie nachher allerdings wieder abgeben. Man weiß ja nie, wann das gute Stück noch einmal gebraucht wird.
Die Escher Opposition hat sich bei der Abstimmung im Gemeinderat übrigens auffallend deutlich vom geplanten Zirkusspektakel distanziert. Auch das ein Zeichen. Am 24. April werden also wohl ein paar Ädilen weniger anwesend sein. Einige mit rotem Samt bezogene Stühle können eingespart werden.
Ach, die liebe Gemeindepolitik, denkt der Politflüsterer. Und denkt dabei an die Esch2022-Hohepriesterin Nancy Braun. Nach ihrer Rolle bei der Weltausstellung in Osaka sucht sie offenbar nach neuer Beschäftigung. Hätte man sie nicht für Eintracht in Esch sorgen lassen können? Kommunalpolitische Nahkampferfahrung dürfte sie im Rahmen der Kulturhauptstadt schließlich ausreichend gesammelt haben.
Von einem Zeichen sprach dann jenes Mäuschen, das diese Woche just in dem Moment im Escher Café auf Nahrungssuche war, als dort die lokale CSV ihre Jahresversammlung abhielt. Es werde wohl definitiv jetzt kein Comeback von Georges Mischo im Escher Gemeinderat geben, flüsterte das Tierchen. Das Innenministerium habe dazu ein klares Nein gesprochen. Doch nur nicht verzagen, denkt der Politflüsterer. Die Escher CSV wird bei den nächsten Wahllisten bestimmt nicht auf den Mann verzichten, der sie 2017 zur „Rentrée joyeuse“ im Escher Rathaus führte.
Zugetragen wurde dem Politflüsterer übrigens auch, dass am Donnerstag ein auffallend gut gelaunter Spähtrupp des Tageblatt in der Grevenmacher Fußgängerzone gesichtet worden sei. Da scheint tatsächlich etwas im Busch zu sein. Vielleicht will ja auch dort jemand ein Zeichen setzen. Im Osten mal wieder was Neues. (Marco Goetz)