Kommentar
Veggie-Wahnsinn: EU-Parlament rettet Konsumenten vor heißen Hunden
Im EU-Parlament ging es am Mittwoch um die Wurst Foto: dpa/Friso Gentsch
Wer kennt es nicht: Man kauft eine Packung Hotdogs und ärgert sich dann zu Hause, dass Bello auf die versprochenen heißen Hündinnen verzichten muss. Das nennt man dann wohl irreführende Werbung, wie man sie überall im Kühlregal findet. Wie macht man aus Lebern Käse? An welchem Baum hängen Meeresfrüchte? Wie lange muss man Bier kochen, bis daraus eine Wurstfüllung wird? Diese Fragen stellen sich Konsumenten tagtäglich, während sie komplett verwirrt durch den Supermarkt stolpern.
Aber keine Sorge: Das EU-Parlament nimmt Konsumentenschutz ernst und scheut keine Kosten, um gegen die lügenden Leguminosen-Lyoner vorzugehen. Die Abgeordneten haben entschieden, dass vegetarische Fleischersatzprodukte künftig nicht mehr Burger, Schnitzel und Wurst heißen dürfen. Eine Mehrheit aus Rechtsaußen-Fraktionen und Teilen der konservativen Fraktion EVP hat für diese Gesetzesänderung gestimmt.
Offenbar trauen diese Abgeordneten ihren Wählern weder Lesekompetenz noch gesunden Menschenverstand zu. Doch für diese Annahme gibt es keine Beweise. Im Gegenteil: Laut Verbraucherorganisation BEUC ist der Begriff Veggie-Burger für die Mehrheit der Menschen nicht verwirrend.
Denn Sprache ist lebendig, beschreibend und bildlich. Wir putzen mit Scheuermilch und lassen Drachen steigen. Wir nehmen Hustensaft und stehen in Warteschlangen. Warum reguliert die EU diese Begriffe nicht? Ganz einfach: Weil im Fleischregal keine wartenden Schlangen liegen. Die Fleischlobby fühlt sich vom Veggie-Angebot bedroht. Zu Recht, denn immer mehr Menschen merken, dass nicht jede Mahlzeit tierische Produkte beinhalten muss.
Aber alles gut: Veganer, die sich über diese Geld- und Zeitverschwendung im EU-Parlament ärgern, können ihren Frust einfach wegessen. Vielleicht mit einem kalten Hund. In vegan, versteht sich. Bello kann also aufatmen.