Kommentar
Trump macht Stimmung gegen Präsidentschaftswahl
Wie ein lausiger Autokrat: Donald Trump will die Präsidentschaftswahl verschieben Foto: AFP/Jim Watson
Eigentlich dürfte es einen nicht mehr erstaunen, wie US-Präsident Donald Trump immer wieder versucht – oder es auch tut –, sich gegen alle Regeln, gegen den Anstand, Gepflogenheiten oder die Vernunft Vorteile zu verschaffen, sich zu rechtfertigen oder seine Politik als die einzig richtige zu begründen. Ein probates Mittel dazu ist, Stimmung zu machen. Gestern nun hat er nichts Geringeres als eine Verschiebung der Präsidentschaftswahl im November wegen der Corona-Pandemie ins Spiel gebracht, nachdem er bereits seit einiger Zeit das Feld dafür vorbereitet und die Briefwahl als unsicher und anfällig für Wahlfälschungen zu diskreditieren versucht hatte. So wie ein lausiger Autokrat oder Diktator, von denen die Geschichte schon einige gesehen hat, der partout nicht von der Macht lassen will.
Zwar haben dieses Mal führende Republikaner umgehend reagiert und dem Ansinnen ihres Präsidenten eine Absage erteilt. Es wird auch darüber spekuliert, das Ganze könnte bloß ein Manöver sein, um von den kurz zuvor bekannt gegebenen desaströsen Wirtschaftsdaten abzulenken, die Trump schaden. Doch bei vielen seiner Unterstützer wird auch dieser Tweet hängen bleiben und sich mit allem, was Trump sonst noch von sich gibt und geben wird, im Fall einer Niederlage zu jener Botschaft zusammenfügen, die er dabei ist, auszuschmücken, und die da lautet: Das Amt wurde mir gestohlen.
Trump ist und bleibt gefährlich, insbesondere da er niedere Instinkte bedient und es ein dafür empfängliches Publikum gibt. Immerhin haben in den vergangenen Monaten bereits mehrmals bewaffnete Trump-Anhänger bei Protesten für Aufmerksamkeit gesorgt. Es ist daher zu hoffen, dass er am 3. November gestoppt wird und eine derartige Klatsche erhält, dass er aus lauter verletztem Stolz nicht mehr erwägt, das Wahlergebnis infrage zu stellen.