Der Politflüsterer

Traum-Interview: Kardinal Jean-Claude Hollerich und die Papstfrage

Jean-Claude Hollerich zählt zu den 133 Kardinälen, die in Rom am Konklave teilnehmen. Was wäre, wenn, denkt der Politflüsterer und hat sich so seine Gedanken gemacht.

Jean-Claude Hollerich zählt zu den 133 Kardinälen, die in Rom am Konklave teilnehmen. Was wäre, wenn, denkt der Politflüsterer und hat sich so seine Gedanken gemacht. Archivfoto: Editpress/Julien Garroy

Es muss am Konklave liegen. Kardinal Jean-Claude Hollerich ist omnipräsent. Sogar in des Politflüsterers Traum taucht er auf wie eine himmlische Push-Nachricht.

„Papabile? Ich?!“, ruft er. „Ach, in Luxemburg wird man schnell für alles gehalten – Fußballexperte, Rennradlegende, Steuerfuchs oder Politguru. Aber Papst? Ich bin eher ein Hirte mit internationaler Flatrate.“

Größer, als vom Blitz getroffen zu werden, stehen die Chancen doch schon!?

„Wenn ich Papst würde, wäre das wie vom Blitz getroffen. Ich müsste in Ehrfurcht erstarren.“

So schlimm?

„Ich könnte ja dann nicht mehr in mein Häuschen nach Portugal zum Entspannen, sondern müsste nach Castel Gandolfo – riesengroß. Hunderte von Messen müsste ich halten und Dogmen verteidigen. Und meine kleinen gastronomischen Ausflüge? Vergessen Sie’s. Oder glauben Sie etwa, die Kurie ließe mich Lea Linster einstellen?“

Was für ein Bild: der Papst und die Sterneköchin. Statt Hostien Leas Madeleines. Gemeinsam könnten Sie kulinarische Wunder vollbringen. Sie kochen schließlich auch gerne. Aber versuchen wir es ansatzweise ernsthafter. Was sagen Sie zum Thema LGBTQ+?

„Wie kann es sein, dass Menschen sich zwischen Gott und ihrer Würde entscheiden müssen? Das ist keine Barmherzigkeit – das ist institutionalisierte Angst.“

Und Frauen in der Kirche?

„Die ersten Zeuginnen der Auferstehung waren Frauen. Warum behandeln wir das wie eine Fußnote?“

Interessante Aussagen, aber dann käme eine Kommission zusammen und …

„Jesus hat keine Kommission eingesetzt. Er hat Menschen berührt. Und diese Berührungen müssen manchmal nach Jugend und Widerspruch riechen – nicht nach Weihrauch.“

Was wäre, fragt der Politflüsterer, eine erste Amtshandlung als Papst?

„Ich würde der Kurie eine Jesus-Doku verordnen und als Pflichtlektüre Dostojewskis ‚Großinquisitor’. Damit sie mal verstehen, worum’s geht. Anschließend würde ich ex cathedra eine Bulle verkünden: In allen katholischen Kirchen dieser Welt darf nur noch der Rivaner vom ‚Domaine Tageblatt‘ als Messwein gereicht werden.“

Ein Sakrileg?

„Ach was, und selbst wenn, dann ein wohlschmeckendes. Und das Ende des Zölibats wäre nur noch eine Frage der Zeit.“

Beim Verschwinden im Nebel des Traums ruft der Kardinal noch: „Wenn Gott Humor hat – und ich glaube fest daran –, dann ist die Kirche noch nicht verloren.“

Abwarten, denkt der Politflüsterer, und freut sich aufs Konklave.

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